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Ben Chananja · 1862-11-21 · 45 (21.11.1862) · p. Seite 387

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
45 (21.11.1862)
Date
1862-11-21
Page
Seite 387 (sequence 7)
Language
German
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387 digte, und selten blieb ein Auge thränenleer, wenn er ans innerster Seele zu Gemüthe sprach. Ein leuchtendes Beispiel von Tugend und Gottesfurcht war der edle Mann, hoch begabt war er mit seltener Herzensgüte und reich war er an tiefer Gelehrsamkeit. Das Leichenbegängniß war ein glänzendes und ehrenvolles. Zahlreiche Gelehrte, sowie viele Kenner und Freunde der jüdischen Literatnr geleiteten den Dahingeschiedenen an Grabe, an welchem in viclen klassischen Reden die Vorzüge des Verblichenen gewürdigt wurden. Wie die edle Persönlichkeit des selig verstorbenen Herrn Rabbiners Samuel Salomon Jgstädtcr nur Liebe nnd Hochachtung eingcflößt hat« te, so folgten auch tiefer Scelenschmcrz und Trauer seiner Bahre! Das Andenken des Gerechten sei gesegnet! Inland. Gran, 9. Nov. In der Nachbemerkung der Red. zur Korrcspondcnz aus Groß-Bccökcrck (B. Eh. Nro 40) heißt es: ״der Waitzner Bischof hat vor einigen Zähren der ihm unterstehenden Geistlichkeit diese Beaufsichtigung sogar untersagt." Erlauben Sic mir Ihnen mitzuthci« len, daß auch d. hiesige Cardinalfürst-Erzbischof einen ähnlichen Vorgang beobachtete. So schrieb er am 27. Juni 1857 an die Statthaltcrei: ״Da ich mit jenem Grundsätze, demgemäß d ie katholische Kirche irgend einen Einfluß auf die israel. Schule durch ihre Organe ausüben soll, mich um so weniger befreunden kann, weil selber auch den kanonischen Satzungen cntgegenläuft, so wird Eine hochlöbl. k. k. Stakthalkerei-Abtheilnng es nicht übel deuten, wenn ich die den isr. Privatlehrcr B. Z. betreffende Akten hiermit neuerdings zurückstcllte." Am 29. März 1858 schrieb derselbe: ״In Hinsicht der Zudenschulberichte und Angelegenheiten aber, für welche ich mich irgend einer Verantwortlichkeit weder aussetzen will noch kann, ist mein DiözcsankleruS seit Zähren angewiesen, sich an die politischen Behörden unmittelbar zu wenden." Sonderbar bleibt es immerhin, daß eine Einrichtung die den kanonischen Satzungen eutgegenläuft, und den Juden nicht genehm ist, noch immerfort besteht. Aus Böhmen, 5. Nov. Mit einem Erlasse der h. k. k. Böhmischen Statthalterei v. 17. September l. I. Z. 42696, wird eine Ergänzungswahl der böhm. jüdischen Landesrepräsentanz angcordnet, in der Art. daß von den 13 Kreisen Böhmens, von je einem Kreise, ein Repräsentant gewählt werden soll, welche 13 Repräsentanten in Verbindung mit den bereits sungirenden 4 Lanbesrepräsentanten daö Curatorium über das von den Steucrrcsten zu gründende Waisenhaus zu übernehmen haben werden. In diesem h. Erlasse sagt S. Erzellcnz ן der k. k. Statthalter; ״Ich behalte mir vor, die so nengebildete Re-! präsentanz der Landesjudenschast auch bei Beralhungen der israelitischen! Kultusverhältnisse zu benützen." ES wird unn Zeit sein, daß die Herren vom Zwölfernnd Zweiunddrcißiger-AuSschuße v. Schauplatze abtreteu, um besseren Legislatorcn Platz zu machen. Die Leistungen dieser Ausschüße sind es wahrhaftig nicht wcrth, auf ehernen Tafeln der Nachwelt ausbehalten zu werden, es werden vielmehr diese Beschlüße recht solonischer Weisheit der verdienten Vergessenheit anhcimfallcn. Von Herrn Dr. Robitschck, von dem höchst wahrscheinlich nichts mehr in die Oeffentlichkeit gelangen wird, von diesem eben so edlen als geistreichen Manne, müsj sen wir mit bewegten Herzen Abschied nehmen. Das Judenthum, wenn es sich allenfalls seiner erinnert, wird seinen Verlust, mit — innigsten Wohlbehagen — verschmerzen. Sit oi terra levis! E. Temesvar, 9. Nov. Die hiesige Rabbinatsangelegenhcit ist in ein neues Stadium getreten: es wird vorläufig das Rabbinat v. unserm würdigen Rabbinats-Affeffor verwaltet werden. Dagegen werden zur Erbauung einer neuen Synagoge in der innern Stadr aste möglichen Vorbereitungen getroffen. Sobald die Svnagoge vollendet dasteht, ungefähr nach drei Jahren, wird zur Rabbinerwahl geschritten werden. 