Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 32 (8.8.1862)
- Date
- 1862-08-08
- Page
- Seite 275 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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275 wurde (10. Juni 1790). Die jüd. Repräsentanz der ersten Epoche hat sich der dankbaren Anerkennung der jüdischen Nachwelt würdig gemacht. An die Privilegien Bela'S IV. muß natürlich der Maßstab des Mittelalters gelegt werden, und an diesem Maßstabe erscheinen sie wirklich in dem günstigen Lichte, in welchem sie von Ladislaus Szalay, der in die kirchliche Beschaffenheit des mittelalterlichen IndendruckeS tiefere Blicke gethan hat, als die meisten deutsche Beschichtschreiber, dargestellt werden. Je unbefangener man aber diese Privilcgien zu würdigen versteht, desto bereitwilliger wird man die Bemühnngen der jüdischer Männer anerkennen, die beflissen waren, der ung. Judenschaft die ihr zu Theil gewordenen Begünstigungen zu erhalten- Die Vertreter des ung. Jsrael'S, welche diese Mission im Laufe von 300 Jahren (1200—1500) erfüllten, verdieneten in Segen genannt zu werden, wenn ihre Namen bekannt wären. Bis eö der fortgesetzten Forschung gelingen wird, die übrigen Namen an'S Tageslicht zu ziehen, wird jeder einsichtige ungarische Jude die braven Vorsteher der Ofner Gemeinde, FarkaS, Niwl und Mayor mit dankbarer Pietat nennen. Kein Wort der Anerkennung hat aber die unpartheische Geschichte für die Repräsentanten der ungarischen Juden der zweiten Epoche (1749—1790), welche keinen Versuch machten, der von keinem Reichstage gntgeheißenen und daher ungesetzlichen Last der Toleranztare durch Vermittelung des Reichstages enthoben zu werden. Ts ist niederschlagcnd genug, zu ihrer Entschuldigung sagen zn müssen, daß sie sich auf ihrer Bildungsstufe, die allerdings mit den allgemeinen Kulturverhältnissen zusammenhing, zu einem solchem Versuche nicht zu erheben vermochten. Nannte ja ein gebildeter aber wohldienerischer Vorsteher der Pester Gemeinde am 4-ten März 1846 die Tol-Tare öffentlich eine durch den Usus geheiligte Steuer! — Eine neue Epoche, die dritte, begann für die ung.«jüd. Repräsentanz mit dem Jahre 1790, da die Repräsentanten nunmehr anfingen, sich mit der Erlangung einer günstigern bürgerlichen Stellung, leider aber auch mit der Aufrechterhaltung der Sinagogenzucht und der Freiheit vom Militärdienste zu beschäftigen! — Die Geschichte vertuscht nichts, und die Inden haben wirklich keine Ursache, sich hierüber zu beklagen. Die Ausschließung des Mittelalters hatte die Juden waffenscheu gemacht, und eS wahr sehr natürlich, daß sie sich gegen den Waffendienst sträubten. Die Aufhebung des Zwanges und der Strafe in rein religiösen Dingen war eine Reform, deren Berechtigung noch heutzutage von Vielen nicht anerkannt wird. Nafthali Rosenthal aus Moor war indeß schon 1790 einsichtsvoll genug, zur freiwilligen Nebernahme des Waffendienstes zu rathen, indem damals gegründete Hoffnung vorhanden war, daß der Reichstag den Juden gegen ihre freiwillige Nebernahme des Waffendienstes sehr bedeutende, für die damalige Zeit vollkommen befriedigende Konzessionen machen werde. Nafthali Rosenthal soll profezeit haden, daß eine Zeit kommen werde, wo man die Juden zum Waffendienste nöthigen werde, ohne ihnen eine Konzession dafür zu gewähren. Diese Profezeiung ging 1807 vollständig in Erfüllung. Bei diesem Reichstage petitionirten die ung. jüd. Repräsentanten um die bürgerliche Gleichstellung nach Klassen (Ben Chan. 4, 148)!! Ander Spitze der damaligen Repräsentanz stand der Vorstand der Preßbnrger Gemeinde, welche während des Zeitraumes von 60 Jahren — 1 März 1724 bis 28. November 1783, — wo der Sitz der k. Statt- Halterei in Preßburg war. in den Besitz d. Hegemonie d. ung. Judenschüft gelangt war. Seitdem wurde bei jedem Reichstage petitionirt, und es Pflegten auch ״Deputirte" des ung. Jsrael'S in Preßburg zu erscheinen, um die schriftliche Eingabe persönlich zu unterstützen. Von wem