Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 33 (15.8.1862)
- Date
- 1862-08-15
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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281 ihm die deutsche Büchersprache nichts weniger als geläufig war. Ein Auszug auö dem Nachworte möge hier noch einen Platz finden. Nachdem der Vrf. seinen im Drucke erschienenen Pentateuch mit dem Commentar 82ר התורה erwähnt und seine Lehrmethode angegeben hat, nach welcher zuerst der Pentateuch, die darin enthaltenen Gesetze und hebr. Grammatik nach dem vorl. Büchlein, nachher aber die Mischna mit dem Bertinoro gelehrt werden soll um dann einen schnellen Fortschritt im Talmud zu erzielen, fährt er fort: ״Ich habe darum den Schluß meines Buches deutsch geschrieben, damit kein Vater und keine Mutter den Lehrer übertreiben solle, viel zu lernen.... Denn wenn man mit einen! Kinde gründlich soll lernen, muß man ihm bei jeglichem Worte sagen, das ist die Thätigkeit (פעולה), und das ist die Thätigkeit. Und wenn man ihm schon gesagt hat: wenn vor dem Worte ein ת und nach dem Worte ein Molnpum steht, übersetzt man ״ihr," wie תשמעו ihr werdet vernehmenund gleich hernach steht תאכלו, תאמרו תזכרו muß man ihm allemal wieder sagen, und so bei allen Thätigkeiten. Darum muß ein Hausvater von einem Lehrer nicht mehr begehren, nur gar wenig und gründlich. Es ist kein Zweifel, daß wenn das Kind in allen Thätigfetten geübt ist, die Kenntniß von selbst kommen wird, wie eine Quelle. Was soll aber ein Lehrer nebich thnn, wenn ihn seine Baale batim übertreiben? Es ist sein Brod und er will gerne eines jeden Willen thnn.... Darum soll jeder Vater, der sein Kind zu einem Lehrer giebt, sagen demselben: Ich bin מצא vor Gott und gebe mein Kind zu dir; du mußt יוצא sein vor Gott und mußt mit ihm lernen, was zu seinem Besten ist nach seinem Verstände. Und ein jeder Lehrer ist doch ממצדיקי הרבים; er muß daher alle Zeit sein Augenmerk haben auf den Kindern, als wenn es ממש seine eigenen Kinder wären. Er muß sie allezeit in der Ehrerbietung erhalten und doch muß eS der עיקר sein, sie mit guten und weichen Reden zu fleißigen! Wiederholen anzuhalten. Ueberall, wo es nur einen Anhang hat an einen פסוק, muß er ihnen sagen, daß sie gottesfürchtig und züchtig sein sollen, damit durch seine gottessürchtige Reden wahrhaftige רעות und gute מרות und reine Gedanken in ihrem Herzen wurzeln sollen.... Denn das Herz der Kinder ist rein von Sünd', und Alles, was man ihnen sagt, ist gleich als ob man es mit feiner schwarzer Tinte auf reines, weißes Papier geschrieden hätte. ES bleibt in ihren! Herzen sitzen. Denn wenn das Kind auch in seiner Jugend den מעשי נערות nachgeht, so erinnert es sich doch, wenn es zu Verstand kommt, was ihm sein רבי gesagt hat; es wird gut und fromm, und weiht gewisse Stunden dem Thorastudium so lange eS lebt. Darum soll jeder Vater und jede Mutter ihre Kinder in der Ehrerbietung halten in ihren Häusern, dann wird sie der Lehrer zu allem Guten erziehen können. Denn die Kinder müssen in der Jugend gezogen werden, daß sie ewig also bleiben sollen j da werden sie זוכה sein, daß sie ihre Kinder bringen werden (-היי העולם הבא בגן ערץ." Wahrlich, sehr gute pädagogische Regeln und Grundsätze, die noch jetzt vielen Eltern und Lehrern empfohlen zu werden verdienen! — Es ist mir unbekannt, ob noch