Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 39 (3.10.1862)
- Date
- 1862-10-03
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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331 Geschichte ist — wenn auch nicht Stadt-, so doch — Gemeindegespräch. Ans meiner Füreder Badezeit habe ich Ihnen noch folgenden charaktc« ristischen Vorfall zu melden. Ein RabbinatSkandidat aus Deutschland, der bereits mit einigen RabbinatSdiplomen und mit einer warmen Empfehlung von Rabbiner Hildesheimer versehen war, kam nach Fü« red, um von dem Rabbiner der Komorncr Gemeinde ebenfalls autorifirt zu werden. Ein scharfsichtiges Männlein auö Neutra machte indeß bald die Entdeckung, der Kandidat trage kein — טלית קטן, und!heilte diese Entdeckung den bei מנין Anwenscnden mit, indem er sich an den Kandidaten mit den Worten wendete: ״Sic schamloser Weltfopper, Sie tragen ja kein Zidakel!" — Der Kandidat wollte sich entschuldigen; umsonst! Der Stab wurde über ihn gebrochen, u. HildeSheimer wurde davon mit der Erinnerung notifizirt, daß er sich wegen der gegebenen Empfehlung von drei ungarischen Rabbinen eine Buße auflegen lasse. Der Vorschlag dcö Neutracr'S, daß dem jungen Manne die Zeugnisse abgenommen werden sollen, wurde verworfen, indem dagegen bemerkt wurde, der Bestrafte konnte sich an den Stuhlrichter wenden. Der Rabb. v. Telcky meinte, es wäre keiner der neumodischen Rabb. besser. Ich selbst, erzählte er. begegnete d. Rabb. v. Laposvär am Sabbathc, und war Augenzeuge, als derselbe חוץ לערוב ein Buch trug, das er aber eiusteckte, als er meiner ansichtig wurde. Der Kandidat war. wie ich von ihm selber hörte, eine Reihe von Jahren Hildesheimer'S Schüler! ״Wenn die Flamme schon an den Zedern zehrt: was sollen die Jsopc an der Mauer beginnen?" Der Rabb. Hildesheimer möge diesen höchst mißlichen Kasus als eine gerechte Strafe seiner Reformsucht betrachten und in sich geben. Im Schulchan Aruch steht cs schwarz auf weiß, baß der טלית קטן oberhalb aller Kleider getragen werden müsse (Orach Chajjim 8. 11). Der Magen Abraham öffnet allerdings ein Hinterpförtchen für diejenigen, die mit Christen umgehen. Aber abgesehen davon, daß kein wahrhaft Orthodorer die Benützung dieses Hinterpförtchens für sich in Anspruch nehmen kann, ist ja die Konzession des M. Abr. gerade in unseren Tagen höchst gefährlich! H. Rabb. Hildesh. halte sich an den Schulchan Aruch, und leite seine Bachurim an, sich ebenfalls streng an denselbeu zu halten, und seine Schule wird das schärfste Auge in Neutra nicht zu fürchten haben. Es ist leider niederschlagend genug, daß ein frommer Rabbiner, wie Dr. Hildesheimer, durch eine Zeitung vor schnöder Verletzung des Schulchan Aruch gewarnt werden muß. LiterSrische Anzeige». Predigten von Dr. Ad. Jellinek. 1- Th. l. Lief. S. 263., 2. Lief. 140. Wien. Carl Gerolds Sohn. 1862. Besprochen von Dr. M. Du schal. (Fortsetzung.) Im 2. Thcile werden die Mittel angegeben, deren sich Amalek im Kampfe bedient. Er lechzt, gleich einem wilden Thiere nach Blut, טלק!? Jalkttt ki tezc; dann kommt die Heuchelei. Jalkut Besch., er stielt und entführt junge Seelen im Namen einer heuchlerischen Frömmigkeit, Mechilta beschalach; ein Meister ist Amalek in der Verläumdüng, das zeigte Hawaii. Hier citirt der geehrte Redner folgendes Rundschreiben aus dem Midrasch: ״Heil und Frieden mit euch, ohne Ende! Wisset, daß der erste Würdenträger des Reichs. Namens Haman, unS aus ein Volk aufmerksam machte, daö in eurer Mitte zerj streut lebt, durch ein herrschsüchtiges, menschenfeindliches Wesen sich! auszeichnet, und treulos gegen König und Vaterland ist. Glaubet aber! nicht etwa, daß dies eine grundlose, böswillige Beschuldigung sei; I nein, für jede seiner Behauptungen bat Hauran eine Belegstelle in den! b. S. dieser Leute gefunden. So haben sie ein Buch, Psalmen genannt. Darin liest man 10, 16. Adonai ist König immer und ewig, es gehen unter