wurden diese Deputirten gewählt? Von den Toleranztar-Vorste- Hern während des Pester Marktes oder auch durch briefliche Ermächtigung. Die Gemeinden wurden in dieser Beziehung niemals befragt; Die öffentliche Meinung war aber mit den Gewählten zufrieden. Unter den ״Deputirten" herrschte stets ungestörte Einigkeit. Diese wurde aber gestört, als d. Pester Gemeinde, d. immer mehr aufblühte, ihrer Preßburger Schwester die Hegemonie streitig machte. Die Preßburg er sehnten sich zwar auch nach Begünstigungen in bürgerlicher Beziehung, aber nach der Assistenz der bürgerlichen Obrigkeit zur Bestrafung der Uebertreter von Zercmonialgesetzen sehnten sie sich nicht minder. Die Petition von 1807 verlangte von dem ungarischen Reichstage ganz im Ernste die Sanktion des Thalmuds! Am 11. Okt. 1825 übertrugen die Deputirten die Abfassung einer Petition einem Hofagenten. Zum Behnfe der Repartition d. Toleranztare wurden gewählt: Js. Breisach, Wolf Breisach. A. H. Lemberger, M. Stern, Wolf Brody, M. Engländer. Zu einem offenen Bruche zwischen den Preßburgern nnd Pestern kam es jedoch erst 1832, wo an der Sitze der Pester Gemeinde Gabriel Ullmann, an der der Preßburger der eben genannte Abrat)am Hirsch Lemberger stand. In Pest wurde vorgeschlagen, die Angelegenheiten der uug. Juden einem engern Komitö zu übertragen; gegen diesen Vorschlag richtete Lemberger an die Gemeinden ein sehr nachdrückliches Rundschreiben. Der Antagonismus zwischen Preßbürg und Pest dauerte fort, und machte sich noch im Jahre 1846 geltend, als zum Behnfe der Ablösung der Toleranztare eine Generalversammlung der Repräsentanten aller jüd. Gemeinden Ungarns und seiner Nebenländer in Pest abgehaltcn wurde. Bei dieser Versammlung warer 103 Personen gegenwärtig: aus 42 Komitaten 83 , aus 10 königlichen Freistädten 20 Repräsentanten. In Folge der bei dieser Versammlung gepflogenen Unterhandlung nnd der von den dazu bevollmächtigten Repräsentanten vollzogenen Ausfertigung der Schuldscheine erfloß unter dem 2. Juli 1846. folgender Erlaß des Kammerpräsiden - ten Graf SzöeSen: PraeS. Dem VerwaltungSkomitö der Jsra eliten Ungarns und seiner Nebenländer. Ueber die allerunterthänigste Bitte der hierländigen Israeliten wegen Aufhebung der ihnen obliegenden Toleranz-Taren haben Se. Majestät, in Beachtung der obwaltenden Rücksichten, sich in Gnaden bewogen gefunden der Juden-Toleranz- Tare in Ungarn, mit königl. Reskripte vom 24. Juni l. I.Z. 5,8®/P. P. für die Zukunft glänzlich aufzulaffen. Gleichwie diese allerhöchste Willensmeinung der gesammten mit der Einhebuug der gedachten Taren beauftragten Behörden nnd Aemter unter Einem zur Darnachachtung bedeutet wird, ebenso findet man hievon auch das VerwaltungS-Comi t6 im Nachhange des Erlasses vom 27. v. M. Z *"/P. Cass. zur erfreulichen Nachricht und gehörigen Verständigung der hierländigen Israeliten-Gemeinden in Kenntniß zu setzen." Am 29. August 1846 wurde in allen Synagogen Ungarns und seiner Nebenländer die Aufhebung der Toleranztare gefeiert. Auf Veranlaffung dieser Versammlung schrieb Schwab seine trefflichen ״Erinnerungen an den erhaltenen Religionsunterricht. Eine Mitgabe fürs Leben au die aus Schule tretende israelitische Jugend." Die dankbare Benützung derselben wird in künftigen besseren Tagen wol noch erfolgen. Die Versammlung vom I. 1846, welche am 4. März bcgann. und am 14. März beschlossen wurde, war seit 1790 die erste Versammlung, bei welcher die gesummte Judenschaft des Königreichs Ungarn und seiner Nebenländer vertreten war. Der Ausruf des Pester Vorstandes v. 15. Sept. 1839. zu einer Versammlung wegen Regnlirung d. Schulwesens n. Förderung v. Handw. war erfolglos geblieben. Seit 1846 wollte es nicht gelingen, eine ähnliche Generälversamml. zu Stande zu bringen. Die Bersammlung im Sommer d. I. 1848 mußte durch die politischen Verhältnisse mangelhaft ausfallen. Seitdem wurde 1861 wieder der erste Versuch gemacht, eine Repräseutanz der uug. Inden znsammenzurufen; leider