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Ben Chananja · 1862-09-19 · 38 (19.9.1862) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
38 (19.9.1862)
Date
1862-09-19
Page
Seite 323 (sequence 7)
Language
German
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״Ben Ehananja" über die Religion desjelben gemachten Bemerkung — des Abdruckes würdigen zn wollen. Es lautet wörtlich: ״Herrn Ignatz Reich in Pest. Ew. Wohlgeboren! ״So eben von einer kleinen Erholungsreise zurückgekommen, finde ich Ihr wcrthcS Schreiben vor, durch welches Sie mich von den, von einer ung. Zeitschrift gen,achten Bemerkungen über meinen vorgeblichen ReligionSwechs cl in Kcnntniß setzen. ״Wenn ich mich hätte taufen wollen, so hätte ich nicht nöthig gehabt, Freunde, Familie und Vaterland zu verlassen, um im Auslande Glück zu suchen. Noch als Schüler an der Wiener Hochschule wurde mir ein Platz (im Natnralicii-Kabinete) angeboten, den ich aber den damals bestehenden Gesetzen zufolge nicht annehmen konnte. Wenn ich also alle Ovfer gebracht. mit unzähligen Schwierigkeiten gerungen, um auf einer bescheidenen und geräuschlosen Bahn als Kämpfer für Religionsfreiheit nach Kräften bcizu tragen, so hatte ich fürwahr nicht nothwendig, nach Frankreich zu gehen, um einen Schritt zu thun, der hier zu Lande nur durch religiöse lleb erzeng u n g begründet werden konnte... So viel zur Aufklärung, falls selbe nothwendig. und zugleich nieine herzlichste Empfehlung. Ihr ganz ergebener Diener Paris. 8. Sept. 1862. Dr. L. Mandl m. p .*) Aus Oberitalien, im September. Der Neuzeit, Nco 33. wird aus Ungarn mitgetheilt, daß 20 ung. Rabbinen 1859 gegen die Rabbinerschnle zu Padua ein Pro memoria an die Regierung eingereicht haben, und sie eifert mit Recht gegen diese schändliche obwohl unschädliche Angeberei. Der Berichterstatter sagt nicht, daß Einer der Lehrer insbesondere und namentlich angegriffen worden sei. und doch suchen sowohl er als die Rcdaction nur Einen der zwei Lehrer (welche die Anstatt weder leiten noch vertreten) von solcher Verdächtigung zn reinigen, als ob er das ganze Lchrpersonal auSmachte. — Dam it ist die Vertheidigung nur einseitig, und die Schule wird keineswegs gerechtfertigt, denn jeder Lehrer ist selbstständig und von seinem College!! völlig 1111־ abhängig; die Lehren und Tendenzen des Emen find für den Andern nicht maßgebend. Jeder wirkt in seinem Fache und trägt seinerseits zum Wohlergehen der Schule bei, welche ohne die Mitwirkung Beider gar nicht denkbar wäre. Die unangetastete Orthodoxie des Einen bürgt folglich noch nicht für die Orthodoxie der Schule. Eine solche Bertheidigung kommt außerdem fast einer Verurtheilung gleich. Wie kann diese Hochschule bestehen, wie konnte fie sich ein Dritteljahrhundert erhalte», wenn ein einziger Lehrer darin lehrt und wirkt, und der Andere, dem doch die wichtigsten Lehrgcgenstände anvertraut wurden, nur ein Schatten, ein bloßer Name ist, der so leicht übergangen werden darf, als ob er nicht da wäre? Wie konnte die fragliche Anstalt bei einer so unvollständige», ja Mangelhasten Bildung die italienischen Gemeinden mit so vielen tüchtigen Seelsorgern versehe»? Zum Glücke stehen sowol die 20 nng. Rabbiner als die Neuzeit mit ihre» tadelnden Urtheilen vereinzelt da; die Thatsachen sprechen zn laut, und weder jene noch diese vermögen sie zn ändern; weder diese noch jene können bei ihrer großen Entfernung *) Es gereicht mir wirtlich zur Genugthuulig, diese Erklärung des trefflichen Naturforschers provoziri zu haben. Ich war durch eine briefliche Mittheilung irre geleitet, welche mir aus sonst