Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 33 (15.8.1862)
- Date
- 1862-08-15
- Page
- Seite 283 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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283 vor die Meziza anwenden, was er ganz gewiß nicht gethan hätte, wäre er von der Gefährlichkeit des fraglichen Mißbrauches wirklich überzeugt gewesen. R. Mose's Söhne, die Erben seiner Frömmigkeit und seines Geistes, handelten daher ganz im Sinne ihres Vaters und Meisters, indem sic das fragliche Gutachten, welches im Kochbe Jizchak (1, 49) abgedruckt ist, nicht in dessen G.-A.-Sammlnng aufnahmen. Die Meziza ist allerdings auch nach der orthodoren Anschauung kein integrirender Theil der Beschneidung; aber die Abstellung dcrselben setzt voraus, daß frühere Rabbinen Mißbräuche geduldet und einführt haben, deren Schädlichkeit erst in unserer Zeit eingesehen wird. Und diese Voraussetzung ist eben das Horrible: unser R. Mose hielt Alles, was die Aerzte gegen die frühe Beerdigung der Tobten sagen, für eitle Faselei! — Im Zionswächter (1847, Pro 52) sind von den Hofräthen Tertor und Münz in Würzburg Gutachten' abgedruckt, welche die Meziza empfehlen. R. Jakob Etlinger in Altona hat daher trotz der hiesigen Akkomodation von 1837 dennoch 1847 für die Meziza eine Lanze gebrochen, und R. Simon Kuniz hat in s. 1850 erschienenen Werke Oth Berith den Ursprung d. Mcz. in der Bibel nachgewiesen: □ר"^ בגרוג וה״ס בידם מתחלה החרב לחתוך כסכין ואה״כ פיסיות היינו המציצה בפה (O. Der. S. 17. Nr. 9)!.' Nichts ist klarer als diese Deduktion!—In Betreff der Polemik d. Wiener jüd. Journalistik gegen die mediz. Wochcnschr. könnte die letztere merkwürdiger Weise d i e Autorität anrufen, unter deren Schutz sich ihre Gegnerin stellt: R. Moses Soser! Diesen zitirt nämlich in Bezug auf die Beschneidüng d. W.: דהרבה מתים על ירי וה (CH. Gof. O. CH. Nro 158)! Dieses Zitat ist allerdings falsch, denn Rafchi Gilt. 57, b. sagt: דומנין המיית Aber für die Anschauung uns. Rabb. bleiben die Worte immer charakteristisch! (lieber d. Meziza s. ferner B. Chan. 1, 74—76. 468. Red.) Prager Briefe v. Veridicus. I. Korrespondenzen wie die welche ich soeben anknüpfe, beginnen gewöhnlich mit dem obligaten ״Im Schoße unserer Gemeinde haben wir..." Nun was haben wir denn im Schoße unserer Gemeinde? ich denke nach und es wird mir schwer die Antwort zu sinden! Warum denn schwer? haben wir nicht unsere Wohlthätigkeits-Anstalten für Lebende und Todte; haben wir nicht Armenversorgung, Waiseninstitnt, Thalmudthoraschule, ein gut eingerichtetes und unterhaltenes Spital; und haben wir nicht für die Zeit wo man aufhört das Alles zu brauchen, eine Beerdigungöbrüderschaft, deren Organisation nichts zu wünschen übrig läßt? Das Alles haben wir und doch sollte cs schwer fallen zu sagen, was wir im Schoße unserer Gemeinde haben! Nun ja, es ist wahr wir haben viel Rennens- und Rühmenswerthes in unserer Gemeinde, aber vor allem haben wir einen alten gediegenen Namen! Wer vor einigen Decennien Prag nannte, der that es mit einer Pietät, die es zur Genüge bewies, von welchem Einflüsse unsere Lehrsäle waren auf die theologische Bildung vieler inu. ausländischer Rabbinen. Um dieses alten Namens willen fällt es uns schwer, wenn wir über Prag referiren, das viele Rennens- und Rühmenswerthe, das wir früher gewissenhaft ansgezählt haben, für viel, für genug zu halten! Wir kommen auf diesen alten Ruf Prags, der schon lange zum ויהי geworden auch heute wieder zurück, weil noch heute dieser Name seine magnetische Kraft auf viele strebsame und beflissene Jünglinge übt, sie pilgern zur ״Mutter in Jsr.," wo man früher seinen Wissensdurst stillen konnte ״nicht um Geld und nicht »m Preis" sie kommen her mit junger Sehnsucht und mit alten Erinnerungen; u. sie haben da Gelegenheit auf dem Schutte der Vergangenheit die bittere Thräne der Enttäuschung zu weinen, wenn sie es nicht vorziehcn, melancholisch zu lächeln über den komischen Ersatz, den ihnen die Gegenwart für die geringe Kost