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Ben Chananja · 1862-12-05 · 47 (5.12.1862) · p. Seite 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
47 (5.12.1862)
Date
1862-12-05
Page
Seite 406 (sequence 8)
Language
German
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in allen euren Unleriiehmnngcn Glück und Segen verleihen. Auch meiner Seele möge er sich gnädig zeigen, Amen." Der Verblichene Halle diese Pinikle J856 eigenhändig niedergeschrieben. Sein Andenken wird bei Allen, die ihn kannten, ein gesegnetes bleiben! Literarische Anzeigen. Der Tamlhauser und Ewige Jude. Zwei deutsche Sagen in ibrcr Entstehung und Entwickelung. historisch, mithologisch und bibliografisch verfolgt nnd erklärt von Dr. I. G. Th., Größe. 2-tc vielfach verbesserte Auflage. Dresden, 1861. 8-0. Besprochen von L. Dukes. (Fortsetzung.) Der Name d. ew. Jude lauset verschieden. Der bckanteste ist Ah a Svcr. Es ist dies der Name ׳אהשורוש mit welchem natürlich lein Zusammenhang cristirt. Er heißt auch KartapilnS, ein Wort von unbestimmter Etymologie, und Laquedcm, welches Wort, obwohl cs einen hebräischen Klang ()at,r) dennoch nichts damit gemein zu haden scheint. Der ewige Jude — so erzählt die Sage — soll sich getauft haben. Da der Ursprung dieser Sage christlich ist, so ist dies ganz natürlich. Leichtgläubigkeit hat den Märchen überhaupt Eingang verschafft. Aberglaube hat sic später erhalten und ihnen zuweilen einen religiösen Charakter gegeben. Die Legende ist das religiöse Mährchcn. Dieselbe zn glauben ist übrigens niemand gezwungen. Jetzt sind das Mährchcn und die Legende nur wie nneigentliche Redensarten. Es sind veraltete Phrasen des allgemeinen Wörtcrbruchö der menschlichen Anschannngeu. Wenn man aste Mährchcn und Sagen anö der Welt treiben wollte, so würde die Menschheit nicht um eine Wahrheit ärmer, aber cs würde wohl der Stoff.der Nnterhaltung vermindert werden. Manche Wahrheiten würden aber ihren Hauptreiz vertieren. Es würden dieselben nackt erscheinen, ohne irgend ein Interesse zu gewähren. Langeweile würde ihre Gegenwart unaiigenehm machen. ״Notre enneini Io plus grand c est 1' ennui“ ״unser größter Feind ist die Langeweile"). Dieser Ausspruch Vollairs hat seine Stärke in sich. Die Menschen haben von jeher die außerordentlichsten Anstrengungen gemacht, derselben zu entfliehen. Man hat verschiedenes begonnen. Wir können nicht alles nennen, was man gethan hat, wir wollen nur ansmerksam machen, daß manche Menschen Bücher gelesen und manche Bücher geschrieben haben, um sich die Zeit zu verkürzen. Wer weiß, ob nicht Langeweile den Leser veranlaßt, diese Zeilen zu lesen, und ob nicht derselbe Grund den Schreiber derselden in Versuchung brachte, dieselben dem Papier anzuvertrauen. Hatlen beide was besseres zu lhun gewußt, vielleicht hätten sie es wirklich j gethan. Wer weiß, ob nicht der Leser und der Schreiber bereuen werden, was sie gethan haben. Daß sie es bereuen können, ist möglich; daß die Reue hier — wie sonst oft — zu spät kömmt, ist gewiß. Die Kürze des Lebens, hat oft Stoff für erbauliche Betrachtungen gegeben. Wenn manche Prediger durch Langeweile bas Leben verlängern, rauben sie dadurch, ohne es selbst zu wissen, den einzigen Trost, welcher den Unglücklichen gelassen ist. Mährchen — geflügelte Kinder der leicht umherschwebenden Phantasie — üben einen wohlthätigen und angenehmen Reiz auf den Leser aus. Ob es eine Naturgeschichte der Leser giebt, wissen wir nicht, wenn es keine giebt, sollte es eine geben. Hier wäre Gelegenheit, eine zu geben. Hier wäre Gelegenheit einige Fundamental-Bemcrkungen darüber zu machen. Wir erinnern uns zur rechten Zeit, daß wir nur von Mährchen