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Ben Chananja · 1862-08-08 · 32 (8.8.1862) · p. Seite 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
32 (8.8.1862)
Date
1862-08-08
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
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272 aus Prag unD andere große Gelehrte Israels reden auch über diese schlechte Unterrichtswelse der Jugend. Diese ist dem thörichten und albernen Menschen zu vergleichen, welcher über den weisen Baumeister, der seinem Bau ein tiefes Fundament giebt, spottet, solches für überflüssig hält, und daher die Mauern auf dem ebenen Boden aufrichtet, wodurch der Bau noch vor seiner Vollendung einstürzt. Daher haben denn auch die Weisen der früheren Zeiten den Unterricht nach Alter mld Verstand der Jugend angeordnet, ähnlich wie Gott auch deren körperliche Nahrung bestimmt hat, indem ja das Kind zuerst nur die Muttermilch und stufenweise erst andere Nahrung verdauen kann. Bis zu dem 10. Lebensjahre soll daher, nach der Mischna Aboth, das Kind mit der heil. Schrift beschäftigt werden, die ihm i.i d. Jugend eingeprägt, ihm auch stets inne bleiben wird, zumal wenn es dieselbe gründlich nach den Regcln der heil. Sprache erlernt, weil dieser Unterrichtsgegcnstand ganz diesem Alter gemäß ist." — Er führt nun folgende, merkwürdige Aeußerung des R. Löwe aus Prag u. deS R. JesajaS Horwitz u. anderer Rabbinen an: ״Ich sah viele Menschen, die da Söhne von großer Begabung hatten, so daß solche fähig waren, die ganze Thora in sich aufzunehmen. Aber weil die Väter von der Unterrichtsweise der früheren abwichen, haben sie die Anlagen ihrer Söhne zu Grunde gerichtet, so daß sie anderen Uuwissenden gleich wurden. Beim Gott der Heerschaaren! man sollte ob solchen Verfahrens die Kleider zerreißen, wie beim Anblicke des Verbrennens einer Thorarolle oder eines Sterbefalles, weil hier noch mehr die Thara zerstört wird!!" In dem ersten Werkchen beabsichtigt der Verfasser ein kurzes Neligionsbuch für die Jugend zu geben. Er hat selbes nach Chaggis und MaimonideS angeordnet, nur das, waö für die Jugend zu weitläufig und daher überflüssig ist, ausgelassen; dagegen bei den meisten Geboten einige Worte, die für bie Jugend nützlich sind, hinzugefügt: ״Die beste UnterrichtSweise ist, daß die Jugend vor Allem die ganze heilige Schrift in ihrer natürlichen Auffassung und mir den Regeln der Sprache lernt, damit sie die Beschaffenheit der heil. Sprache recht und gründlich verstehe. AuS diesem Büchlein aber soll sie die Vorschriften erlernen und zwar wörtlich aus demselben, wodurch sie an die Raschischrift gewohnt wird und dann selbstständig diesen Commentar verstehen lernt, denn so wenig das Lernen der Gemara für den noch zu jungen Knaben von Nutzen ist, ebenso wenig nützt daS Raschi lernen (jede Woche einen Abschnitt), bevor er selbstständig Raschi versteht. Nach den Wochenabschuitteu werden die iu jedem derselben vorkommenden Gebote und Verbote aufgezählt und in 7 Lektionen, für jeden Wochentag eingetheilt; bei den meisten sind eingeklammerte in Raschischrift geschriebene bündige Erkiärnugen hinzugefügl. Diese sind theilS rabbinische, theilS eigene, sehr vernünftige Auffassungen; von letzteren folgende Beispiele. Zu dem Verbote ״du sollst nicht stehlen" fügt der Vrf. hinzu: ״Auch den Nichtjuden darf man nicht bestehlen, berauben oder hintergehen und selbst die Sektirer und Angeber darf der Israelit nicht um ihr Vermögen