Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 33 (15.8.1862)
- Date
- 1862-08-15
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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282 merei mit dem Tode bestraft werden solle!*) Auch die ״verführte Stadt" wird als niemals vorgekommen bezeichnet. Um so merkwürdiger ist die Aussage R. Jonathan'S, welcher für die wirklich statt gehabte AuSsührung beider Gesetze in die Schranken tritt. Für die ftattgcfnndene Realistrnng des Gesetzes über den Schaden an den Häusern hatten ältere Autoritäten ihr Zengniß abgelegt. (Sanh. 71, a.) Wenn nun das Scder Thannaim den R. Jonathan als סוף מעשה bezeichnet, so spricht cs ohne Zweifel v. d. thalmud. R. Jonathan, ohne sich an die chronolog. Ordnung zu halten. Es kann dies nicht attffalleu, indem zuvörderst die im Thalmud selbst aufgestellte Periodisirung angeführt wird, woran sich das verwandtere סוף סברא anschließt. Die Notiz wurde bisher nicht verstanden. David Sorinaldo thut auf dem rechten Wege den ersten Schritt, aber — auch nur den ersten (Schein Ha-Gcd. cd. Wilna 2, 53, a, Anm. 4)! Dr. Grätz Erklärung ist ganz ans der Luft gegriffen. (Gcsch. 5, 426 ff.) Der vernieintliche Nachseburäer R Jonathan hat niemals 151. N. Semina. Gelegentlich erwähnen wir hier auch eines angeblichen R. Semina o. Sebina, d. ebenfalls nicht eristirt hat. Der Erfinder desselben ist Dr. Sachs in Berlin, welcher in seinen Beiträgen 1, 94. nach der jernsalcmischcn Gemara berichtet: ״Auch R. Jona war auf dem Wahlzettel, um zum Amte eines זקן gewählt zu werden, nahm aber die Stelle nicht an, weil er sagte, erst müsse R. Sebi na gewählt sein." Warum Hr. Dr. Sachs ״Sebina" schreibt, während er in dem gemarischen Terte דמינה liest, vermögen wir nicht.zu erklären. In der Wirklichkeit hat R. Sebina nicht eristirt, und er verdankt feine Existenz einem Druckfehler, den Dr. Sachs nicht wahrnahm! Die Stelle im Jcr. Bikk. 3, 3. lautet אוף ר׳ יונה הוה בסתקא ולא קבל עלין מתמני/ אמר עד זמן דמתמני ר׳ ומינה ה i.: ״Auch Ol. Jona sollte vrdinirt werden, er nahm aber die Ordination nicht an. Er sagte: Zuerst muß mein Lehrer ordinirt sein! Und man ordinirte seinen Lehrer." In dem vorlezten Worte des zitirten Jeruschalmi steht in der mir allein zugänglichcn Amst. Auög. ומינה statt ומינה! Hr. Dr. Sachs hielt das V6rbum für ein nomen proprium, ohne zn bemerken, daß das zweite ה gegen dieses qui pro quo feierlich protestire, u. daß Semina als eigner Name wol schwerlich mit ה geendet hätte, wie denn einige Zeilen früher ומינא steht. Das Wort פתקא möchten wir nicht mit Dr. Sachs für mxxcttuov, sondern viel einfacher nxvxh halten. Die zu Ordinirenden wur« den in ein Buch eingetragen. (Kethub 112, a.) Aus Cyrill. Procatech. §. 1. erhellt, daß die Kirchenbücher dinxvx« hießen. R. Jona's Name nahm daselbst schon einen Platz ein, allein der Kandidirte weigerte sich, die Ehre anzunehmen, solange sein Lehrer 9t. Sera nicht ordinirt war. Die herkömmliche Auffaffung läßt nun R. Jona von N. Sera ordinirt werden. Aber abgesehen davon, daß der Wortlaut diese Auffaffung durchaus nicht begünstiget, steht es fest, daß zu jener Zeit die Ordination ohne Zustimmung des Naßi nicht vollzogen werden konnte (j. Sanh. 1,1), so daß R. Sera zur Ertheilung derselben nicht berechtiget war. Daher erklären wir: ומינה ה und man ordinirte seinen Lehrer, d. i. den R. Sera, über dessen Ordination sich auch eine Notiz erhalten hat (Kethub. 