Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-10-03 · 39 (3.10.1862) · p. Seite 330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
39 (3.10.1862)
Date
1862-10-03
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2543011--2785-2546602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

330 8. 11). Eine treffliche, gcniüthvolle Rede. Der allgemein geachtete Drf. hat wirklich Beruf, die homiletische Literatur zu bereichern. (D Säloralja-Ujliely, 22. Sept. der Lehrer des hebr. FachrS an der hiesigen Mustcrhauptschule, Hr. I. H. Löw, ist vor Kurzcm in einem Blatte angegriffen worden. Aber der Berichterstatter hat nur bewiesen, daß er von didaktischen Dingen gar keinen Begriff har. An der Musterhauptschulc find f. d. hebr. Unterricht fünf wöchentl. Stunden bestimmt, die hiesigen Mclamdim lehren von Früh bis Abend hebräisch. Wie soll nun das öffentliche Institut mit den Winkelschulen konkurriren? Wer aber über die hiesigen Unterrichtsverhältnisse sprechen will, sollte sich zuerst klar gemacht haben, daß die öffentliche Schule eine Stätte der Kultur ist, während die Chadarim oder Winkelschulen Stätten der Unkultur, der Barbarei und des vcrwahrlosesten Jargon's sind. Unser Schuldirektor Weinberger hat vor Kurzem bei der Statthalterci um eine größere Zahl hebräischer UnterrichtSstnilden petitionirt. Unsere Chaßidäer werden aber dadurch nicht für die Schule gewonnen werden. Sie wollen den Jargon, die Unwissenheit und das chaßidäischc Unwesen verewiget wissen׳, ihnen ist auch der Mainzer Jsraelit ein Greuel! R. Sernlin, 30. Scpk. Auf das Gesuch des Hrn: Sam. I- Russo um abschriftlichiche Mittheilnng des die Ausschaffung d. Bclgrader betreffenden Erlasses wurde von Seilen des Bürgermeisteramtes folg. Bescheid ertheilt: Eine Abschrift der erbetenen hohen Verodnung wegen Aufent- Haltes der Flüchtlinge aus Serbien kann dem Bittsteller nicht ausgefolgt werden; wohl aber wird demselben bekannt gegeben, daß( nachdem der größte Theil dieser Flüchtlinge ans serbischen und türki scheu Untcrthanen mosaischen GlanbetisbekeiitttiiiffeS besteht, und diese vom Psorteu-Commissär die Erlaubniß erhalten haben, sich in Bulgarien anzusiedeln, wohin sic bis jetzt auch schon abgegangcn sein solllen — der Magistrat zufolge hohen KricgSministerial-ReskriptS vorn 23. August d. I. Abth, 10, Nro 2805 und hoher LandeS-General-Kommatido-Verordliung von 28. v. Monats Abth. 8, Nro 4645 den Auftrag erhalten hat, über jene der bezüglichen Familien, welche von dem obigen Zligeständniß des Pfortcn-Komiffärs keinen Gebrauch ma-- chen sollten, eine Consignatiou-zu verfassen und hohen Orts vorzulegen, damit wegen deren Abschaffung in das rückwärtige Provinziale die nöthigeu Schritte veranlaßt werden können. Aus der Rathssitzung 1c. Scmlin am 5. Scptemb. 1862. Gr.-Zenikau, (Böhmen). Im September. Wahrscheinlich wird dir lieber ״Ben Chananja," dem warmen Freunde jüdischen WissenS und jüdisch. Lebens ein Bericht über Jenikau den alten Sitz jüdischer Schristgelehrtcr nicht unwillkommen sein und nur ist angenchm, dir viel Erfreuliches darüber mittheilen zu können. Jenikau ist, was es war: eine Mustergcmeinde, in der die Reform sich langsam anbahnt, ohne daß ihr je Spaltungen in der Gemeinde oder kal- 1er Jndifferentiömuö vorangegangen wären. I. besitzt in der Person des Herrn Zacharias Spitz einen Rabbiner, der als wahrer Scelenhirz mit der Glut seines Herzens, mit begeisterndem und hinreißendem Worte die Samen des Guten ausstrent, der hier nicht aus sterilen Boden fällt, vielmehr täglich schöner und herrlicher aufgeht und Früchte trägt, lieblich zum Ansehen und zum süßesten Genüsse. Deraschah und Predigt wechseln mit einander ab, ersterc beweist tiefes talmud. Wissen, in letzterer entzündet eine herrliche Rednergabe. Die Bäter der Gemeinde, der rühmlichst bekannte Borfteher Herr Esrajim Wehli, der schon vor 40 Jahre dieses Amt in vaterlieher Liebe zu seiner Gemeinde bekleidet und die beiden Mitvorsteher, der gelehrte Moritz Altar so wie der wackere Samnel Bondi wirken hier im Stillen ohne Titlsuchl und