8. Szegedin, 10. Nov. In der hiesigen Gemeinde ist ein neuer Krankenpflegennd LeichenbestattngSvcrein in Entstehen. Die Statuten werden diese Tage der k. Statthalterei unterbreitet werden. Die Lehrer haben für die Wintermonate eine Gehaltszulage erhalten 2. Irs». 10. Nov. Die Anwesenheit mehrerer Rabbinen in Abony wird auch in der hiesigen Gemeinde noch vielfach besprochen. Charakteristisch ist die Bewunderung, welche den Rabbinen von Pecse- Nendorf (Diamant) nnd Ungvar (Eisensiädter) gezollt wird. Der Preßb Rabbiner hatte nämlich angcordnet, daß weder Kochinchinahühner, noch überhaupt Geflügel aus die Tafel komme, woran Ursache zu einem rit. Zweifel (שאלה) vorhanden war. Die Anordnung wurde pünktlich befolgt, nnd die anwesenden Rabbinen nehmen keinen Anstand, an den Taselgenüsscn Antheil zu nehmen, mit Ausnahme Diamant'S und Eisenstädter'ö, welche nur Fische nnd schwarzen Kaffe zit sich nahmen. Durch sie ist also die Preßb. Frömmigkeit in den Schatten gestellt worden. E. Pest, 11. Nov. Der Preßb. Rabbiner ist hier dnrchgereist, und die Familie AbeleS, welche mit dem Rabbiner zu Szdntö nicht nur im Weinhandel, sondern auch in der Orthodorie konknrrirt, hat es an Ovationen nicht fehlen lassen. Wie ich höre, soll ein hiesiger Sensal dem chrw. Rabbinen eine mit kaligrafischer Kunst ansgeführte Tabelle der hebe. ׳Konjugation zum Geschenke gemacht haben. Unfern Rabbiner hat der Preßb. Kollega nicht besucht. 8t. Szegedin, 17. Nov. Gestern wurde der hoffnnllgSvoste u. beliebte jüd. Arzt Dr. Wilhelm Kraus (geb. 28. Jänner 1835) unter außerordentlicher Theilnahme nicht nur der jüdischen, sondern auch der christlichen Bevölkerung zu Grabe geleitet. Da der Verblichene einige Zeit k. k. Oberarzt war, begleitete auch die Militärkapelle dessen sterblichen Ueberreste zu der lezen Ruhestätte. Rechnitz. Vor Kurzrm hielt unser Herr Oberrabbiner Dr. I M. Zipser eine kraftvolle Predigt und entwickelte in derselben äußerst > logisch und natürlich die Gebrechen der Neuzeit, die Quellen der Unznfricdcuhcit und deren Folgen. Er sprach so eindringlich, so zum Herzen, daß kein Ange trocken blieb, und jeder gebessert nnd gestärkt das Gotteshaus verließ. Sein sanftes Wort drang in die Gemüther Aller nnd goß Balsam in die Wunden der Unglücklichen. Die Reden Zipsers zeichnen sich vorzüglich durch die herrliche Disposition , durch die schöne blumenreiche Sprache, so wie durch den kurzen Periodenbau aus. Am Schluffe der Rede forderte er die Gemeinde auf, einen Verein zur Unterstützung armer, ausgedienter, jüdischer Soldaten seiues Svrengcls zu bilden, und zwar sollen nur unterstützt werden, die sich in der treuen Erfüllung ihrer Pflichten als Soldaten anSzeichnen. Sonntag den 9. November versammelten sich sämmtliche Gemeindemit« glreder, wählten ein Comitä bestehend aus den Herrn Hr. Dr. M. Zipser Oberrabbiner, Aaron Pick, Med. u. CH. Dr. Leopold Jcllinek, Michael Weiß und Jakob Reinfeld. Als Ersatzmänner wurden bestimmt die H. H. Sigmund Pick, Moritz Weiß, Adolf Neuherr, David Geldberger und Samnel Pfeifer. Diesem Comie wurde die Ausarbeitung der Statuten überlasse». Die Berathungen werden im Laufe der nächsten Woche beginnen, und wie zu hoffen, wird der Verein im Jänner 1863 ins Leben treten. Es leistet überhaupt die hiesige Gemeinde trotz des großen Pauperismus sehr viel; sie unterhält seit 18 Jahren eine 3 klassige Hauptschule mit ausgezeichneten Lehrern und > sowohl das ungarische als daö deutsche Fach wird von erfahrenen Fach-! männern sehr gut betrieben. Der Gottesdienst ist seit viele» Jahren

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