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Ben Chananja · 1862-10-31 · 42 (31.10.1862) · p. Seite 354

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
42 (31.10.1862)
Date
1862-10-31
Page
Seite 354 (sequence 2)
Language
German
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354 und die jede Arbeit iH’vHtmcUKn, aucb wenn ihnen Gelegenheit dazu geboten wird. Die Erhaltung dieser verwahrlos« ten Klasse kostet die ung. Judenschaft keine unbedeutende Snmluen! Nicht selten reisen die Väter und Mutter mit ihren Kindern; waS soll nun aus den unglücklichen Geschöpfen werden, welche die ersten Jahre ihres Lebens in solcher Gesellschaft erleben? Einen Thei! des Kontingents m dieser Klasse stellt allerdings Galicien; der größere Theil d. in Ungarn Wandernden stammt aber aus den nördlichen ungarischen Komitaten. Wie ist nun dieser krankhafte AuSwuchs der ung. jüd. Gesellschaft radikal zu heilen? Offen« bar nur durch eine verbesserte Erziehung auch in jenen Gegenden, in denen daS Nebel seinen Ursprung hat. Einer der berühmtesten Publizisten Ungarn'S erklärte die frühere, — in dem berühmten ״Part-is I. Titulus IX.“ im Tripartitum garantirte, — Steuerfreiheit der Adeligen für illusorisch. Die Adeligen, sagteer, waren der trotz ihres Privilegiums in d. Wirklichkeit dennoch besteuert, indem d. Mangel an KomniunikationSmitteln, guten Schulen u. anderen die materielle u. geistige Produktion fördernden Institutionen, welcher mit d. Steuerfreiheit aufs Genaueste zusammenhing, sie, die Grundbesitzer, am meisten drückte u. beeinträchtigte. In einem gewissen Sinne gilt dies auch von den ungarisehen Inden bis ans den heutigen Tag. Der Jude kontribuirt nur zur Deckung der Bedürfnisse seiner Gemeinde, während z. B. der ung. Protestant auch zur Erhaltung der höheren Lehranstalten und der verschiedenen Organe seiner Kirche kontribuiren muß. Der Jude kann sich also dem Protestanten gegenüber einer gewissen Steuerfreiheit rühmen: ein trauriges Privilegium, das aber zugleich nur scheinbar ist, indem die wandernden Knltnsbeamten und Bettler nicht aufhören, ihre Glaubensgenossen in Kvntribunon zu setzen! Man wende nicht ein, daß selbst eine verbesserte Ingenderziehnng in den nördlichen Komitaten die Zahl der vorhandenen Landstreicher nicht vermindern werde; sie leistet genug und sie ist der Opfer, die sie fordert, vollkommen werth, wenn sie nur die Heranwachsende Generation vor gleichem Jammer bewahrt. Wir geben aber gerne zu, daß es noch andere Mittel gibt, deren Anwendung geeignet sein dürste, daS beschriebene Nebel mindestens auf ein geringeres Maß zu rednziren. Zuvörderst sollten die Nabbinen in den nördlichen Gemeinden ihren Zuhörern die Pflicht, zu arbeiten, öfters an'S Herz legen, und denselben einschärfen, waS die Religion Israel's hierüber lehrt: ״ES ist ein großer Vorzug, sich von der Arbeit seiner Hände zu ernähren. Diese Eigenschaft war den alten Chaßidäern eigen. Dadurch erlangt man alle Ehre nud alles Gute der gegenwärtigen und der künftigen Welt, denn es steht geschrieben: ״Wenn j du deiner Hände Arbeit essest, Heil dir n. Wohl dir (Ps. 128, 2) Heil dir in dieser, u. Wohl dir in jener Welt (Maim. T. T. 3, IIP" — ״Der fleißige Arbeiter ist mehr werth, als der fromme Mütziggänger (Berach. 8, a)." — ״Müßig« gang führt zum Laster und zur GeifteSzerrüttung (Kethnb. 5, 5)." — ״Der Mensch leide lieber Noth und unterziehe sich den schmerzlichsten Entbehrungen, um nur nicht der . Menschen zu bedürfen, und der Gemeinde nicht zur Last , zu fallen. In diesem Sinne gebieten die Schriftgelehrten: j Genieße am Sabbate nicht mehr als an Wochentagen, um auf die Unterstützung der Menschen nicht angewiesen zu sein (Sabb. 118, a). Der herabgekommene Schrif.gelehrte übe I ein Handwerk aus, und wenn auch dasselbe m den Augen 1 der Menschen ernie drigend wäre, um nur keine Almosen zu l nehmen. Es ist besser, daS Fell gefallener Thiere abzuziei hen, als sich wegen seiner Sebriftgelehrsamkcit vom Volke i ernähren zu lassen. Wer sieh auf trügerisches Betteln veri legt, wird von dem Jerem. 17, 5. ausgesprochenen Fluche j getroffen (Maim. Math. Auijim 10, 18, 19)." Diese | Grundsätze sind den nordungarischen Rabbinen ohne Zwei- > fel genau bekannt; wir erlauben uns einen Punkt hervor-! zuheben, der minder bekannt sein dürfte. Nathan b. Je-! chiel, Rabbi der Gemeinde zu Nom und berühmter thalmudischer Lexikograf (gest. um 1106), weist in seinem Wörterbnche, einen Thalmndspruch anführend, darauf hin, daß die alten Schriftgelehrten, frei von allem Gelehrtenstolze, den Stand der Arbeiter ihrem eigenen Stande gleichgeachtet haben (Art. מרגל). Der eben so konservative als gelehrte Prager Oberrabbiner Rapopvrt führt die Aeußerung rühmend an, und fügt hinzu: ״Hätten die Nabbinen aller Zeiten in den Wegen R. Nathan'S gewandelt, wäre ihnen und uns wohl gewesen;" ולו הלכו בדרכיו רבגי בל דור כי אז הי׳ טוב לחם ולנר (Nathan'S Biogr. Anm. 51). Die nordungarischen Rabbineu werden sich's gewiß angelegen sein lassen, im Geiste des Talmuds und R. NathanS zu lehren, um die ArbeitSlust immer mehr zu wecken und zu beleben. Sie werden aber gewiß nicht unterlassen, ihre wohlhabenden Gemeindeglieder im Geiste des Judenthums über die verschiedenen Stufen der Wohlthätigkeit zu belehren. Maimonides zählt acht solcher Stufen auf; die höchste derselben ist die Hilfeleistung, durch welche der Hilfsbedürftige in die Lage versetzt wird, selbst für seine Erhaltung zu sorgen, ohne auf die Annahme von Almosen angewiesen zu sein (Matt. Anijjim 10; 7). Die ״Schildträger" des MaimonideS geben die Quelle dieser Maxime nicht au; dieselbe ist aber ohne Zweifel aus Sifra zu 3 M. 25, 35. geflossen, so daß deren thalmudischer Ursprung koustatirt ist. Im populären Vortrage können sich die Rabbinen auch darauf berufen, daß die Thora sagt: Der

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