Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 49 (19.12.1862)
- Date
- 1862-12-19
- Page
- Seite 424 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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424 ültrrn tüchtigen Lehrkräfte find für die mit dem Lehrberufe verbundene phifische Anstrengung zu schwächlicher Natur, auch dürfte ihnen trotz ihrer Gelehrsamkeit die rechte Methode abgehen. Talmudvorträge im Geiste der Gegenwart abhalten zu können, dem jüngeru Nachwuchs fehlt eS wieder an materiellem Wissen, Routine und an nöthigcr Autorität. Während man einerseits bestrebt ist, das historische Jndcnthum zu stützen, machen fich anderseits Bestrebungen breit, deren r efo rm ist i sch e Tendenz bisher nur im Auslande hcrvorgetreten ist. Die Vorsteher den Mciselsynagoge gehen trotz aller Opposition mit seltner Energie zu Werke, ihr Vorhaben, die Mciselsynagoge zu rcformircn, auszuführen, und zwar soll der Hamburger Tempel zum Vorbild dienen. Vorige 1 Woche hatte der Umbau, respektive die Demolirnng im Innern der, Synagoge begonnen. Bei dieser Gelegenb eit glaubte Rabbi Samue.! Freund eine in Wirklichkeit ebenso fruchtlose als lächerliche Demonftration machen zu müssen. Er ging nämlich in die im baulichen Zustande befindliche Synagoge, sprach laut den ScgeuSsprnch, der beim Anblick! der Nilincn der Städte Judäas vorgcschriebcn ist, : דיין האת »uv verfluchte die Vorsteher der Synagoge auf feierliche Weise. Diese drollige Aclion hat zwar zum Thcil ihren Effekt bei der ungebildeten Classc recht gut gemacht, und der Rabbiner wird von derselben als ein glanbenscifriger Mann verehrt, in der Sache selbst hat die Posse nichts geändert, und im Grunde war cs dem Rabbiner auch nicht so ernst, sonst hätte er aus ruhige fauste Weise die Ncformlustigen auf spätere Zeiten vertröstet und sie hätten gewiß sich vertrösten lassen, da ihre Rcformlust nur eine Oppositionslust, und keines Wegs dem Bedürfnisse eines geläuterten Geschmacks u. höherer religiöser Anschaumigen entspringt, sondern blos das Resultat eines hochmüthigeu Ehrgeizes ist. L. B. Miszellen. XVI. Hiperbolische Ausdrücke. Hiperbeln sind geistige Flügel des Menschen. Er fliegt hoch! danut. wenn auch der Zweck nicht immer von wirklicher Bedeutung ist.! Hiperbolische Ausdrücke gehöre» der Fantasie an, welche das Maaß ן der Dinge nicht von diesen selbst nimmt, sondern ihnen nach Gutbcfi»׳ , den gicbl. Hipcrbeln rhetortischcu Inhalts. wovon die Dichter und! Redner so oft Gebrauch machen, bilden zuletzt eines der innersten j Punkte der Psichologie. Eine Sammlung derselben ist interessant. Es J sind — wie allbekannt ist — im Talmud nach allen Seiten solche! Hipcrbeln zerfrcm. Manche dieser hiperbolischcn Anschauungen sind für; die Leriksografic nichc ohne Werth. Manche andere enthalten naturhistorische Fakta als ihren inuerfteu Kern. Andere enthalten Manches, daö für gewisse Einzelheiten der Eulturgeschichte irgend einet! Werth haben kann. Einige solcher Stellen im Dienste der Eulturgeschichte sollen hier in ihrem weitesten Umsaugc bervorgehoben werden. Die gegebencn Andeutungen können später verfolgt werden, von uns selbst sowohl, als von andern. Die bloß rhetorisch-hiperbolischcn Ausdrücke