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Ben Chananja · 1862-08-15 · 33 (15.8.1862) · p. Seite 279

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
33 (15.8.1862)
Date
1862-08-15
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 streuet über den Werth der Einsamkeit und über daS Vergnügen, welches der Weise in seiner Abgezogenheit von der Welt genießt. Wir haben auf mehrereS Hiehergehörige bereits aufmerksam gemacht?') Diese Einsamkeit, ist weder die des Klosters, noch die einer Höhle, von der in alten Schriften zuweilen auch im Talmud oft erzählt wird. ES ist das Zurücktreten in sich selbst, ohne Rücksicht zu nehmen ans das Getreide der Welt. Gewisse Theile der Literatur — welche mit derselben in Verbindung stehen — gehören auch zur selben Klasse. Weise kann man auch auf seinem Zimmer sein, wenn man nichts besseres zu thun hat. Ob die Weisheit — wie einige behaupten wollten — zu den Lurusartikeln gehört, oder nicht, darüber darf und muß jeder Leser fein eignes Urtheil als maßgebend betrachten. Die Weisheit enthält auch Klugheit in sich, aber nicht umgekehrt. Menschliche Weisheit hat sich oft vor der menschlichen Klugheit geflüchtet. Die Klugheit macht hellsichtig, was in vielen Beziehungen sehr nützlich ist. Sie läßt aber zuweilen zu viel sehen; was nicht ohne schädlichen Einfluß ist. ES ist die Täuschung, welche das menschliche Herz so glücklich macht. Klugheit raubt die Täuschung. Die Weisheit zog daher das Dunkle vor. In dieser Dunkelheit kann sie dennoch alles sehen, was sie zu sehen für gut findet. Mit andern Worten ausgedrückt — welche dem Leser vielleicht geläufiger find — sie hat sich mit Willen in die Mystik geflüchtet. Das Wort Mystik hat für manche Leser einen Beigeschmack, welcher dasselbe ungenießbar macht. Es ist in den meisten Menschen übrigens mehr Mystik als sie selbst ahnen. Es ist die Mystik, welche den Gefühlen einen weilern Spielraum gewährt, und die Gefühle sind es doch, welche vielleicht den größten und besten Theil des hohem Lebens ausmachen. (Vergl. auch weiter unten.) Auch die Mystik hat die äußere Sprache der Natur zu ihren Zwecken gebraucht. Auch sie muß Träger für simbolische Anschauungen, welche ihr eigenthümlich sind, in ihrem Dienste haben. Es sind die mystischen Gespräche der Vögel, welche sich jetzt darstellen, für einen Augenblick die Aufmerksamkeit des Lesers in Anspruch zu nehmen. Zwischen der a eso Pi scheu Fabel im eigentlichen Sinne des Wortes und den höheren Apologen, dazu die mystischen Gespräche der Vögel gehören, stehet das Jgereth Baale Chajim in der Mitte. Wenn dieses Werk unter den Juden nicht viel bekannt ist, so rührt es bloß davon her, weil es wirklich höchst interessant ist. Die mystischen Gespräche der Vögel, welche den Schmuck der orientalischen Poesie bilden, gehören der sufischen Philosophie an, welche einen Theil der hö- Hern orientalischen Cultur ausmacht. Wir können hier nur auf eine sehr interessante Abhandlung von Ga rein de Tassy '0) verweisen. Der Glaube und der Zweifel sind beide, trotz ihrer Verschiedenheit, Kinder des Lichts; d. erste weiß nicht immer früh genug an zu fangen, und der letztere weiß oft nicht früh genug aufzuhören. Glaube und Zweifel sind die Gränzpunkte begabter Persönlichkeiten. Es ist ein großes Blatt der geheimen Geschichte des menschlichen Herzens. Es stämpelt auch Nationen und Zeitalter. Hypocriten schwelgen an den Tafeln beider, die Tafel muß für die Verachtttng entschädigen. Im Sufismus ist Glaube und Zweifel verschwunden. Es ist hier eine neue Ordnung der Dinge. Man darf sich nicht darüber wundern, da doch der ganze Mensch in Sufismus verschwunden ist. Die Dämonen, über deren Wesen jetzt nicht der Ort zu sprechen ist, sind bei den Arabern und im Orient im Besitze von großer Weisheit gedacht. Und die arabische Sage läßt Salomo mit dem König der Dämonen in freundlicher Beziehung stehen, und Dämonen theilen gute Sprüche mit.") Der König der Dämonen — im Jgereth baale Chaim— und der S imurg—in den mystischen Vögelgesprächen — sind beide imaginaire Wesen, sie sind in der Welt des Wechsels und des Handelns das, was daö Theater in Hamlet ist. Der König der Dämonen ist als unpartheiischer Richter vorausgesetzt. Der Simurg ist als die Idee des höchsten Wesen symbolisirt. Im Jgereth baale Chaim wird —so zu sagen — ein Prozeß verhandelt. Die Thiere und die Menschen streiten über ihren Vorzug. Es mußte ein unpartheischer Richter gesucht werden, der weder zur einen noch zur andern Klasse von Geschöpfen gehört. Der König der Dämoneu wurde als passender Schiedensrichter befunden. Die Thiere beklagen sich, daß die Menschen sie schlecht behandein u. s. f. Im Laufe dieses Prozesses, welcher sich weit ansspinut, weil so viele gehört werden müssen, um den Thatbestand zu begründen, kommen allerlei interessante Gedanken zur Sprache. Es hat die Ausführung dieser Gedanken an sich nicht denjenigen Grad von Einheit, den die aesopischen Fabeln und die mystischen Gespräche haben. Die mystischen Gespräche der Vögel sind freundliche Unterhaltungen der Vögel untereinander, keine Prozesse. Auf daö Anrathen eines weisen Vogels, sind sie

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