sprechen wollten. Zn dem Mährchen siehet jeder Leser — welcher Klasse er immer angehört — wie in einem Spiegel die Gestalten vor sich einherziehen. Die wohlthätigen und uneigennützigen Feen — das Talent des Erzählers der Märchen ist nicht zu vergessen — berühren den Leser wie den Helden d. Mährchen mit ihrem Zanberflab, u. machen ihn für eine Zeit vergessen, daß er mir ein Märchen liest. Man hat aber im Märchen auch etwas Allgemeines gesucht. Die Allegorie hat sich auch dem Märchen zugesellt. Es ist die allgemein zn Grunde liegende Idee zu betrachten. Diese allein ist's. wenn sic an sich vernünftig und moralisch ist, welche ihnen auch wirklich einen Hähern Werth giebt Die Sagen sind wie Schattenrisse, cs find oft nur die nmgränzcndeii Linien, welche ansgefüllt werden müssen. Diese Ausfüllung kann zuweilen die Allegorie sein. Es sind i» Talmud und in den verschiedenen Midraschim viele Sagen zerstreuet. Eine Sammlung derselben mit Parallelen begleitet, wäre in vielen Hinsichten interessant, thcils zur Uebersicht und Bctrachlang des Sagcnstoffs selbst, theils auch zur Veranschaulichung der Geschichte der Wanderung dieser Sagen von Asien nach Europa. Das allgemein Vernünftige darin aufzusnchen nnd hervorzuheben, ist Sache des philosophischen Historikers. Im Talmud finden sich allerlei Sagen und Erzählungen. ES hat Leute gegeben und giebt noch solche, die der Meinung sind, daß alle diese Erzählungen geglaubt werden müssen. Daß dies nicht der Fall ist, bedarf nicht viel Ansciiiandersctznng. Die Worte des Samuel ha-nagid dürfen hier im Vorbeigehen angcsüyrt werden: ־־ ללמוד מן האגרה אר־^א כלה שיעל־^הjS ואין ״ עלהדעתvon der Agada ist nur das zu entnehmen, was verirünftig ist." Diese» Worten (welche sich in dessen Mcbo Ha-Talmnd sinden) wird anderwärts mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Die alten griechischen Philosophen haben bereits sehr wahre Gedanken ausgesprochen über den Werth der Passionen im Getriebe der Natur und Welt. Anlus Gel lins׳') führt eine sehr interessante Stelle über diesen Gegenstand an. Dieselbe enthält ihrem innersten! Wese» nach nur die Idee von Aristoteles über die Tugenden, daß; die Mittelstraße das Maß derselben sei.! In allegor. Weise ist im Talmud v. Werth d. Passionen durch! die Angabe bargcstellt, daß man die Leidenschaft (den יצר הרע)! einst cinkerkerte, und daß man nachher ein Ei vergeblich suchte. 4) Der Teufel in Aachen — in gewisser Beziehung hiehcr gehörig'^ — | ist in sich eine inhaltsleere Sage, d. nichts geistiges enthält, und i bloß ins Reich des Aberglaubens gehört. Die Sage selbst scheint! als eine Nachahmung einer ähnlichen m o h a ur ed a n i s ch e» zu sein.! von Alerander, von welchem erzählt wird, daß er den Satan in den Bergen eingeferkerr hat. ") (Fortsetzung folgt.) Anmerkungen. ') Das Wort קרטע heißt tut Ehaldäischen und int Talmudischeu ״springen. Hüpfen." Dieser Name hätte von diesem seine Bedeutnng. ף Man hat das hebr. Wort □לקד darin gesehen. 3) Attische Nächte 8. IX. Kap. 12 Bergt, ailch unser Ben Gabirol S. 21. 4) Die folgende Zeile Schillers ist der beste Commentar zu dieser talmudischen Sage ״ohne Liebe kehrt kein Frühling wieder. ״s) Eiselin deutsche Grammatik. 1843, S. 328. ä) Vergl. unter andern das אגרת בעלי חייט Hauptstück V. Kap. 8. ES wird auch erzählt, daß er Gog nnd Magog i» den Bergen eingesperrt habe. Joseph Kimchi erwähnt diese Sage und wir haben diese Stelle bereits im Literaturblatt des Orients (1850) letzte Seite gegeben. Szegedin, Leipzig, Selbstverlag der «rdakilon. Lommisstons-Vrrlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szcgedin.

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