der Vergangenheit bieten will. Wie doch die Zeichen der Zeit wechseln , und wie spricht sich doch in diesem Wechsel eine gewisse Stetigkeit, eine gewisse Gesetzmäßigkeit aus! Als der Tempel zu Jerusalem zerstört wurde, da blieben, nach einem rabbinischen Aussprüche nur mehr die vier Ellen der Halacha; seit bei nnS die Lehrstnbe der Halacha verödet steht drängt sich die Tempel und Syuagogenfrage in den Vordergrund!.. . und da hätwir denn die Antwort auf unsere frühere Frage: WaS haben wir im Schoße unserer Gemeinde? Wir haben da eine erkleckliche Anzahl größerer und kleinerer Gemeinden. Ich glaube Heine ist cS der van einer deutschen Stadt sagt: cs sind Häuser die zusamuleiigckommen, um Stadt zu spielen, bei uns find es heutzutage einige Synagogen, die zusammcngekomme» sind, das alte Prag zu spielen! Waö bildet daS Tagesgespräch? Neubau, Umbau, Kantor und Prediger! Wenn Sie zwei ernste, offiziöse Mienen auf der Strasse treffen, wohin eilen die Herren? Was haben sie vor?... sie tragen die Zukunft ihrer Synagoge, sie tragen die Aktien in ihrer Tasche, die um jeden Preis an den Man» gebracht werden müssen! und antworten Sie diesen Herren zufällig: ״Aber ich habe ja schon meinen Sitz in einer andern Synagoge." Der kommissiionellc heilige Eifer erwiedert Ihnen: ״Eine anderc Synagoge ist noch immer nicht die Synagoge aller Synagogen. Die ist erst im Werden n. d. creatorischc ״fiat" liegt Ihnen in Gestalt dieser Aktie vor!" So haben wir die schöne Aussicht, in unserer Mitte bald von einer alleinseligmachenden Synagoge sprechen und vielleicht auch predigen zu hören, zu welchen Mitteln greift nicht die Konkurenz! Man möchte vielleicht einen derartigen Zustand in einer Gemeinde ernen günstigen nennen; man möchte vielleicht sagen, auf diesem Wege steht der freien Entwickelung kein Hinderniß entgegen: Wir glauben das nicht.; wir glauben vielmehr es kann für den wahren knltuellen Fortschritt nichts Hemmenderes und HinderndereS geben, als eben diese totale Zersplitterung der Kräfte. Man ist eben jetzt daran, in der neuzuschaffcnden Gemeindeordnung für Böhmen, diesen Zustand der Decomposition, den wir immer gerne nur als einen tranfitären, als einen provisorischen dachten, in Permanenz zu erklären, ihn als Norm zu sanktioniren und eS ist wohl an der Zeit ein Wort darüber zu sprechen: Gut und löblich ist es wenn die kleineren Landgemeinden von der oft lästigen Bevormundung der größeren Gemeinden befreit werden; Wir wollen das hier nicht näher auseinander setzen, weil es weniger zu unserer Sache gehört; sollte es sich aber nicht der Mühe lohne» zu untersuchen: ob nicht in einer Zersetzung und Zerstückelung der Kultusgemeinde Prag in viele kleine Parzellen, in viele Miniaturgemeinden, in beliebig viele Minjanim, jedem bedeutenderen und umfangreicheren Streben der Faden abgeschnitten, die Zukunft genommen wird? Wenn in irgend einer Gemeinde, so ist gewiß in Prag der religiöse Zustand ein derartiger, daß er ein allgemeines Zusammenwirken in hohem Grade begünstiget: die Modernen haben Religiosität genug, außer den Mißbräuchen beim Gottesdienste nichts abgeschafft, außer dem geregelten Choralgesange und der gesunden, genießbaren Predigt nichts Neues in der Synagoge eingeführt wissen zu wollen, und die Orthodoren zum überwiegenden Theile, haben Jntellignnz und Anstaudsgesühl genug, diesem zeitgemäßen Streben ihren Beifall nicht zu versagen; es nimmt also im Ganzen unsere Gemeinde einen Stand- Punkt ein, von welchem aus ein allgemeines allseitig eingreifendes Schaffen nicht nnr möglich, sondern auch leicht wäre; bei dieser materiellen Zerfahrenheit aber, die nichts bedeutenderes zu Stande kommen lässt, gewinnt diese allgemeine Uebereinstimmnng auf ein Haar das Ansehen einer allgemeinen thatlosen Indifferenz, einer allseitigen trägen Gleichgiltigkeit die nur den Zustand begünstiget und fördert, der sie am Wenigsten aus ihrer Schläfrigkeit rüttelt: Waö bei einem solchen Zustande zu Tage gefördert wird, es geht nur von einem Theile aus