Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-08-22 · 34 (22.8.1862) · p. Seite 286

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
34 (22.8.1862)
Date
1862-08-22
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2543006--2736-2546548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28() Gatten per Zidonischen Prinzessin Jzebel. Unter den zwanzig Königen des Reiches Juda, welche zusammen 393 Jahre regierten, könnte außer Jehoram allenfalls noch Josafat genannt werden, vorausgesetzt, daß zur Lösung des merkwürdigen Problems, weshalb unter den Königen von Juda Jojasat der einzige ist, von welchem keine Gattin nahmhaft gemacht wird, kein anderer Ausweg übrig bleibt, als die Annahme: Josafat, der untadelhafte', fromme, hochgefeierte Fürst hatte eine ausländische Prinzessin geehelicht, und auf diesen Schritt glaubten die h. Geschichtsschreiber einen Schleier werfen zu müssen! Der Sohn dieser Prin- Zessin, Jehoram, folgte seinem Vater in der Regierung; er ist der einzige Fürst Juda'S, dessen Mutter nicht genannt wird! Bekanntlich werden in der Königsgeschichte die Mütter der regierenden Häupter mit ihren Namen angeführt, weil im Oriente die Mutter des Regenten einen bedeutenden Einfluß auf die Staatsgeschäfte auSübt, ja nicht selten die Zügel der Regierung in ihren Händen hält. Die h. Geschichtschreiber unterlassen daher nicht, zu der Angabe der Regieruugszeit deS Königs d. Namen seiner Mutter zu fügen,'׳) womit sie sagen wollen, daß dieselbe Mitregentin ihres Sohneö war. Einem Zufalle dürfte es wol schwerlich zuzuschreiben sein, daß dies bei Jehoram unterblieb. Ob in den Worten der Chronik eine Andeutung des von uns vermutheten Sachverhältnisses enthalten sei/) wollen wir dahingestellt sein lassen. Ist nun unsere Hipothese so glücklich, von Sachkennern plausibel befunden zu werden, so wäre damit der Schlüssel zur Lösung eines der schwierigsten Probleme der Schriftauslegung gefunden: zum Verständnisse deS fünf und vierzigsten Psalms! Ueber den dichterischen Werth dieses Psalin'ö sprechen sich neuere Forscher folgender Maßen aus. Ewald: ״Der Eingang ist wirklich schön und ein tiefes Dichterherz offenbarend. Zuerst wallt der Gedanke mächtig, aber ungeordnet im Innern,!schon kann auch empfunden werden, wie schön und lieblich er sei: aber erst Ueberlegung und Kunst, hier vermittelt durch die Betrachtung, daß das Lied ein königliches werden solle, vermag dann auch, das schön gedachte fertig anözureven. Wirklich verheißt hier der Dichter nicht umsonst etwas Wohlgeredetes.^)" Hitzig: ״Wir müssen den Psalm dem Zeitalter der höchsten Blüthe hebr. Literatur zueignen. Dies wird freilich jeder der Psalmen kundige Leser ohnehin thnn, wegen der ihm inwohnenden Kraft und dichterischen Gluth, wegen seiner raschen, lebendigen Bewegung, .. . und wegen der Sicherheit und Meisterschaft, mit welcher der Ausdruck gehandhabt wird.")" Dieser der Form nach so herrliche Psalm hat aber einen höchst bedenklichen Inhalt: er ist nämlich nichts Anderes, als eine Ode ans eine Mischehe, welche ein König geschlossen hat! Eine überraschendere biblische Erscheinung vermag man sich wol kaum zu denken; und doch ist diese Erscheinung unleugbar: denn Vers 11. lautet: ״Höre, Töchter, und sieh' und neig dein Ohr, Und vergiß deines Volkes und deines VatcrShanses!" Die alten SchristauSlegcr konnten sich begreiflicher Weise mit dem Gedanken, daß ein Psalm ein bloßes Hochzeitskarmen sei, eben so wenig befreunden, als mit dem Gedanken, daß eine Mischehe besungen werden könne. Sic nahmen daher ihre Zuflucht zu simbolischer Deutung, indem sie bald an Abraham, bald an Aaron, bald an Israel dachten.'") Den christlichen Schriftauslegern war die Richtung, welche die Erklärung des Psalm'S zu nehmen hat, im Hebräerbriefe vorgezeichnet, wo dem 7. und 8. Verse deS Psalms Messianische Deutung gegeben wird.") Unter den jüdischen Bibelforschern war Abraham Aben Ezra der erste, der an Messianische Deutung des Psalms dachte.'") Seit dem 16. Jahrhundert wagten einzelne Eregeten, unfern Psalm als Gelegenheitspredigt zur Vermählung Salomo's mit der Tochter Farao'ö darznstellen; Wolf Maier eignete sich diese Auffassung noch 1835 an. An Salomo kann aber, wie heutzutage ohne Widerspruch anerkannt wird, schon deshalb nicht gedacht werden, weil derselbe keine Kriege geführt hat, und überhaupt kein Mann des Schwertes war, so daß an ihn sicherlich nicht die Aufforderung gerichtet werden konnte: * ״Gürte dein Schwert an die Hüfte, Held, Deinen Glanz und deinen Schmuck (V. 4)! Ewald, natürlich bereit, den Psalm als Hochzeitslied zu betrachten, findet es 1835 noch nöthig, die Aufnahme desselben in den Psalter zu rechtfertigen: ״Es ist in gewisser Hinsicht immer belehrend, zu sehen, wie auch ein scheinbar bloß weltliches Verhältniß vom Dichter geadelt wird, indem der höhere Geist der hebräischen Poesie und Religon auch den niederen Verhältnissen nicht ganz fremd werden kann; und wer das A. T. von einem freiem Gesichtspunkte auffaßt, wird, sei er Theolog oder bloß Literator, um keinen Preis ein so seltenes Stück des hebr. Alterthums missen wollen." Trotz dieser Apologie ist es ihm zweifelhaft, ״in welchem Sinne dies Lied von dem Sammler der Psalmen ausgenommen sei, ob es entweder aus einer altern gemischtern Sammlung mehr durch ein Uebersehen beibehalten, oder ob es schon damals ideal oder messianisch erklärt worden sei." In Wahrheit ist keines von beiden der Fall. Vielmehr war in den Sammlern der Psalmen das Nationalbewußtsein noch viel zu rege und lebendig, als daß sie es über sich hätten gewinnen können, eine dem Ruhme und der Verherrlichung eines einheimischen Herrschers geweiheie Ode der Vergessenheit preiszugeben. Ob ihnen der Name

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.