Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 35 (29.8.1862)
- Date
- 1862-08-29
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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294 ״ich bin die Wahrheit '), wofür sie auch von den mohamedauischeu Gläubigen getadelt wurden. Die mohamedänischen Gläubigen haben über den Werth der guten Werke dieselben Ansichten, wie die Talmudisten. Das Studium des Gesetzes, als solches au sich, wurde von den Talmudisten als sehr verdienstlich gehalten. ES ist diese Ansicht als eins der tief eindringenden und weit verzweigten Elemente der jüdischen Kulturgeschichte zu halten. Die Entwickelung dieses Gegenstandes ist des Fleißes eines Kenners würdig.;l) Die biblischen Worte ״ והגית בו יומם ולילהdu sollst dich Tag und Nacht damit beschäftigen" bilden allerdings die Grundlage dieser Ansicht. Alö im Laufe der Zeiten die sogenannte schriftliche Firirnng der gesetzlichen Traditionen vor sich ging, wo der Discussiou ein großer Spielraum erwuchs, ward damit dasjenige gebildet, welches mau Gelehrsamkeit nennt. Die Sufis machten sich nicht viel aus dem, was mau gewöhnlich Gelehrsamkeit nennt. Das innere Licht (welches auch in christlichen Kreisen eine große Rolle spielt) war ihnen Ersatz für alles andere. Mancher Spruch, bescheiden ohne rhetorischen Glanz, ohne vermeintliche philosophische Tiefe, tritt au uns heran, bei näherer Betrachtung erkennen wir ihn als einen Ring in der Kette von Anschauungen, die lange durch die Geschichte der Menschheit gezogen sind, und noch lauge ziehen werden, ohne eine Auflösung gefunden zu haben. Beispiele aller Art hätten hier angeführt werden tönneu. Wir begnügen uns hier folgende Stelle anzuführen: .עתיר הק״בה לעשות צל לבעלי מצוות בצלן של ת״ה Wörtlich übersetzt lautet dieses so: ״Gott wird einst für diejenigen, welche die Gebote befolgten, einen Schatten machen unter den der Gelehrten." l) In diesem bescheidenen Satz, welcher uns heute etwas seltsam vorkömmt, ist ein allgemeiner Gedanke ausgesprochen, über das gegenseitige Berhältuiß des bloßen innern formlosen Glaubens ohne von guten Werken begleitet zu sein, zu dem bloßen Ausüben von guten Werken, ohne vom innern Glauben begleitet zu sein. Es ist hier daö theoretische Kennen des Gesetzes und das Beschäftigen damit in gewisser Beziehung als identisch mit Glauben gehalten, insofern mau dafür hielt, daß daS Beschäftigen mit demselben zum Glauben führe, was freilich nicht immer der Fall ist. Es hat dieser Gegenstand in manigfaltigeu Formen sich in der Theologie bemerklich gemacht. Er ist vielleicht die Hälfte der gesammteu Theologie. Es begegnet uns dieser Gegenstand auch auf dem Gebiete des Mohamedauismus. Scharastani lTheil 1. S. 151) der denk scheu liebersetzung) belehrt uns von Seite der Mordochia ״daß sie die Thal der Gesinnung und dem Glauben nachsetzen." Es gehören hieher manche Sprüche, die Algazali anführt so wie der eines Ungenannten, von Menachem Meiri angeführt, welche wir anderwärts bereits gegeben haben. r’) In gewisser Beziehung gehört auch die talmudische Diskussion über ״ מצוות צריכות מוגה) hieher. Im P e r e k Schirah sprechen die Thiere religiös, in der äsopischen Fabel ist ihre Sprache weltklng, in den sufischen Unterhaltungen (oder Fabeln) reden sie mystisch. Allenthalben spiegelt sich der menschliche Geist in seiner verschiedenartigen Gestalt ab. Allenthalben bedünkt es uns, alö hörten wir den Genius der Menschheit sich der Worte Josephs bedienen כי סי המדבר אליכם ״es war mein Mund der zu euch spricht." Die Mystik schließt sich den verschiedenen Religionen an, und braucht den Inhalt derselben als specielle Uvterlage für gewisse Anschauungen, welche ihrer Natur allgemein sind, oder wenigstens sein könnten. So hat Dante im Paradiese christliche Mystik gesucht und gefunden. Als solche n. nur als solche kann sie Werth haben in einem bestimmten Kreise. Ein jüdischer Dante könnte ans dem Talmud und dem Midrasch jüdische Mystik benützen für poetische Zwecke. 7) Es ist die Personification, welche alle diese Vorstellungen trägt. Sie ist es auch, welche d. Trägerin der verschiedenartigen Allegorien war und auch immer sein wird. Alles Innere drängt sich, Gestalt zu empfangen; mit einem Worte׳, es treten uns sehr vernehmlich die Gedanken entgegen in der äußern Sprache der Natur. (Fortsetzung folgt.) Anmerkungen. ׳) Der oft vorkouimende Ausdruck מצוות ומעשים טובים taif hier ins Gedächlniß der Leser gerufen werden. ־) Lcrgl. unsere Notiz darüber (v. Z. S. 52.) ') Es darf hier gelegentlich der Ausdruck angeführt werden לשקע עצמו ברברי תורה Zcruschalmi 1. mschn. 2. ״sich in die Lehre zu versenken." (S. B. CH. II. 180 ff. Ned.) ') Zeruschalnii: Sotah Abschnitt II. Halachah 4. 5) Vcrgl. unser Schire Schloino S. 86. Die folgende Stelle in מאוני צדק (S. 63) anfangeud והוא שההצלה והצלתה לאיגיע גי) ist ebenfalls hier zu betrachten. ") Wir haben im ״B. CH." (vor. Jhrg. S. 339) im Allgemeinen darüber gesprochen. ") Daß Moses Ricti (welchen mau den jüd. Dante genannt hat) in keiner Hinsicht dieser Arbeit gewachsen war, haben wir bereits anderwärts bemerkt.