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Ben Chananja · 1862-11-21 · 45 (21.11.1862) · p. Seite 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
45 (21.11.1862)
Date
1862-11-21
Page
Seite 388 (sequence 8)
Language
German
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388 nach dem neuen Ritus mit Choralgesang eingeführt und die Reden unseres bescheidenen ReligionSweiserS wirken und tragen schöne Früchte. Tengeri. Aus Mähren. Die öffentlichen Blätter melden aus Domborschitz, daß bei der Einweihung der isr. Normalschule daselbst der Dechant nach beendigtem Gottesdienste die Kanzel in der Synagoge bestiegen und eine sehr erhabende GelegenhcitSrede gehalten habe. Gewiß ein seltenes Schauspiel; ein katholischer Geistlicher als Prediger in einer Synagoge! und gewiß ein nicht hoch genug anznschlagender Beweis der Toleranz und der Freifinnigkcit eines kathol., Priesters. Wir erlauben uns aber die Frage: War denn kein jüdischer Geistlicher bei der Feier? Und ist auch gegenwärtig kein Rabbiner in Damborschitz, hätte nicht ein Rabbiner aus der Nachbarschaft Austerlitz, Gaya, Butschowitz geladen werden können? Zn Brünn wurde bei der Einweihung des neuerbaueten Gym« nafinmö auch der Lehrplan für die isr. Religionslehre unter den übrigen Dokumenten in den Schlußstein getagt. Es dürfte diese die erste kath. Lehranstalt in Oesterreich sein, d. auch den Unterrichtsplan für d. jüd. Religion zur Aufbewahrung für spätere Zahrhuuderle in ihren« Schlußstein birgt. UebrigenS stellen die Zsraeliten auch kein kleines Coutingent zu den Schülern dieser Anstalt und beträgt die Zahl derselben im heurigen Jahre 109. An den beiden Realschulen in Brünn macht die Zahl der tsr. Schüler gcgenwärtig 169. In der Cultnsgemeinde zu Brünn ist ein Frauenverein im Entstehen, dessen Statuten-Entwnrs so eben ausgegeben «vird. Wer wollte solch einem löblichen Unternehmen nicht den besten Fortgang wünschen? Nur glauben wir, daß man im guten Eifer zu viel auf einmal erfassen «vill. ״תפשת מרובה לא תפשת Der Verein strebt nicht «veniger als 7 fromme Zwecke an: а. Wochengelder an eingezeichnete Arme bis zur Höhe von 2 fl. d. Außerordentliche Hilfeleistungen bei sich ergebenden Nothsälle». Wochenbett-Krankheit 1c. bis zur Höhe von 20 fl. б. Vcrtheilung von Viktualien, Feuerung und Kleidungsstücken, letz» tcreö besonders an arme Schulkinder. d. Unterstützung für Kranke und ReconvaleScenten, Koscherkost an weibliche Kranke der Spitäler, Geldbeiträge zu Badereisen. Koscherkost wird nur denen gereicht, die es dringend verlangen und deren Vorleben darauf schließen läßt, daß sie dieß aus religiösen Gründen beanspruchen. (Soll da eine Inquisition geübt werden? Und wenn der Kranke geradezu seine frühere Vernach» läffiguug des religiösen Ceremoniellö bereuet und sich bessern möchte?) 6. Entrichtung von Schulgeldern für Kinder hiesiger Armen. Ferner AttöbildungSbeiträge für 2, dem Lehr- und Erziehungsfache sich widmeilde Mädchen. 1'. Gelbnnterstützungen an besonders würdige fremde Arme, bis zur Höhe von 50 fl. jährlich. g. AuSstattungSbeilräge von je 50 fl. jährlich an zwei hiesige Bräute. Waag-Neuftadtel, 18. Nov. Da wir vor einigen Mona» ten in diesen Blättern über den guten Stand der hiesigen Schule berichteten, so freuet es uns jetzt, jenem Berichte hinzusügen zu können, daß mit Beginn des heurigen Schuljahrs unsere genannte Hauptschule sich einer ersten Unter-Realklasse anschlicßen wird. An dieser neu creirten Unter-Realschnle werden nicht nur die gewöhnlichen Rcallehrgegenstände vorgetragen, sondern es ist auch für einen erweiterten, dieser Klaffe angemessenen Unterricht im hebräischen Sprach- und Bibelfache sowie auch in der Mischnah Sorge getragen, an