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Ben Chananja · 1862-12-05 · 47 (5.12.1862) · p. Seite 405

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
47 (5.12.1862)
Date
1862-12-05
Page
Seite 405 (sequence 7)
Language
German
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405 llsirte Sturm hat sich verzogen, ohne irgend welchen erheblichen Schaden anzurichten. Doch wie jeder elementare Sturm wenigstens das Gute hat, daß er die Luft von schädlichen Bestandtheilen reinigt und säubert, eben so hatte unsere Gemeindekrise auch eine gute Seite. Sie lieferte nenerdingö eilt argumentum ad liominemvon der traurigen Verlassenheit jener Kreise, die um an's Ruder zu gelangen, vor keinem Mittel, sei es auch das Erbärmlichste, zurückschrecken. Ein Lied übrigens, das schon die Spatzen auf den Dächern pfeifen. — In unserer alten Synagoge hatten wir diese Woche einen Gast: Einen Gast aus den fernen Gefilden des sangeSgesegneten Sarmatien. Wir verdanken diese Bescheerung einem Beschlüsse unseres Gemeindeausschusses, auf dessen Motivirung wir — unseres Theils — sehr neugierig wären. Es scheint nachgerade Mode bei uns zu werden, den OrthodorismuS als verhätscheltes Schoßkind zu behandeln. Möge unser Ausschuß sich konsequent bleiben und das Liebäugeln mit dem Orthodorismus, die servile Wohldienerei gegenüber einer winzig kleinen Fraktion, die sich doch schließlich keineswegs mit Fug und Recht für den berechtigten Repräsentanten der Orthodorie auSgeben kann, einer andern Seite überlassen, die zwar ebenfalls dafür etwas Gescheiteres thun könnte, die aber einer derartigen Haltung vielleicht bedarf, um Blößen zu bedecken, deren zu offen hervortretende Nacktheit in einer andern Position mit etwas gone verbunden wären. Was nun unfern Gast betrifft, so wollen wir ihm den oft zitirten ausländischen Spruch zu Gemüthe führen: Singe, wem Gesang gegeben. Aber auch nur der! wem diese Gabe nicht gegeben, der stelle die vielbewährte ungarische Gastfreundschaft nicht auf eine zu harte Probe. — Im izraclita 111agyar-egylet finden fast wöchentlich Sitzungen statt, deren Ausgabe es ist, das auf eine Sandbank gerathene Schiff deS Vereins wieder flott zu macken. Die göthiscke Fräse in verständliche Prosa übersetzt: deren Aufgabe es ist, dem in marerieller Beziehung stark herabgekommenen Egylet neuerdings auf die Beine zu helfen. Ob diese Konferenzen irgend ein günstiges Resultat zu Wege bringen werden? Wir sind nicht lüstern auf die Rolle der Kassandra, enthalten uns daher für dies Mal der Beantwortung dieser Frage. In einem unserer nächsten Schreiben kommen wir übrigens des Weitern auf dieses Thema zurück. Die Jnstallirung des bekannten hiesigen Lehrers Josef ltözsasy, der an die Stelle deS seinem Berufe zum Bedauern aller wahren Schnlsreunde für immer untreu gewordenen H. I. Großmann zum Lehrer an der hies. Mädchenschule ernannt wurde, gieng heute (25. Nov.) in dem großen Lehrsaale der Anstalt in Anwesenheit des Gemeinde- Präses Dr. Hirschler, und des Präses der Schulsektion Dr. Hauser, in feierlicher Weise vor sich. Auf eine etwas vage, leicht zu Mißverständissen Anlaß gebende Aeußerung der Letzter» sah sich unser allverehrter Gemeindepräses veranlaßt, in längerem Vortrage die Berufspflichten des Lehrers näher in's Auge zu fassen, bei welchem Anlasse er des Vorgängers Itoz8a8y's ans eine Weise Erwähnung thal, die für dessen Wirken an der in Frage stehenden Anstall das glänzendste Zeugniß enthielt. Ans Herrn Rözsasy zurückgehend, glauben wir unserer Gemeinde zu diese Aquisitiou gratuliren zu können. — Durch die von Sr. Maje« stät in den letzten Tagen verliehene umfassende Amnestie, wurde — was die Begehen durch die Presse belangt — nur ein