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Ben Chananja · 1862-09-05 · 36 (5.9.1862) · p. Seite 302

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
36 (5.9.1862)
Date
1862-09-05
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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:;02 völkerung wäre der drohenden Gefahr, ״dem verworrenen, unklaren Leben der übrigen Bewohner -Palästina'- anheim- Zufällen /')" kaum entgangen, wenn sie nicht durch eine begeisterte und thatkräftige Emigration zu einem edlern, uationetten und religiösen Leben geweckt worden wäre. Die Elite der jüdischen Nation war nach Babilon gebracht worden. Nicht nur die Kriegslustigen und Waffenfähigen, sondern auch die Träger der Intelligenz mußten den Boden verlassen, wo nationelle Erinnerungen so leicht den Entschluß zur Reife bringen konnten, nationelle Geschichte zu machen. Die zurückgelassene unwissende Masse, welche nach Jercmia'S Entfernung aller Belehrung beraubt war, gab allmalig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ans, das Sprichwort im Munde führend: ״Eö dauert lang die Zeit, und alle Profezeiung wird zu Nichte.!" <'׳) Die Emigration hingegen schaute hoffend in die Zukunft, gestärkt durch das Trosteswort der Profeten. Die Erbauung des Tempels besprachen Haggai und Zecharja in profetischer Rede; ihre in Jerusalem gehaltenen Reden werden aber von denen des großen TrosteSprofeten verdunkelt, dessen Stimme kurz vorher die Emigration vernommen hatte. Die Tradition der Persischen (babilonischen) Schulen von dem hohen Alter der babilonisch-jüdischen Wissenschaft und Literatur ist durch neuere Forschungen theils bereits zu Ehren gekommen, theils wird sie noch zu Ehren gelangen. In der Zeit zwischen Jeremia und Ezra war Palästina, wiewol nicht entvölkert, und seit Zerubabel wieder im Besitze des nationellen Kultus, mehr dem Namen nach das Land Jsrael's; der Sitz des eigentlichen Jsrael's, in welchem das Bewußtsein seiner Würde, seiner göttlichen Berufung und Mission fortlebte und sorgfältige Pflege fand, war nicht an den Ufern des Jordan's, sondern in den Gegenden des Eufrath und des Tigris. Der Einfluß der fremden Nmgebung konnte, bei der nahen Verwandtschaft der hebräischen und aramäischen Sprache, den nationalen Sinn der Emigranten und die daraus hervorgehenden Bestrebungen nicht beeinträchtigen. Erblickte ja schon der einsichtsvolle R. Chanina in dieser Sprachverwandschaft ein günstiges providentielles Moments) Die jüdische Emigration in Babilon wachte auch über des Blutes Einheit und Reinheit; Mischehen kamen daselbst gar nicht, oder doch nur höchst selten vor. Herzfeld hat dies verkannt. Nach seiner Darstellung hat die Mischehe gerade im Eril überhand genommen, und er findet vor ״allen anderen Dingen" darin den Grund, ״daß nicht eine viel größere Anzahl von Juden mit Serubabel zurückgekehrt ist: die eingegangene Verbindung mit eingebornen heidnischeu Familien entfremdete Viele dem Judenthnme, und hielt selbst Solche, welche von diesem sich nicht abgewendet hatten, vielfach ab, ans den liebgewonnenen Kreisen zu scheiden. Wie hätten aber Ezra und Nehemia wegen der Mischehen so sehr in Zorn gerathen können, wenn dieselben in ihrer früher» Heimat einheimisch gewesen wären? Die ansehnliche jüdische Bevölkerung, welcher die Geschichtöforschnng in der Folgezeit in den Eufratgegenden begegnet, beweist allerdings klar, daß viele Er nlanten cs Vorzügen, in ihrer neuen Heimat zu bleiben, als sich den Gefahren und Beschwerden zu unterziehen, welche mit der Rückkehr in das Land der Väter verbunden waren; auch ist unleugbar, daß in späterer Zeit dieses unpatriotische Zurückbleiben scharf getadelt wurde; dies berechtigt aber nicht, dasselbe im Widerspruche mit den Quellen als das Ergebniß zahlreicher Mischehen darzustellen. Ewald sah ein, daß solche in Babilon nicht vorhanden waren, und er erklärt dies durch folgendes Naisounemeut: ״Die zerstreuteren kleineren Gemeinden deS Ostens mochten gegen die Heiden auch häuSlich strenger zusammenhalten: überall, wo die Genossen einer Religion unter fremden Völkern und Herrschern sehr zcrstreut leben, schließen sie sich desto heimischer und fester an einander an. In dem neuen Juda, wo man durch einzelne Verbindungen mit heidnischen Häusern doch das Vaterland n. den vaterl. Glauben nicht zn verlieren fürchtete, wol aber schon wegen des Druckes der Zeit vortheilhafte Verbindungen nicht gern zurückwies, war man von Anfang an in dieser Hinsicht weniger ängstlich gewesen, und hatte die möglichen weiteren Folgen wol noch sehr wenig bedacht. '״)" Diese Betrachtung setzt an den damaligen beiden Hauptwohnsitzen der Juden dieselben Kulturzustände voraus, und sucht die epigamischen Ausschreitungen in Palästina aus berechnender, politischer Konvenienz herzuleiten. Letztere war aber gewiß nur bei den wenigsten Mischehen vorherrschend, und die Bildungszustände der Palästinenser waren von denen der Babilonier sehr verschieden. Die nationellen und religiösen Motive, welche letztere vor Vermischung mit anderen Völkern bewahrten, hatten über die Palästinenser keine Gewalt, und die epigamischen Gesetze waren denselben wol kaum genau bekannt. Dazu mnß noch in Betracht gezogen werden, daß die Palästinensischen Juden mit den ihnen benachbarten Völkerschaften seit Jahrhunderten in nachbarlichem Verhältnisse lebten, so daß trotz der gegenseitigen nationellen Eifersucht und Feindschaft sich doch jene soziale Annäherung entwickeln mußte, von welcher die Schließung gemischter Ehen in der Regel begünstiget wird, was in Babilon nicht der Fall war. Die Babilonier thaten sich auch auf die Reinheit ihres Blutes nicht wenig zu Gute, und sahen mit Stolz auf ihre Brüder im Heimatlande hinab. R. Eleazar b. Pedath, der Babilonier, behauptete allen Ernstes, daß Ezra Babilon erst dann verließ, nachdem er es dem reinen Mehle gleichgemacht,") d. i. die jüd. Bevölkerung von allen, von der Epigamie aus- (

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