ähnliche Bücher in jüd. deutscher Mundart vorhanden seien. Es wäre sehr interessant, von Sachkennern ein Weiteres darüber zu erfahren.') Anmerkungen. ') Jede hierauf bezügliche Mittheilung soll uns höchst willkom - men sein. Vielleicht ist auch einer unserer geehrten Mitarbeiter in der -Lage, über den frommen und verständigen Gedalja Nähere» mitzuheilen. Jüd. deutsche Stellen bitten wir in deutsche Schrift zu trän»- kribiren- Red. Mtäge zur '׳ " Sptadjforfdjung unÄ MctUjumsfumk. Vom Herausgeber. 150..מעשה Die Mischna bezeichnet Chaßidäer und אנשי מעשה als hervorragend Fromme (Sukka 5, 4). Krochmal versteht unter letzteren Freunde der esoterischen Rcligionslehre, welche nicht, wie die alten Chaßidäer, ganz der Kontemplation lebten, sondern auch der Prari» des Lebens Rechnung trugen (More 144. ״B. Chan." 2, 2). Bei einem tiefern Blicke in die Quellen erscheint jedoch diese Unterscheidung unhaltbar. R. Chanina b. Doßa wird nämlich als der letzte der 'א מעשה bezeichnet (<30ta 9, 15); nun wird aber R. Chan, vorzüglich als hervorragender Wunderthäter gepriesen (Ber. 34, b. Pas. 112, b. Taan. 25, a. B. Mez. 106, a.), so daß unter D א׳ nicht Praktiker, sondern Wunderthäter zu verstehen sind, deren es unter den Affenern gegen das Ende der zweiten Tempelperiode nicht wenige gab. Jnr Gegensätze zu dem bloßen Eskamoteur wird auch der Magier עושה מעשה'(facitm8 0pu8) genannt (Sanh. 7, 11). In der Folge wurde der Begriff von מעשה, welches auch Geschichte überhaupt bedeutet, auf Erzählungen merkwürdiger Geschehnisse ausgedehnt, und in diesein Sinne wird in dem ״Seder Thannaim wa-Amoraim" R. Jonathan als der lezte Erzähler solcher Geschehnisse (0וף מעשה) bezeichnet. Cs treten nämlich im Thalmud einzelne Lehrer mit ihrem Zeugnisse hervor, um wunderbare, bezweifelte, unglaubliche Erzähtungen durch ihr Wort zu erhärten. Polemo versichert, das Haus gesehen zu haben, an welchem die Balken des Dachstuhls auf das Gebet R. Chanina'S sich ansdehnten (Taan. a. a. O.). Pinchas b. Aruba, ein sonst Unbekannter, will in Rom die monströse Mücke gesehen haben, von welcher TituS so sehr soll gequält worden sein (Gittin 56, b.), was schon Asariah de Rosst in'S Reich der Dichtung verweist (M. E. 126, b.) R. Jehnda b. Bathyra leitet seine Abkunft von einem Ahnheren ab, der nach seinem Tode mit vielen Genossen von dem Profeten Ezechiel zu einem neuen Leben anferweckt wurde. R. Jeh. zeigte sogar d. Phhlakterien vor, welche einer derselben trug (Sanh. 92, b.) Die Reihe dieser Erzähler beschließt nun R. Jonathan. Dieser versichert nämlich, er sei ans dem Grabe eines Hingerichteten gesessen, der wegen seines Ungehorsams gegen seine Aeltern die Todesstrafe erlitten hatte (5 M. 21, 16—21), wie nicht minder auf dem Schutte einer Stadt, die in Folge ihres Abfalles zum Götzendienste niedergebrannt worden war (5 M. 13, 13—18). Gefeierte Schriftgelehrte des 2. Jahrhunderts fanden diese Gesetze viel zu strenge. R. Jehnda b. Jlai, dessen Gregese mehr den Buchstaben huldiget, legt die Bestimmung des Gesetzes über den ungehorsamen Sohn so aus, daß deren Ausführung geradezu unmöglich wird. R. Simon b. Jochai, der auch sonst mehr den Geist als dem Buchstaben des Gesetzes in'S Auge faßt, erklärt geradezu, das Gesetz sei gar nicht für die Praris gegeben worden, indem es nicht denkbar sei, daß die Schlem- 44554