jüdischer Schriftsteller berührt. Es ist dieß der frühere Redakteur des Magyar Izraelita, Herr Moriz Mezei, desfen tu Schwebe befindlicher Preßprozeß in Folge des allerhöchsten Gnadenaktes niedergeschlagen wurde. Berthold Ormody hatte seine Strafzeit schon gänzlich überstanden, als die Amnestie pnblizirt wurde. — Unsere jüdisch-ungarische Jugend entwickelt auch aus schriftstellerischem Gebiete eine recht erfreuliche Rührigkeit. Von einem unserer talentirtesteu jungen Lyriker, Herrn Albert Farkas, wird im Laufe der nächsten Tage auf der hiesigen Nationalbühne eine fünfaktige Originaltragödie, Namens: Johanna von Neapel aufgeführt. DaS ausgesprochene Talent deS noch ganz jungen Mannes berechtigt zur Hoffnung auf einen günstigen Erfolg. In der Uebers. Adolf Tatay'ö wurden in der kurzen Zeit von drei Monaten drei französische Konversationslustspielc im Ofner Volkstheater aufgeführt; schließlich ist von Kar! Bodor eine höchst gelungene Uebersetzung des Sardon'schen Romanes ״die schwarze Probe" erschienen. — Als Desert noch eine ganz pikante Neuigkeit, für deren Wahrheit ich Ihnen bürgen kann. Vor zwei Wochen ist hier eine Brochüre polizeil. mit Beschlag belegt worden, die sich keine andere Aufgabe gestellt hat, als den Beweis zu führen, daß die ganze hiesige Gemeindevertretung nichts Anderes als ein revolutionärer Klubb ist, ein Klubb mit den staatsgefährlichsten Umsturz-Tendenzen. An der Spitze dieses heillosen Jakobinerkonvents steht ein Mann, dem eS nm nichts Anderes, als um Demonstrationen zu thnn ist, und zum Organe benützt derselbe den ״Magyar Izraelita,“ ein Blatt mit den rohesten, ausgesprochen sozialistischen Tendenzen. Sie sehen, welcher Mittel sich unsere Gegner bedienen, nm den Händen der gegenwärtigen Gemeindeleitnng das Heft zu entwinden. Uns fällt bei solchen Anlässen stets das lateinische Sprüchwort ein: Quem deus perdere vult, amentat. Korrespondenz. Uttg. Kanischa, 1. Dezember. Wir haben heule das älteste, würdigste und verehrtem׳ Mitglied ilnserer Gemeinde zu Grabe gelcirek: Hrn Heinrich Redlich. Derselbe hat 1778 in Krenow in Polen das Licht der Welt erblickt. Als 14 jähriger Knabe kam er aus die Jeschiba d. R. Samuel Ha-Levi in Boökowitz in Mähren 6 I. später ging er nach Prag, welches er 1799 als ausgezeichneter Thalmndist, n. auch mit anderen Kenntnissen ausgerüstet, verließ. Ec lebte hierauf als Hauslehrer in Neuransnitz. —der in Mähren hochgeachtete Franz Flesch in Brünn ist sein Schüler, — Altofen und Pest. Im I 1820 vermählte er sich hierorts. Seine thalm. Kenntnisse, f. hohe Bildung, seine strenge Rechtschaffenheit und sein milder Charakter erwarben ihm die Berehrung der Gemeinde, welcher er als Borsteher u. Rathgebcr vielfache Dienste leistete. Er stand aber auch bei der christl. Bevölkerung in hoher Achtung. Um ihn trauern seine treue Gattin, zwei Töchter, (die ältere ist die Gattin d. Red. des B. CH.), und zwei Sohne. Der ältere sicht seit Jahren dem Geschäfte der Verewigten vor; der jüngere ist Doktor der Medizin und Chirurgie. Bei seinem Leichenbegängnisse beurkundete sich allgemeine Thcilname. Der Stuhlrickter mit seinem Amtspersonale, der Stadtrath und die Stadlrepräsentanz erschienen ebenfalls im Hause der Leidtragenden und schloßen sich dem Zuge an. Die Leichenrede hielt s. Schwiegersohn, d. Red. d. B. CH., welcher auch die für die Oeffentlichkeit bestimmten Punkte d. letzten Willens d. Berblichenen verlas. Die Schlußworte dieser Punkte lauten: ״Und nun, meine theuren Hintcrlassenen. sage ich euch im voraus mein innigstes und herzlichstes Lebewohl. Möge der allmächtige, einzige und einige Gott, der Gott Nbraham's Jmk'S und J.ckob'S euch

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