gut unterrichtctcr Quelle zukam. Das unbegründete Gerücht von dem Neligionöwcchsel des Dr's. M. muß, wie diese Mittheilung jedenfalls beweist, selbst in P e st sehr verbreitet gewesen sein. Nnnmekr ist dasselbe a >1 t l! e n t i f ch widerlegt. L. I von dem Schauplätze von der wahren Sachlage genau nnterrich tet sein. Mit diesen bescheidenen, wohlgemeinten, anständig ausgesprochencu Bemerkniigen will Referent Niemanden verletzen noch angreifen, kein Verdienst verkennen noch verkleinern, dieselbe werden daher hoffentlich Niemanden in Harnisch jagen. AnS dem Tolnaer Komitate, im September. Ein Korrespondent der ״Neuzeit" hat die Verhältnisse in Bonyhäd einseitig dargestcllt. Viele Ehaneen hatte der Rabbiner Fischer in Duna-Füldviir, der jedoch, den Vorstellungen seiner Gemeinde nachgebcnd, der Bonyhädrr Einladung zur Probeprcdigt nicht entsprach. In diesem Augenblicke haben sich die vcrschicdcucn Ansichten noch viel zu wenig geklärt, als daß ernstlich von der Besetzung des RabbinateS in Bonyhäd die Rede sein könnte. Izsäky. K. Prag, September. In der Meiselsynagoge hat ein gewisser Dr. Stein aus Danzig 2 Probepredigtcn gehalten. Seine Tendenz ist resormatorischer Natur. Wie es heißt, hat er Aussicht aufgcnommen zn werden oder ist sogar schon anfgenomüien. Literarische Anzeigen. Alterthümer der Prager Josefstadt. Mit 14 Abbildungen. Herauögegeben v. Dav. I. Podiebrad. Vers, und zum Theile nach gesammelten Daten d. Hcrauög. bearb. v. Bcned. FogeS. 2. Aust. Eigenthnm d. HcrauSg. (Wohnt in Prag Nro C. 243 — V. am alten isr. Friedhof.) 16. 130. Je umfassender das Streben der Intelligenz der jüd. Gemeinde zu Prag hervortritt, den Kultus nach den ästhetischen Bedürfnissen der Gegenwart zu regeln, den höher», theologischen Unterricht zu heben, und eine zeitgemäße Organisation der böhmisch-jüdischen Gemeindcangclegenheitcn herbeizuführeu, desto berechtigter ist das Streben jüd. Forscher in Prag, die geschichtlichen Spezialitäten dieser alten und berühmten jüd. Gemeinde an'S Tageslicht zn ziehen. Vorliegende Sammlung ist eine wahre Bereicherung der Gesch. der Prager Gcm. und ein sehr verdienstlicher Beitrag zur jüd. Spezial - geschichte. Dieselbe enthält eine Abhandlung über das Alter des jüd. Friedhofes in Prag und über die erste Ansiedlnng der Juden in Böh - men (1—81;(18־ tun. über d. symbol. Zeichen auf den Grabsteinen (19—22); Beschreibung von 11 Grabsteinen (23—83); Geschichtliches über die Altncu-Synagoge, Altschnlc, PinkaS-Synagoge, Salomo n Molchs, Klauö-Shnagoge, d. jüd. NathhanS, die BecrdigungSbruder - schafl und als?lnhang eine Elegie Abigcdor Kara'S. Das, was S. 4 ff. über die erste Niederlassung der Juden in Böhmen gesagt ist, bedarf gar sehr der Revision. Die Berufung der mittelalterlichen Judenverfolger auf die ״Verbannungsedikte Kaiser Vespasian's״ hat den geringsten historischen Werth. Der Schwabenspiegel sagt sogar, daß der König Titus die Juden in des (deutschen) König s Kammer gegeben habe. Schneller sagt in seiner Staatengeschichte (2, 121): ״Solange sich die Menschen nicht als Kinder des nemlichen Gottes, sondern bloß als Glieder verschiedener Kirchen ansehen, wird das Kirchthum oft in GlanbenSwnth auöbrechen. Derlei AuSbrüch e z i e l t c n i n B ö h m e n g e g e» d i e I u d e n, als d i e C z e ch e n Ehristcn geworden waren. Man vergast es bald, wie treulich die Inden den Christen im Kampfe gegen die Heiden beigestanden." Ich bitte meine gelehrten Freunde in Prag, diese Thatsache einer gründlichen Prüfung in den Quellen zu unterziehen, und das

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