Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 37 (12.9.1862)
- Date
- 1862-09-12
- Page
- Seite 313 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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313 litt getrennt haben, haben eS alle gemerkt; wenn sie sich scheiden, haben es nur die wenigsten gemerkt. DaS hier zu besprechende Buch war ursprünglich vielleicht imErnste von dem Verfasser desselben geschrieben worden, dem Leser aber erscheint es nur als ein Scherz, und zwar alö ein schlechter. Ein witziger Kops kann erst dieses Buch in gute Scherze verwandeln. Ein gelehrter französischer Jesuit des vorigen Jahr- Hunderts, Boujeant, der in der guten Gesellschaft Aufnahme hatte, schrieb (im Jahre 1739) ein Buch über die Sprache der Thiere.') Allerlei theologische Grillen, gewürzt mit allerlei sonstigem Unsinn, versckiedeyen Quellen entnommen, haben sich friedlich in diesem Buche vereinigt, und ziehen geincinschaftlich von einem Ende desselben zum andern, und machen es gelehrt, lächerlich und interessant zugleich. Ob die T h i e r e überhaupt Seelen haben, ist nicht zu bestimmen. Vielleicht haben sie solche, vielleicht auch nicht. Die Voraussetzung, daß sie eine haben, hat von jeher den Theologen und Philosophen viele schlaflose Nächte gemacht. Manche Theologen haben behauptet, daß die Seelen der Thiere verfluchte Dämonen sind u. s. s. Diese Ansicht ist eS, welche der Verfasser in Commission genommen hat, und welche auch eines der Grundlagen dieses Buches bildet. Die Grillen dieses närrisch interessanten Buches sind, wie so viele andere in andern Werken, nicht zu widerlegen, wovon der stärkste Theil, das Interessante in ihnen, allein herrührt. Die Vögel singen. Der Inhalt ihres Gesanges.in französischer Sprache ausgedrückt ist bloß ״jo vous aime.“ ״Ja ich liebe euch" singt jeder Vogel dem Menschen zu. Manche sprechen dies noch ausführlicher aus. Es ist dieser Gedanke, ob gut oder schlecht, das al-!einige Eigenthum des Verfassers, und das Lob oder der Tadel dafür gebührt auch ihm allein. Dieses noble und menschenfreundliche Sentiment macht den Vögeln und übrigen Geschöpfen die größte Ehre. Swift sagte: ״Die Menschen haben Religion genug, sich zu hassen, aber nicht genug um sich zu lieben." Vergleicht man das Sentiment der Vögel mit dem des englischen melancholischen Humoristen, so stehen die Vögel höher. ES würde dieses wie eine Satpre klingen, welches doch der französische Autor nicht beabsichtigte. 1)0 Lamartine hat übrigens in seinem Gedichte Los Vis io 11s ähnliches geschildert. Je cherchais des humains... j’ ai vu des inaeuses Qui, dana leur deseapoir se maudissaut eux-tnetaea etc. Der Gedanke v. Swift ist schneidend durch die Antithese. Der Gedanke hat nur den einen Fehler — daß er wahr ist. '2) Daß dieses noble und menschenfreundliche Sentiment der Vögel so lange unbekannt blieb, ist gewiß höchst bebäuerlich, und es macht daher dem Verfasser dieses Buches die ausgezeichnetste Ehre, dieses Sentiment zuerst französisch übersetzt zu haben. Die Vögel sowohl als die ganze Menschheit, können, wenn schwarze Undankbarkeit nicht ihr Herz abgehärtet hat, den Tribut ihrer Dankbarkeit jetzt dem Verfasser nicht versagen. Die spezielle Dankbarkeit der Leser dieses Blattes möchte der Schreiber dieser Zeilen in aller Bescheidenheit anzusprechcn vielleicht berechtigt sein. ES enthält dieses Buch, wie der Leser ohngefähr bereitS ersehen hat, nur unschuldige literärische Seifenblasen, welche niemanden weder zum Ketzer noch zum Narren machen können. Daß dieses unschuldige Buch, trotz aller seiner Unschuldigkeit und unbefleckten literärischen Reinheit, dennoch die Zielscheibe für Kritiken wurde von Theologen und schwachköpfigen Gelehrten, darf hier auch noch nachträglich erwähnt werden. ES gehört Dieses zur Geschichte deö Buches, und zur Geschichte kritischer Schwachköpfigkeit über- Haupt. Wir gestehen aufrichtig, daß die vorgebrachten Einwürfe gegen dieses Buch und gegen den Verfasser desselben, nicht minder unterhaltend sind als das Buch selbst, wenn nicht vielleicht noch bei weitem unterhaltender. Eine Kritik deö Buches ist zu Ende der bezeichneten Ausgabe abgedruckt, mit den antikritischen Bemerkungen des Verfassers. Wenn wir dieses Werk nicht gelesen hätten, (wir haben noch so viele gute Bücher zu lesen), so hätten wir wohl nichts Dabei verloren. Hätten wir es aber hier nicht erwähnt, so hätte der Leser wohl nichts dabei verloren. Wir wollen zugestehen, daß cö nichts nützt; möge der Leser zugestehen, daß es nicht schadet. Unschuldige literarische Grillen haben gewöhnlich einen wohlthätigen Einfluß auf den Leser. Sie erregen Heiterkeit. Heiterkeit aber — so sagt man — befördert Appetit vor dem Essen, und gute Verdauung nach demselben. Insofern wir hoffen, daß diese Zeilen zur Heiterkeit des Lesers vielleicht beitragen könnten, so glauben wir, daß sie, in welcher Tageszeit sie ihn auch finden, ihm hoffentlich nützlich sein werden. Und so scheiden wir von diesem Buche und von dem nobelu und menschellfreundlichen Sentiment der befiederten Gesellschaft. Möge sie in diesem Sentiment lange verharren. Wir haben, ohne Ruhmredigkeit zn melden, Strecken der Zeiten und der Länder durchlaufen und haben dem Lefer eine schwache Federzeichnung von unserer Reise hier gegeben. Wir haben nach manchen Seiten hingelauscht, nud haben das Gehörte hier mitgetheilt. Sogenannte Kritik