welchem sich auch Sr. Ehrwürden H. Oberrabb. Weisse mit einigen Stunden wöchentlich betheiligt. Daß auch die ung. Sprache gelehrt wird, versteht sich von selbst. Daß diese neue Anstalt, sowohl für die hiesige Gemeinde als auch für die isr. Bevölkerung der Umgegend eine ungemein große Wohl« thal werden wird, brauchen wir dem Sachverständige» kaum zu crwähne», zumal die hiesige Gegend selbst an kathol. Realschulen arm ist, und die Eltern gezwungen waren, ihre jungen Kinder nach Preßburg, Wien oder Pest zu schicken, und sie so der elterlichen Erziehung — der uatürlichsten und festesten Basis alles öffentlichen Unterrichts — zu berauben. Da wir nun hier so bedeutende Lehrkräfte besitzen, und selbe noch durch eine so hervorragende, wie die oben genannte, vermehrt wurde, so können wir mit Rechr auf ein gesundes Gedeihen dieser Anstalt hoffen. Schließlich verdient noch erwähnt zu werden, daß gcnannteS Institut, nächst den Bemühungen des geehrten Gemeinde- und Schulvorstandes und des Hrn Direktors in erster Reihe, auch der Anregung und Strebsamkeit von Seiten des hiesigen Lehrkörpers sein Entstehen verdankt. Wenn nun crstercn gewißlich von Jederman der ihm gebührende Dank und die gerechte Anerkennung zu Thcil wird, so möge sich auch letzterer bald jener geachteten Lebensstellung erfreuen, die er als Lehrer und Bildner der Jugend — als der künftigen Generation der Gemeinden — mit vollstem Rechte beanspruchen kann. 8. Szegediu, 19. Nov. Der gestrige Tag war als Hochzeitstag der Tochter des hiesigen Rabbiners nicht nur für letztern und dessen Familie, sondern für die ganze Gemeinde ein freudig-festlicher Tag. Nachdem die Gemeinde als solche ihrem Rabbiner die sprechendsten Beweise ihrer Anhänglichkeit gegeben hatte, war jedes einzelne Mitglied beflissen, dem Brautpaare eine zartsiunige Ueberraschung zu bereiten. Bei dem TrauungSakte waren alle Räume der Sinagoge überfüllt. Den Trauakt leitet der Vater des BräntigamS, Bez. Rabb. Barach, die Traurede hielt der Vater der Braut. Die Jndividnalisirung, von welcher die ganze Rede durchwebt war, mußte aus die Versammlung, welcher die bezügl. einzelnen Züge genau bekannt waren, eine ungewöhnliche Wirkung Hervorbringen. Das Festmahl in dem herrlich geschmückten Gemeindesaale war durch d. gehaltenen ungarischen, hebräischen und deutschen Trinksprüche sehr animirt. Der zweite Sohn d. ״FreudenvaterS," — wie der Vater der Braut am Hochzeitstage ungarisch genannt wird, — Samuel, trug das von Pros. Samuel David Luzz atto in Padua eingesendcle französische Hochzeisgedicht im Originale u. in sehr gelungener, von ihm verfaßter ungarischer Nebersetzung vor. Mehrere Nachbargemeinden ließen sich durch ihre Vorsteher beim Feste vertreten. Im Laufe des Tageö und noch beim HochzcitSmale liefen von Gemeinden, Vereinen und einzelnen Freunden des HochzeitgeberS zahlreiche tclegrasische Gratulationen ein; die Post brachte in Briefen von Nah und Fern geist- und gemüthvollc Kundgebungen der Simpathie f. die Familien Barach und Löw. Ein glänzendes von der Jugend gegebenes Ballfest schloß die Feier des Tages, in welcher bas innige Verhältniß zwischen der Gemeinde u. dem Rabbiner auf eine in unserer Zeit wol seltener Weise hervortrat. Die anwesenden fremden Gäste waren davon besonders entzückt, und Dr. Schwab aus Pest hat diesem Gefühle auf eine meisterhafte Weise Wort und Ausdruck gegeben. Z. Neutra, 16. Nov. Das hiesige Rabbinat soll wieder besetzt werden. Von der Ausschreibung eines Konkurses ist man zurück- Szegedin, Sellißverlag der Redaklion. Leipzig, Lommisjions-Vcrlag von Franz Wagner. Druck vor« Sigmund Burger in Szegedin. LM- Fortsetzung in der Beilage.

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