die Gojim aus seinem Lande. Ferner 149, 7. Rache zu üben an den Gojim. Züchtigung an den Nationen. Nrtheilet nun selbst! Können Menschen, die ein solches Buch mit solchen Stellen, die sich noch vermehren ließen, heilig halten, treue Bürger und Menschen« freunde sein? Hoffen sie nicht, daß wir —denn uns meinen sie, wenn sie von Gojim reden—untergehen werden? In ihrer Thora, die sic besonders verehren, wird schadenfroh erzählt, wie der gütige und menschenfreundliche Pharao — ihre gehässige Darstellung dieses Königs ist partheiisch und boshaft — der sie mit Wohlthatcn überhäuft, seinen Untergang gesunden; wie dem frommen Amalek vor ihnen graute; im Buche Josna, wie sic die Könige von Kanaan aus deren Besitz vertrieben: im Buche der Richter, wie hinterlistig sie den tapfer» Feld- Herrn Sisra; im Buche Samuel, wie grausam sic den edlen Agag erschlagen haben. Dies wird euch zur Genüge beweisen, daß diese Juden alle Völker hassen, und von nichts Anderem als von einer Welt- Herrschaft träumen. Nun ist ihr Gott alt und schwach geworden, sein Heiligthum ist verbrannt, sie leben überall zerstreut, und doch ist ihr Charakter unverändert geblieben! Mitten im Erile unter uns, verspotten sie durch ihren Witz uns und unfern heiligen Glauben. Auf denn! lasset uns diese Feinde der Menschheit, diese halsstarrigen Gegner unsereS Glaubens vertilgen!" So sprach Amal. im Schuschan, so schrieb er in Süideutschland» und so redet er hier. Wenn nun erst geboten werden muß: ״Vergiß es nicht!" — fo wird man schließen, daß der Israel zum Vergessen und Vergeben gern geneigt ist; der Redner allegirt auch aus Boffuct, wie im 17. Jahrh. der Erzieher des Prinzen von Frankreich ihm an dem Buche Ester zeigte, wie ein Fürst getäuscht u. mißbraucht wird. Auf Nr. 6 machten wir schon in B. CH. Nr. 26. aufmerksam. 7 Predigt ״Israels Gesang." Der gefeierte Redner weist nach: daß die Geschichte d. Gesanges in Zsr. zugleich d. Geschichte d. Freuden u. Leiden, der Freiheit u. Knechtschaft der israelit. Volkes sei. Zu diesem Ende wird von dem Liede am rothen Meere und von der Art und Weise, wie cs gesungen ward, gesprochen. Es war, erzählt auch der Redner in den österreichischen Gemeinden Sitte, daß beim Verlesen der Thora am Sabbat Schira und am 7. Tage des Paffafestes, der Vorbetec das Lied am rothen Mcrre intonirte, und die ganze Gemeinde es im Chore vortrug "12 'ת״ה □י< dann kömmt das Brunnenlied; dann das Lied der Debora, daö der Frauen für David, dann kommen wieder die Psalmen. Nach der Zerstörung des Tempels verstummten die Chöre, der Redner citirt einen Midrasch Chasit, der sich über die Auflösung des Chorgesanges beklagt. Am Anfänge dieses Jahrh., als d. große Eroberer Befreiung brachte, erhob sich wieder der Chor, denn Israel singt, wenn es sich frei fühlt; im zweiten Theile erklärt der Redner warum der Choralgesag auf Widerstand stieß, nehmlich durch d. durch denselben bedingte Schweigen d. Gemeinden, d., allerdings gegen den Willen d. jüdischen Gesetzes, gewohnt waren thätigen, schreienden und lärmenden Antheil an dem Vortrag der Gebete zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit wird die Gemeinde ermahnt ihre Kinder anzuspornen, daß sic am Gesangsunterricht fleißig theilnebme», indem auf Anregung d. Redners b. Schuljugend utt religiösen Gesäuge unterrichtet wird. Die nächste Predigt führt den Namen: ״Liebet den Fremden." Schlaget auf, ruft der Redner, die Gesetzbücher der alten Völker; fraget Egypten, Assyrien, Babylon, Griechenland und Rom; fraget das Mittelalter mit seinem blutigen Fanatismus; fraget die Neuzeit mit ihrer schlauen Staatskunst, ob sie die drei Worte kennen: Liebe! den Fremden. Ju dem ersten Theile wird nachgewicsen, daß sich nur in Israel die Knospe der Frcmdenliebe in Bezug auf jeden entfaltete, der einem andern Stamme angehörte; im zweiten Theile in Bezug auf jeden; der einer andern Religion augehört. Im dritten