Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 48 (12.12.1862)
- Date
- 1862-12-12
- Page
- Seite 413 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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41;3 treu zu bleibe«, sieb nachträglich geuötyigk sah, ihrem ״geehrten Freunde" in einer kurz gefaßten doch leicht verständlichen Redaktionsnote Fingerzeige und Verhaltungsmaßregeln für das weitere Vorgehen in dieser etwas heikcln Angelegenheit zu geben. Woher endlich daS so bedeutsame Schweigen von ״Pesti Naplo“ und ״Orszag,“ deren Berichterstatter (bekanntlich Anton Csengery mit der Gaße £20 ein anderes Mal jedes geringfügigste Vorkömmniß des Langen und Breiten behandelt, dießmal TrefortS Erpektoralionen über die Jndenfrage gänzlich ignorirt und uns mit einem vagen Versprechen verkostet, ans diesen Gegenstand spater noch ein Mal znrückzukommen? So fragt man sich, und wie gesagt nicht mit Unrecht. Trotz dem wollen wir unö vorläufig jedes eingehenden Urtheils enthalten und geduldig die Zeit abwarten, bis es Herrn von Trefort gefallen wird, sein Versprechen bezuglich der Veröffentlichung des authentischen Artikels einzulösen. Möge er uns nicht lange darauf warten lassen. Wenn wir uns aber auch über die Sache selbst vorläufig jeder Partheinahme begeben, so können wir doch nicht umhin, einige einschlägige Bemerkungen zu machen, die, ohne das Urtheil der Leser zu präjudiziren. dennoch zum Um und Auf der ganzen Angelegenheit gehören. Vor Allem sei hier der wahrhaft erhebenden Einhelligkeit Erwähnung gethan, mit welcher die hiesige Indenschaft wie ein Mann sich erhob, um Protest gegen solche selbstvergessene Beschuldigungen einzulegen, wie sie uns Trefort nach den Berichten der Journale zugeschleudert. Hat sich auch dieser Protest nicht bis zur Wichtigkeit einer in die Augenfallenden That erhoben, so tragen gewiß nicht wir, sondern bloß die Ungunst der Verhältnisse die Schuld. Dazu kam noch die Erklärung im ״Magyar Sajtö,“ die den verschiedenartigen Strebungen, der allgemeinen Jndig- Nation einen energischen, öffentlichen Ausdruck zu geben, noch bevor man zu einem Beschlüsse hätte kommen können, vorläufig ein Ende machte. Nur wenn man d. Jndifferentismus kennt, mit welchem wir r.och vor Kurzem jeden wie immer gearteten Angriff durch Gleichgültigkeit, im besten Falle durch sporadisch anftretendes Lärmschlagen mit Worten von uns abwehrten, nur dann kann man ein solches Sich aufraffen auö der behaglichen, längst liebgewonnenen Indolenz in verdientem Maße würdigen. Wenn dann auch daS erwachte Selbstbewußtsein, die endlich zur Erkenntniß ihrer selbst gelangte Manneswürde hie und da des Guten zu viel thut und ins Extreme überschlägt — der Schaden, der uns dadurch verursacht wird, wird reichlich vom Nutzen ausgewogen, den eine Metamorphose, wie die eben geschilderte, stets mit sich bringt. (Schluß folgt.) GoMroUl Snlornon, Prediger am israelitischen Tempel zu Hamburg. Geb. 1. Nov. 1784. gcst. Ui. Nov. )862. Der künftige Biograf Salomon'S wird denselben als Pr ediger, als L nur ge», als Reformator. als Avologcten und Eregeten zu würdigen haben. Wir beschränken uns auf folgende Andentungen. Salomo» gehörte nicht nur der Zeit/) sondern auch dem Range nach zu den ersten jüdischen Predigern in Deutschland. Seine hohe Begabtheit war mebr eine poetische, als eine rhetorische; seinem inucrn geistigen Wesen nach war er mehr Dichter, als Redner. Jüngere oder für poetische Erzeugnisse besonders empfängliche Leser werden daher die Predigten S.'