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Ben Chananja · 1862-11-07 · 43 (7.11.1862) · p. Seite 369

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
43 (7.11.1862)
Date
1862-11-07
Page
Seite 369 (sequence 7)
Language
German
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8. im Deuter. 11, 27. Mit sinnigem Vorbedacht wird beim Segen אשר und beim Fluche אם gesagt: jenen gibt Gott, zum Theil we« nigstcns, noch bevor man ihn verdient bat, damit der Mensch da« rin die Anregung und die Mittel zur Vervollkommnng habe : den Fluch dagegen nur nach begangener Sünde. ״שיי} deutet dies kurz an in den Worten על מנת. Korrespondenz. T Eisenstadt, Ans. Nov. Ihre Milthcilnngcn über den fürcdcr Auftritt waren nicht fruchtlos. Der hiesige Rabbiner bat nunmehr die Einrichtung getroffen, daß die Schaufäeen senrer Schüler witkliche Schaufädcn, d. i. sichtbar fein müssen. Vor kurzem isi wieder einem Jünger der hiesigen Jcschiba ein fatales Unglück passirt. Derselbe hat j sich bei einem altortbodoren Rabbinen zur Prüfung gemeldet, um ein Rabbinatsdiplom zu erlangen. Der Eramiuator kommt ans den ן scheinbar seltsamen Gedanken, den Examinanden anfznfordcrn, daß er \ ihm das Nachtgcbei (קריאת שמע שעל חביטת) aus dem Gedacht-! niffe hcrsage; der junge Mensch war aber dieser Aufgabe nicht gcwach- , reit! Man sucht hier diese Geschichte zu vertuschen; ich kann Ihnen j aber die Wahrheit derselben verbürgen. Sle ist für daö Verhäliniß l der Ncnnrthodorie zu ihrer altern Schwester charakteristisch. Die neuj orthodoxe Jugend wird angeleikct, die altorthodorcn Manieren anzui nchmeu; sie thut dies aber nur , so weit sie koutrollirt wird, und vergißt dabei das Nachtgebet! Dieses Gebet soll allerdings ein Präserva.'iv gegen die Anfech.ungen der Dämonen fein; aber die junge neuorrhobore Weu fürchtet diese Anfechtungen nicht mehr '. V) Vedenburg, Auf Nov Was ich merkwürdigerweise in Eiwnstadt nicht erfuhr, wurde mir erst hier erzählt: in Eisenstadt soll in Bälde eine orthodoxe Nab b i u e rv e r sa mm l un g abgehalten werden! Mein Berichterstatter sagt mir, daß auch in ösj fentlicheu Blättern davon die Rede gewesen sei. Ich habe indeß Ur-! fache zu glauben, daß die Vorbereitungen zu viel Zeit in Anspruch genommen haben, und daß der Augenblick, welcher den Herren gün-! stig geschienen hat, uuumchr vorüber sei. Die nächste Zukunft wird! lehren, ob ich hierin geirrt habe. B. Szabadka, 3. Nov. Die hiesige autonome jüd. Gemeinde j hat die Töchterschule aufgelöst. Ihr Prinzip ist: Besser zmei Chaza-! uim u. keine Schule, als einen Chazau u. eine Schule! Die Knaben׳! schule steht leider auch auf schwachen Füßen, und deren Auflösung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Sie sehen hieraus, daß der von Ihnen projcktirte Kulturverein nicht nur im nördlichen, sondern auch im südlichen Ungarn ein Feld für seine Thätigkeit hätte. ® Szänto, 2. Nov. Lesen und staunen Sie! Ein hierorts j praktizierender jüb. Arzt, Dr. RöSler, hat sich nicht entblödet, von einem Juden eine Eidesleistung mors judaico zu tordgrn. Die Indiznalton hierüber beschränkt sich auf den leider sehr engen Kreis der gebildctcren jüd. Familien. Der hiesige Rabbiner nahm an der Forderung nicht den geringsten Anstoß. Der ehrw. Herr hat überhanpt nicht! Zeit, sich viel mit jüd. Angelegenheiten zu beschäftigen, indem er von selnem Handel mit Koschcrwein sehr in Anspruch genommen wird; | wodurch er sich aber um die vaterländische Weinkultur nicht geringe | Verdienste erwirbt. 