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Ben Chananja · 1862-11-28 · 46 (28.11.1862) · p. Seite 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
46 (28.11.1862)
Date
1862-11-28
Page
Seite 397 (sequence 7)
Language
German
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397 der orthodorcn Gemeinde׳, die Reformgemcinde, welche seit Jahren sich von der Muttergcmcindc losgesagt, st-l!t unter Leitung des Dr. Ritter und Oppcildeimer. Beide verwalten nur die Funktionen von ReilgionSlehrern. renn Holdheiui'S Stelle in unbesetzt. Für jetzt steht im AuSsicht, daß nach Eröffnung des neuen Tempels die Tochter in das Haus ihrer Mutter-Gemeinde znrückkehren wird. Meine Schilderung d. NuterrichtSanstaltcn leluie ich an die aus der wärmsten Innigkeit des Gemüthö gesprochenen Worte: ״Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, die sic pflegen sind selig." Ich erzähle erst von von d. Statuten des Talmud-Vereins (חברת שס) und von der mit demselben in Verbcidung siebenden Schule: Talmud Tora genannt. Der Talmud.׳ Verein wurde vor!1 Jabren gegründet׳, er bat im Lause dieser Zeit einen sehr erfreulichen Fortgang gehabt. Gr ist daraus berechnet, das Talmud-Studium zu pflegen und zu verbreiten; er hat auch die jüdischreligiöse Bildung der Jngenk in den Bereich seiner Wirksamkeit gezogen׳ Die Stellung des Acrciiicö wird immer eine festere und sein Ginfluß erstreckt sich hierorts bei Vielen auf das praktische Leben. Mit sieter Rücksicht ans daö praktisch-jüdische Leben geht sein Bestreben dabin, baß die Jugend in gläubigem Sinne die hohe Bedeutung unserer Religion und unserer alten heiligen Schriften kennen und beachten lerne. Bei der großen Wirksamkeit, die sich der Verein gestellt, fand er für notwendig, dieses Gebiet der Leitung und Aufsicht einer bcsontern Kommission zu übergeben. Der Verein betrachtet es ferner als feine heilige Pstiht, in dankbarem Hinblick auf seine Wohlthäter seine Erkenntlichkeit gegen dieselben, soweit cs seine Mittel gestatten, durch Erfüllung jüdisch religiöser Pflichten auszudrücken, und zugleich das Andenken an seine Wohlthäter und Mitglieder auch nach deren Scheiden wach zu erhalten. (Fortsetzung folgt.) Köln, 16 November. Geehrter Herr Redakteur! Auf den Brief an Hr. Dr. Philippson, den Sie in Nro 45 d. B. CH. veröft fentlicht haben, antwortete mir Herr PH. gestern: ״Geehrter Herr! Ich habe schon gesagt, daß ich mit Ihnen in keine Polemik einircten will.*) Sic mußten (!) also voraussetzen, daß nicht Sie und Ihr Buch in den Zerstreuten Bcm. in Nro 45. gemeint seien. Dieß ist auch nicht der Fall. Ich habe im Auge gehabt eine Schrift, die in nächster Zeit erscheint (!) und mir und meinen College« Herzfeld und Goldschmidt Vorgelegen, eine Schrift, voll der tiefsten Einblicke in Hellenenthnm und Judcnthum, voll Geistes und Formschönhcit, eine Schrift, die ich vielfach bewundern, aber durchaus bekämpfen werde (ganz dasselbe sagte mir schon Herr PH. ins Gesicht über mein Schri st), und deren Titel ich Ihnen unter Diskretion mitlhcilcn k ann. Ist cs Ihnen aber wünschenswerlh, so will ich eine Erklärung geben, daß ich in jenen ״Bemerkungen", keine bis jetzt gedruckte, sondern eine baldigst erscheinende Schrift im Auge gehabt". Ich antwortete hierauf. ״P. S. Aus Ihrem Geehrten vom 14. dieses entnehme ich nur das Eine, daß Sie zu der Erklärung bereit sind, mich und meme Schrift in dem Artikel ״Zrstr. Bemerkungen" in Nro 45 nicht gemeint zu haben. Ob Ihnen ein Mannscript Vorgelegen, auf welches sich Ihr Artikel bezogen haben kann, an welches aber Ihre Leser sicher nicht gedacht haben konnten, als Sie Ihre ״Zerstr. Bemerkungen" lasen. habe ich nicht zu untersuchen. Jene Erklärung genügt; aber sie genügt unr dann, wenn sie ansdücklich besagt, daß mit den z. B. in Nro 45 die Schrift Rom und Iern salem *) Außer der Kritik meines Buches, welche von Frankfurt M. datirt