Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 40 (13.10.1862)
- Date
- 1862-10-13
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
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838 wählenden Kandidaten vorznschreiben, von welchen Rabbinen er sich die Hattarah'S hole; sie fordere aber auch, daß er sich nach hierzu eingeholter Erlaubniß v. d. Statthalterei der Präparandenprüfnng unterziehe, damit die Gemeinde eine Garantie habe, das; ihr künftiger Seelenhirt an allgemeiner Bildung einem geprüften Volköschullehrer nicht nachstehe. Außerdem sollte der Ausschuß der Pester isr. Gemeinde eine Prüfungs-Kommission ernennen, vor welcher sich der Kandidat über seine Kenntnis; der hcbr. Sprache, der h. Schrift, der biblischen Geschichte und der populären ReligiouSlehre in einer besonder» Prüfung auszuweisen hätte. Eine Aumaßung liegt in dieser Kommissionswahl durchaus nicht, da cs ja den Gemeinden frei steht, die Kommission zu umgehen. Aber schon daS Vorhandensein einer solchen Kommission wird auf die Gemeinden und auf die Kandidaten sehr woblthätig wirken. Die Kenntnis; der bezeichneten Gegenstände reicht allerdings bei weitem nicht hin, den Anforderungen zu genügen, welche von gebildeten Gemeinden au den jüd. Theologen der Gegenwart gestellt werden; vorläufig müßte man sich aber mit diesem Minimum begnügen, um allmälig auf die Heranbildung tüchtiger Rabbinen hinzuwirken. Gegenwärtig begnügen sich die Gemeinden mit der Hattara und — der P r o b c p r edigt! Es kommt aber wirklich vor, das; Kandidaten in Folge einer Probepredigt gewählt werden, welche kundigen Zuhörern unwidersprechlich darthun konnte, daß es der Herr Kandidat verschmäht hat, sich nur einigermaßen mit der hebr. Grammatik vertrant zu machen. Denjenigen Gemeinden, welche von ihrem Rabbinen mehr verlangen, als die mehr oder minder gründliche Kunde einer Zahl von Schulchan— Aruch — Abschnitten, — 11. die Zahl solcher Gemeinden ist nicht unbeträchtlich, — muß es ja höchst erwünscht sein, über ein gewisses Minimum von Bildung ihres künftigen Seelenhirten durch legitime Zeugnisse beruhiget zu werden. In neuester Zeit ist die Seminarfrage häufig ventilirt worden. Ich habe die Gründung eines Rabbinerseminars schon 1844 im Pesti Hirlap vorgeschlagen, und der Vorschlag hat sogar beim Reichstage Wiederhall gefunden. Gleichwol wird jeder Unbefangene, der die gegenwärtigen Zustände kennt, zugeben, daß die praktische Lösung der Seminarfrage der Zukunft anheimgegeben werden muß. Ein Lehrplan, der den Anforderungen der Wissenschaft nur einigermaßen entspräche, würde von der Majorität der Gemeinden verworfen werden; ein von dieser Majorität gebilligter Lehrplan würde kaum den ersten Anforderungen der Wissenschaft entsprechen. Der Breslauer Lehrplan ist offeubar darauf berechnet, der Orthodorie Rechnung zu tragen, die deutschen Reformer sind mit demselben auch nicht ganz einverstanden. Wer könnte aber im Ernste daran denfen, den Breslauer Lehrplan nach Ungarn zu verpflanzen? Am Breslauer Seminar wird Homer, Herodot, Plato, Virgil, Horaz, Cicero, Livius gelesen! Wer hätte aber den Math, diese Klassiker dem Studium ung. RabbinatSkandidaten zu empfehlen? Der Doktor Hildesheimer in Eisenstadt repräsentirt die äußerste Linke der nng. Ortbodorie, trotz der Zertifikate, welche er sich von einem katholischen Pfarrer und einem Stuhlrichter über seine rechtgläubige Richtung ausstellen ließ. Nach seinem hebr. Stile könnte er zwar für einen Altorthodvreu passircn; aber er unterrichtet hebräische Grammatik sogar nach GeseniuS! Und auch er erklärt ein eingehendes Studium der klassischen Literatur für ״schmählich" und für eine ״verderbliche Abirrnng" von der Pflicht eines Rabbinalskandidaten (Erster sund letzterl Bericht. S. 31)! Demgemäß beruft sich Dr. Hildeöh., indem er über eine Spezialität der römischen Alterthümer mit mir polemisirt, auf Notteck'ö Weltgeschichte! Zur Steuer der Wahrheit muß zwar konstatirt werden, daß sich die Altorthodoren von Dr. Hildesheimer nicht in's Schlepptau nehmen lassen. Derselbe hat im September 1857 ein Sendschreiben an die orthodvren Rabbinen gerichtet, worin er in miserablem Hebräisch und unter Bei- Mischung von allerlei Prahlereien auf die Gefahr hiuweist, welche aus der angeblich beabsichtigten Gründung jüd. Gimnasien entspringen würde, und wogegen mit aller Gewalt angekämpft werden müßte. Er selbst, sagt er, hält es für seine Pflicht, eine vor 30 Jahren von Salomon Pleßner herausgegebene Schrift nochmals zu ediren, wozu er 130 fl. braucht, welche durch Pränumeration auf das apologetische Werk herbeigeschafft werden sollen. Die 130 fl. kamen nicht zusammen, wiewol Dr. H. die Sturmglocke geläutet hat. Wenn eS sich aber um Festsetzung eines Lehrplanes handeln wird, werden die orthodoren Rabbinen selbstständig anftreten, und um so nachdrücklicher opponiren, als die bestehenden Jeschiboth, besonders die Preßburger, durch d. Seminar beeinträchtigt würden! Selbst die Besetzung d. Lehverstellen am Seminar könnte schwerlich ohne hitzigen Kampf ablaufen. Der Kämpfe haben wir aber ohnedieß genug! Die Seminarstunde hat daher noch nicht geschlagen. Dagegen ist es an der Zeit, in den Gemeinden das Bedürfniß tüchtigerer Rabbinen zu wecken. Man darf nicht müde werden, den Gemeinden zuzurufen: Diejenigen, die Eure Rabbinen promoviren, verstehen sich auf die Abwandlung der hebr. Zeitwörter nicht, u. unter den jungen Rabbinen, die Ihr anstellet, stehen Viele mit der hebr. Grammatik eben nicht auf dem besten Fuße. Mit einem Worte: der Kampf gegen die Unwissenheit und die Bornirtheit muß unverdrossen fortgesetzt werden, bis das ung. Rabbinatswesen eine bessere Gestalt gewonnen hat. (Forts, folgt.)