Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 36 (5.9.1862)
- Date
- 1862-09-05
- Page
- Seite 303 (sequence 3)
- Language
- German
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geschloffenen Elementen gereiniget hatte, indem er letztere nach Palästina führte! Damit übereinstimmend behauptete Samuel Jarchinai: ״Die jüd. Population aller Lander ist ein Teig (d. h. von unreiner Mischung) im Nerhältnisse zu der deö Landes Israel, die des letztern ist ein Teig im Verhältnisse zu der Babilon'ö. 1a)״ Hier ist aber nicht nur von ethnischen, sondern auch von anderen verbotenen Elementen die Rede, welche die Reinheit deö Blutes der Palastineuser, nicht aber die der Babilonier beeinträchtigten. Der Ahnenstolz der Babilonier war so exklusiv, daß babitonische Schüler sich weigerten, Töchter ihrer Palästinenstscheu Lehrer zu ehelichen. ״Unser Unterricht," sagte daher׳ R. Jochanan b. Nafcha zu seinem Schüler Zeira, ״ist euch rein genug, unsere Töchter sind eS nicht!" —Judeß waren rücksichtlich der StammeSreiuheit selbst innerhalb der babilonischen Diasora Grenzen gezogen. 13) In Palästina muß Die Vermischung mit den nichljübischen Einwohnern schon während des Exils ihren Aufang genommen haben, da dieselbe in der Zeit Ezra's bereits so weite Dimensionen angenommen hatte. Um so merkwürdiger ist es, daß in der Restaurationszeit Zerubabel'S und Josua'ö gar nichts davon verlautet. Offenbar beschränkten sich die ersten Restauratoren auf die Wiederherstellung des Tempels und des Kultus; die Restauration des Gesetzes war ein Werk Ezra's, daher er auch in der Tradition als Restaurator der nationalen Institutionen im h. Lande gepriesen wird. Das liebet d. Mischehen konnte auch er bloß bitter beklagen, steuern konnte er demselben nicht: ^so tiefe Wurzel Halle eS im Leben des Volkes geschlagen! Die Volksversammlung, welche er abhielt, überwies die Untersuchung der epigamischen Uebelstände einer aus den Borste- Hern deö ganzen Volkes bestehenden Kommission, welche von den OrtSbehörde» unterstützt werden sollte (Ezra 10, 14). Die Kommission löste ihre Aufgabe mit aller Gewissenhastigkeit. Sie verfertigte ein Verzeichniß aller schulbig Befundenen: Aus der Familie des Hohenpriesters hatten 4, unter den übrigen Priestern 13, unter den Leviten 10, unter den nichtlevitischen Judäern 86 in gemischter Ehe gelebt. Am meisten gravirt waren die Leviten: nach Ezra 2, 40. waren mit dem ersten Erulantenzuge nicht mehr als 74 Leviten eingewandert, so daß ungefähr jeder zwölfte Levite in gemischter Ehe lebte! Die Hochpriesterlichen ״gaben ihre Hand," die fremden Weiber zu entfernen, und ihr Vergehen durch ein Opfer zu sühnen. Von den Uebrigen wird dies nicht berichtet; vielmehr schließt die Relation bloß mit d. Worten: ״Alle diese hatten fremde Weiber genommen, und manche von ihnen Weiber, mit denen sie Kinder zeugten (Ezra 10, 44)." Ob in Folge des Kommissionsberichtes wirklich eingeschritlen, und die beabsichtigte Entfernung der fremden Weiber auch faktisch voll- > zogen wurde, läßt sich aus dem Ezrabuche weder bejahen, noch verneinen. Nach dem Berichte des 3. Ezrabuches und des Josefus ist dies geschehen. ") Nach letzterem hat Ezra ״gesetzliche" oder ״bleibende 15)" Verfügungen in Ansehung der Mischehe getroffen; dies verhinderte jedoch d. Fortdauer deö so nachdrücklich bekämpften Nebels so wenig, daß schon Nehemia von Neuem darüber zu klagen hatte, ohne die geschlossenen Mischehen auflösen zu können oder auch nur zu wollen. 16) Eine bisher noch nicht angestellte Vergleichung deö Vorgehens Nehemia's mit dem Ezra's wird folgende Punkte beachtenswerth finden: 1. Die Motivirung Beider stimmt nur in so ferne überein, als sie eine Beeinträchtigung der väterlichen Religion durch die Mischehe nicht zur Sprache bringt. Von Verleitung zu einem fremden Kultus konnte auch bei der gänzlichen Desolution der uichtjüdischen Kulte in Palästina zu jener Zeit keine Rede sein. Trotz dieser negativen Uebereillstimmuttg tritt jedoch eine sehr charakteristische Differenz hervor. Bei Ezra klagen die VolkShaupter, daß sich die heilige Nachkommenschaft Jsrael'S (זרע קדש) mit den Völkern vermische; Nehemia schweigt davon, um desto lauter darüber zu klagen, daß die Kinder fremder Weiber der Nationalsprache entfremdet werden. — An die Stelle der alten religiösen Fürsorge für die Erhaltung der monotheistischeu Gottesverehrung tritt die theologische Doktrin von des ״Samens Heiligkeit;" und das noch ältere stolze Nationalgefühl schrumpft zu einer sprachlich-puritanischen Reflexion zusammen! Wer könnte hier den Umschwung der Zeiten verkennen? 2. Die theoretische Differenz zwischen Ezra und Nehemia tritt auch in der Praxis hervor: auch hier handelt Ezra als Schriftgelehrter, Nehemia als energischer Chef der Exekutive. Ersterer hält Gebete und Volksversammlungen, und will in doktrinärer Konsequenz auch die bereits geschlossenen Mischehen aufgelöst wissen. Letzterer flucht den Männern der fremden Weiber statt ein Bußgebet zu halten; er läßt sie körperlich züchtigen statt sie in Volksversammlungen anzuklagen; er begnügt sich mit einem Promissiveid für die Zukunft, ohne an die Auflösung der bestehenden gemischten Ehen zu denken. Ezra's Dogma dringt auf Annullirung der sträflichen Ehebündnisse; Nehemia's Puritanisin erkennet dieselben als vollendete Thatsachen an, und begnügt sich damit, einer weitern Trübung des nationellen Elementes vorgebeugt zu haben. Im Geiste Ezra's spricht auch der Profet Maleachi von der Mischehe: ״Untreu ward Juda und Gräuel wurde in Israel und in Jerusalem verübt; denn Juda entweihte das Heiligthum des Ewigen, indem es (Juda) die Tochter eines fremden Gottes liebte und freite: der Ewige rotte aus dem Manne, der dies