17, a. Sanh. 14, a.) Er wurde nämlich mit einem- Liede begrüßt, das man sonst an liebenswürdige Bräute zu richten ') Jehuda Hedessi polemisirt heftig gegen die thalmudische Anschauung (Eschkol 96, a). Der Sohar läßt Mosen gegen das Gesetz Vorstellungen mache». (III. 197, b.) pflegte, die den Gebrauch kosmischer Mittel leicht verschmähen können, da fie derselben nicht bedürfen. Lesern, welche die Jernschalmistelle nachschiagcn, bemerken wir: Statt כר מסקוס i. z. l. ברמסקוס in Damaskus. Statt: עיגיל מיבלי i. z. l.: עוני למיכלי Kuchen zn essen. NebrigcnS werden sich d. Red. jüd. Bl. hoffentltch bewogen fühlen, die beiden vorliegenden. auf d. thalm. Sprachst u. AlterthmSk. bezüglichen Artikel ihren Lesern mindestens im Auszuge mitzutheilen, damit dieselben orientirt seien, falls sich ihnen ein Nachkomme de« Grätzischcn HalbsaboräerS R. Jonathan präscntirt, oder Jemand d. Filakterien des Sächsischen R. Sebina zeigt. Korrespondenz. Ausland. Paris, 8. Aug. Nach Prost Liebreich in Verlitt kommen auf 10,000 Protestanten 6, aus 10,000 Katholiken 3, auf 10,000 Inden 27 Taubstumme. Liebreich gelangte zur Wahrnehmung dieses VerhältnisseS durch seine Beobachtungen in Berlin. Dr. Boitdin, PrimariuS am militärischen Spital zu VincenneS, behauptet, die Ursache dieses höchst auffallenden Verhältnisses entdeckt zu haben. Er weist nämlich durch Ziffern nach, daß die Gefahr der Geburt eines taubstummen Kindes mit dem Verwandtschaftsgrade d. Eltern steigt. Denkt man sich nämlich die Gefahr als eine Einheit, so steigt sic bis 18, wenn die Eltern Geschwisterkinder sind, bis 37 in den Ehen zwischen Oheimen und Nichten. bis 70 in d. Ehen zw. Tanten und ihren Neffen. In d. kais. Taubst.-Jnstitut hat B. zwei Prozent jüd. Zöglinge gefunden, eine Ziffer, welche die PopulationSverhältnisse bei weitem übersteigt. Die ArchivcS Jsracliteö, welchen ich diese Notizen entnehme, fordern die jüd. Acrzte ans, ihre hierauf bezügl. Beobachtungen mitzuthcilcn. Die ärztlichen Freunde B. Ch.'s sollten ein Gleiches thun. Der verdienstvolle Direktor des isr. Taubst. Inst, in Wien sollte von nun an aus die Verwandschaft der Eltern seiner Zöglinge sein besondereö Augenmerk richten. — Den Arch. entnehme ich auch die Notiz, daß B. James v. Rothschild dem Spitale 10,000 fr., die Baronesse Sal. v. Rotschild ebenfalls 10,000 sr. und außerdem 700 sr. jährlich für Wöchnerinnen gespendet hat. B. Sal. v. Rothschild hat mit 6000 fr. ein Bett im Weisenhanse fundirt. Inland. /X Preßburg, 10. Aug. Die Zeit der Wunder kehrt wieder Wunderbar ist schon der hier immer mehr reifende Entschluß, der hiefigen Jeschiba einen Professor der weltl. Wissenschaften zu verschaffen, u. d. Testament des sel. Rabb. Moses über Bord zu werfen. Noch wunderbarer ist die Kritik der tonangebenden Herren in Wien, welche nicht wenig Lust zeigen, dem sel. Rabb. gar progressive Tendenzen anzudichten! Es ist sehr natürlich, daß bei religiösen Streitigkeiten jede Parthei behauptet, sie sei in Uebereinstimmung mit der Bergangenheit. Die reformistische jüd. Schule thut dies eben so gut, als es ihre orthodore Gegnerin thut; nur daß sich leztere ans das Gestern, erstere auf das Vorgestern beruft. So weit ist Alles normal. Wenn aber die Reformisten das Vorgestern so tief herabrücken, daß sie,— wenn auch nur in Bezug aus einzelne Fragen, — R. Moseö Soser zu ihren Bundesgenossen machen, so machen fie sich durch diese Armseligkeit nur lächerlich l — Wahr ist es nun allerdings, daß unser sel. Rabbiner in einem kurzen Schreiben an den Wiener Rabbiner die Meziza mit dem Munde für entbehrlich erklärte (1837). Gö war dies aber eben nur eine Akkomodation den Wienern gegenüber; die W. Vertreter hatten nämlich die Abstellung der Meziza mit dem Munde schon früher beschlossen. Die hiesigen Beschneider ließ R. Mose nach wie