Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 44 (14.11.1862)
- Date
- 1862-11-14
- Page
- Seite 379 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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me», und ist, wie ich höre, gegründete Aussicht v'orbautett, daß in der Folge die Konjugation des hcbr. Zeitwortes den Rabblnen geläufig sein werde. Literarische Äilzeigen. Sieg der Reform und des Geistes. AbschicdSpredigt über Jcs. tO, 8. Gehalten in der Hanvtsynagoge zu > Frankfurt am Main au, Trostsabbath 5022 (0. Angnst l802) von Dr. Leopold Stellt. Allgezeigt von Obcrrabb. I. Kahl» i Schlup.) Nachdem der Redner im ersten Theile mit innigster Begeisterung den Sieg der Reform geschildert hat, fährt er also fort: ״Und warum, fragt ihr, wenn du die Reform also liebtest, warum dennoch verlassest du uns? Ebendeshalb, meine Freunde, wenn ich nur leben möchte für das tägliche Brod, oder für den vernichrlen Mammon, welchen mau verlockend mir in Aussicht gestellt, dann würbe ich blcibei!! Da ich aber glühe für den Sieg der Reform; der Geist aber, welcher diesen Sieg erringen will und wird, auch seine Hüllen, seine ossenbarenden Werkzeuge nothwendig hat, wenn er durchdringen will und diese Werkzeuge die Menschen, die Männer sind, die ihm zum Siege verhelfen sollen und ich mich hier unter allen Männern des Geistes, namentlich denen, welchen der Sieg des Geistes durch ihren Berns und ihre ganze Vergangenheit nahe am Herzen liegen müßte, ganz und gar verlassen nnd vereinsamet sah—das ists, was mir die Ueberzcngnng cinflößte, daß ich in diesen Verhältnissen vergeblich meine Kräfte zersplittere. Aber auch das wäre noch immer Selbstsucht gewcfcn, wenn ich bloß deshalb Euch verließe! — Allein ich sah auch die Gemeinde zersplittert, wie nirgends sonst; ich sah auch den uir - geuvs zahlreicheren und mir gediegenen Kräften ausgestatteten auf geklärten Thcil der Gemeinde zersplittert, wie nirgends sonst — mit feindseligen Elementen gegen die Synagoge erfüllt, wie nirgcnds sonst — mit einer Schule versehen, die der Verkümmerung des gottesdienstlichen Lebens namentlich bei der Jugend. mit einer Gleichgültigkeit znsiehek, wie nirgends sonst — und da dachte ich, eine Thal ist nothwendig für die Reform, welche die Gemeinde zum Bewußtsein bringe dieses unerhörten Zustandes, worin sie sich bcstudet — nnd diese Thal ist meine Amisntederlegnug! O, daß sie das bewirke, Laß sie unsere Gemeinde zum Bewußtsein brächte — ich wäre für das große Opfer, das ich gebracht habe, reichlich nnd ewig belohnt.' — Mir abit wird Gott in seiner Gnade ein anderes Gebiet eröffnen, wo ich für die Gedanken, die mich beseelen, meine Kräfte elnsetzeu kann, denn für den Sieg der Reform werde ich leben und streben, so lange es dir gefällt, ״Herr, der über mich beschließet!" — Nun noch den Schluß dieser ausgezeichneten Predigt: ״Darum reichet Euch, Gemeindegenossen, auf solcher Höhe in Gott die Hand, wie ich sie Euch hiemit zum Schlüße im Geiste Allen reiche, nicht zur Trennung, sondern zum Einigseln, nicht zum Abschiede, sondern zum Beisammenbleiben. Denn auch das Amt ist nur Form, nur Hülle. — Wenn es für mich dahin fällt, weil ich in solch herabgekommener Hülle kein Werkzeug mehr erkennen konnte für den Geist, so bleiben wtr doch nach wie vor Brüder durch die Gemeinde, Brüder durch Gott und sein heiliges Wort. — DaS Amt ist Form, der Beruf ist Geist; i ch s ch erde a u s ui e i n e m A m t e , a b e r ich bleibe in meinem Berufe." Gewiß wünscht jeder Freund des Sieges der Reform nnd des Geistes im Judcuthuine. daß der so selir begabte und edle Stein nicht lange ohne ein Rabbineraiiil bleibe,!!! welchem er seinen, nur heiltgen Bestrebungen gemäß, auch segcnSvoll zu wirke» im Stande sein möchte. Die