ö mit besonderem Interesse lesen, und dichterisch begabte junge Theologen werden dieselben mit großem Nutzen studiren. Einen besondern Reiz haben S.'ö Predigten durch den Witz des Redners, der oft auf eine sehr glänzende Weise hervortritt, und zuweilen auch die Anwendung von Wortspielen nicht verschmäht. ״Wenn cö zehn Meilen in der Runde," — heißt eS nnge« fähr in einer Predigt,— ״nur Ein Schauspielhaus gäbe; cS könnte die Zuschauer nicht fassen. Aber der Tempel faßt die Zuhörer, weil die Zuhörer den Tempel nicht fasse»!" — Leider sind mir S.'S Predigtcn ui diesem Augenblicke nicht zugänglich; ich muß mir's daher versagen, über den Inhalt derselben, die Invention, ein unmaßgeblichcs Urtheil abzugeben. So viel ich mich ans der Lektüre s. Pred. erinnere, bewegte sich Sauf dem Gebiete der Moral und Psichologie mit besonderer Lust und Liebe, das dogmatische Gebiet nur höchst selteu, das nationelle nur zuweilen betretend. Eine seiner gelungensten natiouellen Predigten ist: ״Die Erlösung Jsrael'S aus der Aegiptischen Knechtschaft das lehrreichste Kapitel in der Weltgeschichte (1841)." — S. soll seine Predigten nicht memorirt, sondern gelesen haben; nichtsdcstowenigcr war er ein sehr beliebter Prediger. Nächst dem höchst anziehenden Inhalte s. Pr. soll auch sein Organ dazu beigetragen haben, ihn zum Lieblingsredner einer gebildeten Zuhörerschaft zu machen. Nach dem Urtheile kompetenter Sachkenner besaß er die Ciceronische figura vocis, zu welcher magnitudo, firmitudo und mollitudo gebören. Sein Organ war stark nnd kräftig; die Haltung seines Tones war fest; und fehlte cs seiner Stimme auch nicht an Biegsamkeit und an richtiger Modulation. Für Läuterung und Bereicherung der synagogalen Liturgie wirkte Salomon nicht nur als Mitglied der liturgischen Kommission am Hamb. Tempel, sondern auch als Vers, mehrerer trefft. Sinagogenlieder, welche im Hamb. isr. Gcsangb. abgedruckt find. In der Vorrede zu s. Kanzelvorträgen über d. Dekalog (״der Berg des Herrn" Hamb. Berendsohn. 1846) macht er auf den Wunsch vieler seiner Freunde die Nummern der Gesangb. nahmhaft, welche ihn znm Vers, haben. Die refor mal orischeu Arbeiten S.'S beziehen sich zunächst auf dle gottesdienstlichen Einrichtungen des Hamburger Tempels: ״DaS neue Gebetbuch und seine Verketzerung Hamb. Berendsohn 1841." ״Sendschreiben au den Hrn. Dr. Frankel in Dresden. Hamb. Bödecker 1842." S. war Mitglied der Rabbinerversammlungen in Brannschweig (1844), in Frankfurt am Main (1845) n. in Brcölan (1846) und spielte bei denselben keine unbedelltcndc Rotte. Im Jahre 1845 gab er über einige synagogale Reformen nach Piipa ein Gutachten ab (Znlässigkeit und Dringt, d. Shn. res. Wien, Schmid, 1845. S. 20). In einer andern Richtung tritt die reform. Tendenz S-'S in seinen Aufsätzen in der Suiamit hervor. Hieher gehören s. ״Briese an em ach« rungswürdiges Frauenzimmer jüd. Religion," ״über Aufklärung und Auftlärer," ״über ven überflüßigeu Aufwand an Festtagen." Hieran reiht sich auch sein Versuch einer Biografie d. Maimon., welche indeß den heutigen Anfoderungen der historischen Wissenschaft bei weitem nicht entspricht. Die resormatorischen Arbeiten können in manchen Gegenden noch jetzt wohlthäiig wirken; vom lheologischeit Standpunkte kann dens. kein bedeutender Werth beigelegt werden. S. war geistreich, witzig und beredt; aber nicht geneigt, vielleicht auch nicht geeignet, sich in wissenschaftliche Forschungen zn vertiefen.