und R. K. unterzeichnet war, ließ sich H. PH. auch schon früher von Hamburg aus perfide Insinuationen über mich und mein Buch schreiben und in derselben Nummer, in welcher die zerstr. Bem. waren, befindet sich auch eine Korr, ans Paris, in welcher über mich und mein Buch woblfeilc Witze gemacht wurden. M. Heß und deren Verfasser M. H e ß nicht k a r x f 11 r t!' 1 r t w erden sollten. Was Sie sonst noch hinzufügen wollen, das ist Ihre Sache. Mir kommt es nur darauf an, daß jene unterstrichenen Worte in der Erklärung enthalten seien, und daß dieselbe nicht etwa in den Annoneen. sondern in der Zeitung selbst stehe, wo auch die ״zerst. Bem". waren. Mit Achtung M. Heß. 1. London, im Nov. Dr. Martin Haug'S neueste in Vombav erschienene Schrift verdient in jeder Rücksicht auch die Aufmerkamkeit denkender jüdischer Leser auf sich zu ztehen. Nach Hang ist die Lehre vom Satan und das AuferstehungSdogma nicht aus dem Parsismus in das Judcnthum gedrungen, was bekanntlich in neuerer und neuester Zeit vielfach behauptet wurde. Sehr beachtenSwerth ist der Bericht zweier Armenischer Schriftsteller des fünften christlichen Jahrhundert'S, Eznik und ElisäuS, nach welchem in ihrer Zeit die Parsische Religion in zwei Glaubensbekenntnisse zerfiel, deren eines, M og, nur die Avesta, oder den Tert der Parsifchen ReltgionSurkunden als verpflichtend anerkannte, während das andere, Zendik, auch die mündliche Neberliefcrung mit in den Kreis dieser Anerkennung zog. D. Mog hatte seinem Sitz vorzüglich im Osten, in Medien und Perficn; d. Zendik war mehr im Westen, in Baktriana, verbreitet. Es wäre sehr wünschcnswerth, wenn ein jüd. Forscher diese Berichte der arm. Schriftst. einer genauen Prüfung unterzöge, indem hieraus neue Aufschlüsse über die ersten Ursprünge des KaräiSmus hervorgehen könnten. ,Inland. D Wien, Nov Von unser,» Ludwig August Franke l ist vor Kurzem ein Gelegenheitsgedicht erschienen: ״Gruß an d. Naturforscher und Aerzte Gespr. 19. Sept., bei d. Festvorstellung im Theater." Dasselbe ist der Verherrlichung Kepler'S gewidmet: ״Indes die Weltenkceise er gemessen, hat er die Erde und sie sein vecgessen. Sein ward der Geister altes Märtirthum, nur wen die Nach- Welt preiset, glänzt im Ruhm." Der Ertrag d. Ged. ist zur Errich - tung des Denkmals für Kepler in s. Vaterstadt Weil in Würtemberg bestimmt. Wie ich höre sind bereits einige Hundert Gulden als Erlös d. Ged. cingelaufen. 8L«ntvs, 24. Nov. Die hiesige Gemeinde hat eines ihrer würdigsten Mitglieder verloren. Leopold HönigSfeld der zum Wohle seiner Gemeinde gewirkt hat, ist in Folge einer Krankheit gestern mit Tode abgegangcn. Der Verblichene war der Sohn frommer Eltern ׳, in seiner Jugend war er Jugendlehrer, daun trat er in das Geschäftsleben über. Der Wissenschaft, insbesondere der hebräischen Literatur, blieb er ein treuer Freund bis an sein Lebensende. Durch seinen fcommen Wandel sowohl, als auch durch all sein Thun und Lassen gewann er jederzeit den Beifall Aller, mit denen er Umgang hatte. Beim Gemeindevorstande war er Beisitzer; die Chebra Kadischah hat ihn jüngst als Ehrenmitglied des Vereins eingenommen. (Ec war nicht verheiratet u. desh. erst nur Chebra-Jüuger.) Die Schule verlor in ihm ihren eifrigsten Beschützer. Seit mehreren Jahren war der Selige Mitglied der Schulkommissiou; und können auch wir ihm das wohlverdiente Zengniß geben, daß er seinen Pflichten treu nachkam. Er ließ sich durch kein Geschäft zurückhalten, für die gute Sache zu wirken. Der ausgeschriebene Lehrerposten für die hiesige Hauptschule wurde durch den wackern Lehrer Hofmann besetzt. Derselbe wirkte früher an den öffentlichen Schulen in Päpa und Gyöngyös. Außer den Genannten wirken au der hiesigen Hauptschule die Herren Lehrer *) Essay on the Sacred Language, Writings and Religion of the Parses. Bombay, 8-e 1S62.

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