Gemeinden Israels möchten doch das so seltene Rednerlatent Steins nicht lange brach liegen lassen, vielmehr wetteifern, um sich diesen. durch so viele ausgezeichnete Tugenden und Eigenschaften glänzenden Edelstein bald zu acgnirircn. Verdient ja Stein schon wegen ceS große» . fast beispiellosen Opfers, welches er durch seine Abdankung der Ehre des JntenthninS nnd des Rabbineramteö gebracht hat, diese Anerkennnng und Geiingthnnilg! Bei der Aufnahme Steins als Rabbiner Frankfurt am Main soll, wie erzählt wird, der front* me. nun scl. Baron Ainsell von Rothschild sein Versprechen, der Gemriiide 100,000 fl. zum Bane einer neuen Synagoge zu schenken, wieder zurückgenommcn haben. Der Mische Frankfurter Witz äußerte sich damals hierüber: Wahrlich dieser neue Nabbinc ist ein thcucrer Stein! Durch seine Abdankung hat Stein diesen Witz aber erst zur vollkommenen Wahrheit gemacht , daß er ein echter Edelstein ist, aus den der Franlsnrter Mammon keine magnetische Anziehungskraft ausznübcu im Stande war. Mit dem talmndischcn Spruche rufen ihm auch seine vielen Verehrer zu: ״Heil dir, dessen Mannesalter deiner Jugend keine Schande bereitet hat!" Die ans solche Weise erledigte Rabbincrstelle zu Frankfurt a. M. ist schon längst (f. Nro 38 d. allg. Zeit d. Judenth.) anSgcschrieden. Werden sich befähigte nnd vorzüglich charaktervolle Theologen um diese Stelle bewerben? Ich glaube, bei der guten Meinung, die ich von den Kollegen hege, diese Frage mit einem entschiedenen ״Nein" beantworten zu können. Kein ehrenhafter, für sein Amt und seinen heil. Berus begeisterter Rabbiner wird sich durch die mit der Stelle vcrbnudcnc» ansehnlichen Einkünfte ködern lassen und für dieses rothe oder gelbe (Geld) Linsengerücht seine Ehre, Selbstständigkeit und die Rabbiuerwürde schnöde verschachern! Kein einsichtsvoller Theologe wird sich von den, nach der neuen Drakonischen ״Instruktion für den Rabbiner zu Frankfurt" (s. die Vorbereitung znm Abschiede von Stein) nur als Ironie klingenden Worten in der Annonce: ״Es ist hiedurch einem befähigten Theologen ein bedeutsamer Wirkungskreis (?) eröffnet" täuschen nnd blenden lassen! Alle werden gewiß auch jetzt noch unseren alten ehrwürdigen Nabbinen nachahmcn, die ihr heil. Rabbincramt nicht als ,-!2 קרדום betrachteten, vielmehr solches in der größten Uneigciinützigkeit führten. Alle, wie ein Mann, werden daher im heil. Interesse für unsern so hohen Berns geloben: איש ממנו לא יהן את ביתו שמה וגומר (Richter 21, 1.) Dieses Verfahren des Frankfurter Vorstandes gegen seinen so würdigen nnd berühmten Rabbiner, das leiver! nicht vereinzelt da steht, (ich könnte noch ein ähnliches ans einer Gemeinde der Rheinprovinz anführen) und gewiß noch Nachahmungen finden wird, muß uns Rabbinen aber auffordcrn, energisch zusammen zu halten nnd zu wirken gegen solche u. ähnliche Bevormundung u. solche Eingriffe in unsere H a u p lw i r k sa m kc i t und eigentliche Amtsun d B e r u fö t h älig keit. — Es wäre deshalb nüthig, daß wir einen Verein gründetcn znm Zwecke der Unterstützung eines und des anderen AmtSbrnderS, der in ähnliche Lage, wie Stein, gerathen, aber wegen Vermögens- oder Familienverhältnisse, entweder nicht im Stande sein, oder nicht Ausopferungösähigkeit genug besitzen könnte, um ihm (Stein) ähnlich zu handeln. Diesen Gedanken theile ich vorläufig hier nur mit und sollte er Beifall uns Auklaug finden, so wollen wir ihn noch weiter nnd näher erörtern. Die geehrten Herren Kollegen und besonders Sie, geehrter Herr Redakteur, bitte ich sich gefälligst hierüber äußern zu wollen.') *) Ich kann cem geehrten, die Sache des Fortschrittes mit Würde u. Muth vertretenden Stein nur meine lebhafte Simpathie auSdrücken. Der Beitritt zu einem ausländischen Vereine ist für mich