d. h. diejenigen, welche bloß Uebertreibungeu find, wie ste sich gewöhnlich sinde», ohne daß eine Rcflerivn oder Parallele an irgend einer Weise daran geknüpft ist. liegen außer nnserm Bereiche. Es gehören dieselben in daö Lcrieou oder in eie Rbetorik. Es find Ausdrücke, welche im Talmud unter der Namen גתבוא bekannt find. Es mag hier noch bemerkt sein, daß das Wort Hs) im Chaldäischcn auch schneiden bedeutet, und so siebet es in gewisser Beziehung mit dem deutschen Worte ״aufschneiden". 1. Staub bis zum Himmel. Wir lesen zn den Worten 1 M. 32. 25 T, ויאבק איש im Midrasch die Phrase שהעלו אבק ברגליהם עד כסא הכבוד. Es heißt dieses wörtlich: Die machten mit ihren Füße» einen Staub bis zum Throne der Herrlichkeit. Dies klingt sehr seltsam und wunderbar. Pro- Maisch in der Sprache des alltäglichen Lebens aufgelöst, sagen d. Worte aber gar nichts anders, als daß durch daö Ringe» ei» großer Staub verursacht wurde, so daß die Staubwolken beinahe zum Himmel reichte». Der talmudische Ausdruck ״Thron der Herrlichkeit" heißt hier nichts anderes als der Himmel ^). Diese talmudlsche Hipcrbel hat ihren Werth für die Lcricograsie. Die Talmiidisteu denlelen in höchst interessanter Weise hiermit an, daß im Hebräischen das Zeitwort אבק (ringen) in begrifflicher Verbindung steht mit dem Hauptworte אבק, eine Ansicht, welche au und für sich sehr richtig ist Es türsle dem Leser vielleicht nicht nnintcressant sein zu erfahren, daß Virgil einen ähnlichen Ausdruck benützte und das Anlus Gellius') cs der Mühe werth gesuudeu hat, diese Worte anszuhebcu. Daß seine Erklärung sich nicht erhalten hat, ist bedauerlich. Virgils Worte lanlcn: ״Coelum 8ture pulvere“ (der Himmel ist voll von Staub). 2. Naturhistorisches. Die Hunde und der Todeseugel. Das Reich der Hipcrbel ist groß. Man liest im Talmuv die Worte: מלאך המות בעיר כלבים צועקים d i. wörtlich: ״Wenn der TodeSengcl in der Stadt ist, schreien die Hunde". Es scheint uns dieses eine Hipcrbel zu sein, den scharfen Geruch der Hunde zu bezeichnen. Von den Geiern erzählt Plinins ׳'), daß sie drei Tage vorher den Platz riechen, wo ein Aas sein wird. Die talmudische Stelle hat etwas Rhetorisch ׳hipabolischcö, die Stelle des römischeu Naturforschers enthält ei» wirkliches oder geglaubtes Faktum, welches in sich auch mehr hiperbolisch klingt, als das talmudische. Beide Stellen enthalten beuselbeu Gedanken und können sich gegenseitig ergänzen. Die angeführte talmudische Stelle wurde übrigens von den altern jüdischen Gelehrten auch mannigsach allcgvrisirt. Leopold Dukes. Anmerkungen. ') Vgl. auch Raschi zu dieser Stelle. s) Der biblische Ausdruck עד לב השמים darf hier in Betrachtung gezogrn werden. י) Den Zusammevhang der Begriffe aus auvcreu Sprachen, mit welchen dieses Wort in Verbindung stehet, anzugeben, wäre sehr interessant. ') Nttische Nächte. VIII. Cap. 5. 5) Naturgeschichte. Buch I. Cap. 6. Milton hat im verlorenen Paradies X. v. 273. darauf hingcdeutet Als Dichter war für Miltou keine Nothweudigkcit vorhanden, die Wahrheit dieser Angabe zn untersuchen. Szegedin, Scll'stvrrlag der Ncüaktion. Leipzig, Aonimisstons-Vcrlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. ÄM- Hiezu dreiviertel Bogen Beilage. 'WfM