ohne Anmaßung belohnt durch ih schönes Bewußtsein und die Achtung ihrer Gemeinde für die Ehre Gottes. Allen voranleuchtct, der berühmte R. Aron Kornfeld» den Gott noch viele Jahre der Gemeinde erhalten möge, die ihn innig liebt und tief verehrt. Das Gotteshaus findest du hier wohl für die 120 Familien, die sich hier befinden, zu klein und nicht alten Anforderun« gen de neuen Zeit entsprechend: wisse jedoch eö war auch schon ein kleiner Fond zum Umbau und zur Vergrößerung der Synagoge beisammen, aber auch das Schulgebäude war schlecht, da hat es denn die hiesige Gemeinde vorgezogeu eher sür ihre Kinder als für sich zu svrgen und hat ein sehr schönes stockhohcs Schulgebäude ausgeführt, wo die Jugend von tüchtigen, wackeren und pflichttreuen Lehrern gleich gut in d. hebräischen wie in d. deutschen u. auch in d. böhmischen Sprache unterrichtet wird. Bei dieser Gelegenheit müssen wir eines seltenen Schulfreundes und WohlthätcrS des Herrn W. Heimann aus Kopcn- Hagen erwähnen, der d. hiesigen Gem. v.d. von ihm bestimmten 10000 fl. 500 fl. zum Baue ihrer Schule bcigestencrt. Dieser seltene Mann, desgleichen es in Israel viele geben möge, hat auch diese seine LieblingSgcmcinde besucht und hier ein Stipendium von fl. 50 gegründet, das der Lehrer für den Talmndunterrichr eines von der Gemeinde bestimmten Kindes erhält. In diesem Augenblick genießt eine Waise, die vom Rabbiner unterrichtet, und die noch anderweitig von ihren! Wohlthäier großherzig unterstützt wird, diese Wohlthal. So bietet heute noch wie ehedem I. ein erfreuliches Bild und gleicht nicht jenen Gemeindcii. in denen Heroen des Talmuds ausgestorbcn sind, ohne daß diese durch wissenschaftlich gebildete Männer ersetzt worden wären. Jenikau hat in der neuester Zeit aus seinem Schoße hervorgegangene Rabbinen, Aerzte, Advokaten und Lehrer aufzuweiscn, die aber größtentheilö fern von der Heimat thätig sind, es besitzt einen gebildeten Kaufmanns- und eiuen guten Handwerksstand, der jeder Gemeinde zur Ehre gereicht. Hier ist alles thätig, der eine auf geistigem, der andern aus materiellem Gebiete. Wer überhaupt d. erfreuliche Bild einer jüd. Gemeinde, wo sich d. Einzelneli als Glieder einer und derselben Familie betrachten, wo warhhafte von d. Vätern ererbte Frömmigkeit u. nicht FaiiatiSuillS 11. Aberglaube, wo edler Menschensinn und nicht Ruhmsucht herrscht, wo Friede und Eintracht, wahrhaft glückliches, patriarchalisches Familienleben zu Hause ist, der komme und schaue Jenikau. L. Silbersteru. T Ofen, 29. Sept. Von unserer Gemeinde habe ich nur zu melden, daß dieselbe d. löbliche Absicht hat eine Sinagoge zu bauen, und einen Rabbiner zu wählen. In diesem Ageublickc hat Ehrlich in Debrezin die meisten Chancen. Viel reichern Stoff bietet die Pester Gemeinde. In erster Reihe habe ich die Dank- und Vertrauensadreffen zu erwähnen, welche dem Vorsteher Dr. Hirschlcr von Szeged in und von andern Orten als Nenjahrsangebindc zugesendel wurden. Wie ich höre wird sich auch die hiesige Gemeinde ven Adressanteu anschließen. In Altofen soll sich der Rabbiner auf die erste Kunde von den eingelaufenen Adressen ebenfalls im anschließenden Sinne ausgesprochen haben. Dr. Hirschlcr erfreut sich auch wirklich der wärmsten Simpathie der Orthodoren, indem er den Besuchern der alten Sinagoge in Pest alle von ihnen geforderten Konzessionen macht. Und das mit Recht! Die Pester Orthodoren lassen ihre Kinder nicht nur im Schreiben nnd Lesen, sondern auch in anderen Dingen unterrichten; ihre Vorliebe für den noch immer heimatlosen Reimschmied Kallir ist daher ebenso unschädlich, als ihre Antipathie gegen den Gebrauch der Noten beim Sinagogengesange. ES wäre unbillig und unklug, ihren Neigungen und Abneigungen hindernd in den Weg zu treten. Dr. H. wird dies gewiß auch in der Folge nicht thun. In dem neuen Pester Temvel erhielt eine sehr gebildete Dame einen Verweis, weil sie mit bewaffneten Augen ein kontemplatives Tempellebeu führen wollte, was von! Vorstände ausdrücklich verboten worden war. Die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.