bringen." —Zu dem Verb, ״du sollst dich nicht rächen" bemerkt er: ״Der Mensch ist verpflichtet zu glauben und auszusprechen, daß alles, was ihm widerfährt, eS sei gut oder böse, von Gott kömmt; er habe sich letzteres durch seine Sünden zugezogen. Hierdurch wird er mit jedem Menschen in Frieden leben und Gott ihm Segen und Frieden verleihen." Zu dem Geb. ״die Gelehrten zu ehren:" ״Aber auch einen Alten, der zwar unwissend, aber gottesfürchtig ist uud ein Verehrer der Gelehrten, ist Pflicht zu ehren, so wie umgekehrt ein nicht gottesfürchtiger Gelehrter von der Verehrung ausgeschlossen sein soll." Als Einleitung zum 5. B. Moses giebt er zur Beseitigung des Einwandeö, daß dieses Buch die bloße Wiederholung der srü- Heren Bücher sei und dennoch nicht weniger als 200 von den 613 Vorschriften, die in den früheren Büchern nicht Vorkommen, enthalte, folgende Erklärung: ״Es unterliegt keinen Zweifel, daß alle 613 Vorschriften dem Moschet) entweder auf dem Berge Sinai oder in der StiftShütte im ersten Jahre offenbart wurden, die er gewiß auch Israel mitgetheilt hat, so daß in dem Buche Mischne Thora nur die Worte des Bundes neu sind. Du sollst dich aber nicht darüber wundern, daß viele Vorschriften in diesem Buche Vorkommen, deren in den früheren Büchern keine Erwähnung geschieht, da unsere Weisen ja den Grundsatz aufstellen: Die Thora ist nicht nach zeitlicher Reihenfolge abgefaßt. Der Grund hievon ist: Da die Thora alle Weisheit in sich enthält, so mußen vielleicht alle ihre Abschnitte und Buchstaben an eben d e r Stelle , wo sie sich wirklich befinden, angebracht sein, nach dem weisen Plane Gottes, des Herrn der Weisheit, der sie also angeordnet hat." Sollte man auch dieser Erklärung nicht bestimmen können, so ersehen wir doch hieraus das Streben deS Vrf., dem Schüler die Schwierigkeiten nicht zu verschweigen und selbe auf vernünftige Weise zu lösen. — Zu dem Amalekgebote bemerkt der Vrf.: ״Wir sollen diese große Frechheit des Amalek deßhalb nicht vergessen, da alle Völker zitterten und bebten vor der Nachricht, die sie gehört hatten, was Gott unS gethan. Er war auch der erste Hund, der unS angebellt hat." (Wahrscheinlich anspielend, daß in Mizrajim nicht einmal ein Hund seine Zunge gespitzt hat.) Während Hr. Dr. Jellinek in der Einleitung seiner Red über diese Stelle (s. das 1. Heft seiner Predigten) eingesteht, daß er diese Stelle nie verstanden habe u. ihmerst d. neuesten Ereignisse das Verständniß derselben möglich machten, giebt unser Vrf. schon vor 100 Jahren eine vollkommen richtige Erklärnng derselben. Endlich zum letzten Gebote (־כתוב כל איש מישראל □סר תורה giebt er nach Ascheri folgende Lehre: ״In nuferer Zeit aber ist auch iu dieser Vorschrift mit inbegriffen, Bücher zu kaufen nach Vermögen, um aus denselben zu lernen, den Willen Gottes zu thun und ihm zu dienen mit ganzem Herzen; denn dieses ist der Zweck unseres Daseins. Derjenige, der Bücher besitzt, ist verpflichtet, solche Andern, die sie nicht kaufen können, zu lei- Heu, denn so lehren unsere Weisen: ״Heil dem, der Wohlthaten ausübt zu jeder Zeit," das ist der, welcher Bücher kauft und sie Anderen leiht, um in ihnen zu lernen, denn der übt eine Wohlthat zu jeder Zeit aus. Ich scheide mit wahrer Befriedigung von dem ersten dieser 2 Werke und glaube, baß es noch jetzt mit einigem Nutzen bei dem Religionsunterrichte gebraucht werden könnte. (Schluß folgt.)

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