8. Gr.-Beeökerek, Ans Nov. Man braucht nur kurze Zeit in hiesiger Stadt zu verweilen, um zu der Urberzengung gelangen, daß die hiervrligc» jüdischcu Gemcindezustände sehr unerquicklich sind. Die Gemeinde gehört zwar zu den geblldetesten und strebsamsten jüd. Geur. in Ungar»; sie wird aber in ihrem Fortschritte gewaltsam zurückgehaltcn. Der Zionverein will in der Synagoge Mitwirken; aber der Rabbiner verbietet ihm. zu singen. Die Orgel will ihre erbauenden Klänge vernehmen lassen; der Rabbiner legt sein Veto dagegen ein. Schwab, der große Heros der jüdischen Theologie, ließ in Pest die Orgel spielen; für den hiesigen Rabbiner ist aber Schwab keine Autorität!! Reichenau (Böhmen). Ende Okt. Nekrolog. Durch den frübcn Hintritt der Frau Rosalia AbeleS gcborncn Brandeiski hat die hiesige Gemeinde einen schweren und sehr cmpfindlichcu Verlust erlitten; sie verschied am 11. Oktober d. I. in Folge einer schweren Geburt und an dem darauffolgenden 12. Oktober wurden ihre irdischen Ueberreste zu Grabe getragen. Ihr Leichenbegräbniß hatte keinen Denkmann in unserer Stadt. Ein unübersehbarer Zug von Personen aus allen Ständen gaben ihr das letzte Geleite; Männer und Frauen, reich und arm, groß und klein vergaßen Thränen der innigsten Rührung, und selbst der mit schwarzen Wolken umzogene Himmel, der eben ÜromwclS Regengüsse hinabrollke, schien mit uns zu trauern und zu weinen. Groß und sehr bedeutend waren die Verdienste und Tugendcn, die die Verblichene auszeichncten. Sie war ein Muster von ehelicher Liebe und Treue; ein Muster von Zärtlichkeit und Anhänglichkeit gegen ihre Eltern u. Verwandten; und was soll ich erst sagen, was sie deu Armen und Leidenden gegenüber war? O, man mußte die seltene Herzcnsgüte und Menschcnsreundlichkeit der Verklärten näher gekannt haben; man müßte ihre edle Art und Weise Gutes zu thun, beobachtet haben, um ihren Werth vollkommen schätzen zu können. Seitdem sie der Herr mit Neichthum gesegnet, verging kein Tag, den sie nicht durch besondere edle Thatcn verherrlichte; wo es galt, Werke der Milde zu üben, Thränen zu trocknen, Kranke zu pflegen, Nackte zu kleiden, Hungrige zu speisen, stand unsre Rosa AbeleS überall an der Spitze, und was ihrer verklärten Seele zur besondern Ehre gereicht die innige Liebe und Treue, mit der sie bis zu ihrem letzten Athemzuge an ihrer väterlichen Religion hing. Schreiber dieser, welcher sich in Hinblick auf die Worte der Schrift ויהללו בשערים מעשית verpflichtet, fühlt ihren unsterblichen Verdiensten durch diese Zeilen ein schwaches Denkmal zu setzen, hielt die Leichenrede. Seitdem ich Rabb. bin hat mich keine Funktion so tief ergriffen als diese. Auf einer Bahre standen 2 Särge von Mutter und Kind vor mir; denn das Kind kam wol lebend zur Welt, doch seine erste Wiege ward der Sarg. Wenn der Baum mit seiner Frucht in der Vollkraft des Lebens gefästt wird, wen sollte das ungerührt lassen? Möge der Herr d. tiefbetrübten Gatten u. d. trauernde Familie trösten; daö Andenken der Seligen aber wird fort und fort unter uns leben. Ruhe ihrer Asche. M. Fein, Rabb. Literarische Änzeige«. Wissenschaftliche Blätter auS der Beitel Heine Ephraemischen Lehranstalt (Beth-ha«midrasch) in Berlin. Angezeigt v. L. DnkeS. (Schluß.') Im Verlause dieser Abhandlung werden auch aus den verschiedenen Handschriften interessante Sprüche vou alten Weisen ange- ') S Nro 42.

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