Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 37 (12.9.1862)
- Date
- 1862-09-12
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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neu Zeiten verschiedene Bestimmungen getroffen wurden (Jebam. 16, a.) Bei fortgesetzter Forschung über die Abstaminung der Kurden, denen in neuerer Zeit so viele Aufmerksamkeit gewidmet wurde, wird die thalm. Ansicht, welche die übrigen Ansichten wol an Alter übcrtrifft, um sa sorgfältiger zu erwägen sein, als auch andere Momente auf eine Verwandschaft derKurden mit den Inden führen. Der Gedanke, das; daS Mamserthum überbandnehmen, und einen bedeutenden Theil der Nation infiziren könnte, batte so viel Quälendes, das; man sich dessen ans mannigfache Weise zu entschlagen suchte. Manche Lehrer trugen kein Bedenken, ein Theorem aufzustellen, über welches die Fisiologcn ohne Zweifet bedenklich d. Kopf schütteln werden. Mamserim, sagten sie, die nicht als solche bekannt sind, und von denen mithin Gefahr der Vermischung zu befurchten ist, haben keine L cb enö fägkit! Anfangs wurde dieses mikrobiotische Theorem mit d. Theodicoe auf d. Pest, welche im Oriente fast periodisch wiederkehrt, in Verbindung gebracht: ״Nach Ablauf v. je 60 o. 70 Jahren läßt Gott d. Pest in d. Welt wüthen, u. mit den Mamserim auch Reine dahingerafft werden, damit die Welt nicht erfahre, wer die Schuldigen gewesen sind, wie denn aus gleichem Grunde das Sündopfer und Ganzopfer an einer und derselben Stelle geschlachtet wurde (3. W. 6, 18)!" In der Folge wurde dieses Theorem so zugespizt, das; man dem dubiosen Mamser nur die kurze Lebenszeit von einem Monate gönnte! Damit rechtfertigte sich nun mancher Rabbi, wenn ilun ein Spurius die Bekanntmachung seiner illegitimen Abkunft zum Vorwürfe machte. ״Ich habe," sagte der Rabbi, ״nur für die Verlängerung deines Lebens gesorgt; denn hätte ich deine Herkunft nicht zur öffentlichen Kenntniß gebracht, so würdest du als dubioser Mamser unvermeidlich dem Tode in die Arme gesunken sein 8)!" Man kann zugeben, daß alles dies die Reinheit der Familien bewahren half; Publikationen, wie die eben angeführten, konnte man in Ungarn noch vor zwanzig Jahren hören, im Oriente lassen sie sich bis auf den heutigen Tag vernehmen. Wer wird aber leugnen können, daß Juden von Europäischer Bildung für immer dem Standpunkte entrückt sind, wo Mamserische Verlautbarungen stattfinden, und mit makrobiotischen Jutentionen beschöniget werden! Solche injuriöse Verlautbarungen konnte man sich nur gegen obskure Individuen gestatten; reiche und angesehene Persönlichkeiten mußten verschont bleiben. ״Geld wäscht Mamserim rein," — rief daher unmuthig ein Lehrer aus. In der Folge gab man diesem sarkastischen Witze eine juridische Bedeutung, indem man denselben mit dem Kunstgriffe R. Trifon'ö in Lydda in Verbindung brachte. Dieser Kunstgriff lag in dem dem Mamser er-!heilten Rathe: Mache Gebrauch von der die eingeräumten 11 Freiheit, eine Sklav n zu nehmen; schenke den Kindern, welche dieselbe zur Welt bringt, die Freiheit; und du hast deine Nachkommen legitimirt! °) Von der Erfahrung gewitzigt wurde man immer vorsichtiger, so daß Mittheilungen über mamscrisch infizirte Familien nur äußerst selten, — ״einmal oder zweimal in einem Jahrsiebent," — gemacht wurden. N. Jochanan b. Nafcba mochte gar nicht davon reden, um manche aristokratische Familien nicht zu kompromittiren. R. Jizchak b. Pinchaö, der Haggadist, wollte die vollendeten Thatsachen respektirt, und daher die beanstandeten, aber mit reinen Geschlechtern verschwägerten Familien für rcinblütig gehalten wissen. DaS Mamserthum war aber nicht nur Gegenstand mannigfacher Satzungen, sondern auch Gegenstand mannigfacher Hoffnungen. Man meinte nämlich, es gehöre zur Mission des Profeten Elias, als Vorläufers des Messias, die Familien von Schlacken zu läutern. R. Josua b. Chauanja beschrankte diese Wirksamkeit des Elias auf die Nehabilitirung der gewaltsam attögeftoßenen, und ans die Entfernung der gewaltsam ausgenommenen Familien. R. Jehuda. b. Jlai übertrug dem Profeten nur eine umfassend rehabilitirende Mission. Andere Schriftgelehrte wollten von einer Beschäftigung Elia's mit genealogischen Fragen nichts wißen; Elias wird, lehrten sie, Streitigkeiten beilegen und Frieden stiften, so daß sich an seine Erscheinung nur frohe Hoffnungen, aber durchaus keine ängstlichen Besorgnisse knüpfen können.'") N. Jose der Ehrouogras proguostizirte die gänzliche Reinsprechung der Mamserim in der Messiaözeit.'') Fortsetzung felgt. Ä n m e r k u n g e n. ') 5 M. 23, 3. ׳-) Jebam. 4, 13.: איזהו ממור כל שאר בשר שהוא בלא יבוא Die Worte שאר בשר bieten den Erklärcrn Schwierigkeiten; s. T. Jom Tob. z. St. Im Sisrc und Kidd. 74 a. fehlen diese Worte, lieber die Abgrenzung des Maiiiserthilin's nach N. Akibas. Kidd. 68, a 0 Jcbani. a. a. O. Ha lach. Gedcd. Ven. 54, b. Tos. Jcbani. 49, a. Schlgw. Simeon und jcr. Kidd. 3, 12. Dr. Frankel sagt irrtbümlich, daß nur ans der ״mit Hinzufngnng der Todesstrafe" verboteilen Ehe Bastarde hcevorgehen (Grnndl. 5. Ll). Dies ist die Ansicht R. Josua's, welche aber nicht halachisch sanktionirt ist. 0 Geiger betrachtet die hieher gehörigelt Stellen atö Definitivn des Mamscrbegrisfes (Nrschr. 54), worin er jedoch irrt. 5) Jcbani. 45, a. s. Naschi das. Das היה קאךל bezieht man wol richtiger auf Sima, den Fürsprecher, und nicht ans den Arant- Werber. ל Sanh. 4, 2. Horaj. 3, 8. Kidd. 70, a. 28, a. Ehcmda Gennsa S. 3 t. ") Kidd. 71, b. Er sch. 1111b Grnber'e Encyll. II. 17, 178. ל j. Jebam. 8, 3. Kidd. 4, 1. b. Jebai». 78, b. N. Eliezer b. Hyrkanos wurde von Judcchriste» auch mit Mamserfragcn behelliget: Jebam. a. a. O. Joma 66, b. Das Buch d. Frommen Nr. 500, angeführt v. Beth Samnel 2, 18. siebt mu dem Thalm. in Widerspruch.