Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-08-08 · 32 (8.8.1862) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
32 (8.8.1862)
Date
1862-08-08
Page
Seite 271 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2543004--2719-2546529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

271 gestellt wurden, die der wißbegierigen Jugend die Kenntniß einiger Realien und der vaterländischen Literatur zusühren sollten, bis der heißangeflehte Tag endlich angebrochen, der alle Schranken fallen ließ, die italienischen Juden in jüdische Italiener umwandelte, und eine neue Seite in ihrer Kulturgeschichte öffnete. Der umwölkte Himmel d. fr. Z. wurde aber dann u. wann von einigen Streiflichtern erhellt. Einige bevorzugte Geister wußten nicht nur die v. ihren Glaubensbrüdern im Allgemeinen vernachläffigte italien. Literatur sich anzueignen, sondern auch einen bedeutenden Ruf als Schriftsteller zu erwerben. Sogar in der Ehrenhalle der klassischen Dichtkunst gelang einem Juden sich Platz zu machen?) Die ersten Versuche in der italienischen Kanzelberedsamkeit/) in der Uebersetzung der heiligen Schrift,^) der Gebete") und der Pirks Abod,?) selbst einer ital. Grammatik der hebräischen Sprache**) und eines Katechismus,") vielleicht des ersten in der ganzen Judenheit, datiren aus der zweiten Halste der vorigen oder aus den ersten Jahren des jetzigen Jahrhunderts. Anmerkungen. ') Dies ist vielleicht auch zum Theile die Entstehungsgeschichte der jüdisch-deutschen Sprechart. J) Die rabbinische Encyclopädie (סחר יצחק) ist voll ihrer wichtigen Gutachten. 1י) Salomon Fiorcntino geb. 1742. gest. 1815. Er übersetzte anch und gab heraus die Gebete nach spanischem Ritus. 4) Einige italiänische, die ersten im Druck erschienenen, Predigten sind von dem berühmten Rabbiner Jakob Saraval, gest. 1782. 5) Die anonyme in Ferrara 1796 gedruckte Psalmenübersetzung gehört, allem Anscheine nach, einem Juden. °) ״Formulario delle orazioni di tutto Panno con tutti i loro saluri secondo 1' uso degli Eürei italiani In 4-0 Mantua 1802. 7) Die erste Uebersetzung der Pirks Abod wurde von den Rabbinen Simon Ca lim an i und Jakob Saraval in ihrer Ingend gemeinschaftlich verfertigt. Sie erlebte viele, nach und nach vcrbesserte Auflagen. Noch im Jahre 1846, als ich in meinen Fregbiere dsgl' IsrasliLi secondo il rito tedesco (Wien bei Schmid und Busch) eine neue Uebersetzung der Sprüche der Väter, deren zweite Separat-AuSgabe jüngst erschien, (Padua 1862) einverleibte, war sie, obwohl sehr veraltet, die einzige vorhandene liebertragung. ') 6rammatioa ebrsa di Simon Calimani. (Sie enthält auch eine kurze Abhandlung über die hebr.׳ Poesie.) Venedig 1751. Pisa 1815. Die hebräische Sprachlehre Romanelli'S erschien in Triest 1799. Esame ossia Catechismo ad un giovine israelita istruito nella sua religione. Venedig 1782. Zwei andere Ausgaben, die letzte in Verona 1821, erschienen von diesem sehr geschätzten Religionsbuche, zu welchem, wie der Verfasser selbst uns in seinem Widmungsschreiben an den triester Schulvorstand belehrt, daö Tolrrauzedict Joseph II. die nähere Veranlassung gab. Es ist darnach die Angabe De Rossis (Dizionario degli autori ebrei, I. 96) zu berichtigen, der seinen Tod kurz nach 1770 setzt. Mische .. vor Jjunöetl Jahren. Beschreibung folgender zwei Büchlein: ספר תורת קטן והוא כולל ב׳ ספרים, ם אלה המצות ואחריו ספר הן הלשון. אסף ולקט מהו׳ גדלי׳ כמהו׳ אברהם מנחם טייקום ז״ל. אמשטרדם בשנת א״ל״ה המ״צו״ת.(1765) Von I. Kahn, Oberrabbinrr in Trier. Das zweite Merkchen mit einem besonderen Titelblatt ist nach der Jahreszahl sechs Jahre später gedruckt. Dieses kleine (in 16. das erste enthält 51, das zweite 34 Blätter mit Vor- und Nachreden) vor fast 100 Jahren verfaßte Merkchen, das ich zufällig unter anderen, besonders jüdischdeutschen Büchelchen vor einigen Wochen auffand, halte ich für so interessant, daß ich Einiges hierüber im ״B. CH." mitzutheilen mich entschlossen habe. Der Verfasser war ein Jugendlehrer, wie er dieses in der Nachrede zum zweiten Büchlein angiebt. Dieses Büchelchen, so wie das Streben und die Methode deö Verfassers beweisen, wie es in der damaligen Zeit, in welcher der Unterricht der Jugend im unsystematischen und ausschließlichen Lernen des Talmuds bestand, dennoch hie und da einen verständigen und einsichtsvollen Lehrer gab, der einen andern und richtiger» Weg einschlug, und im Staude war, ein methodisches Buch für den Unterricht der Jugend zu verfassen. Dieses kann noch jetzt in manchen Gemeinden in Ungarn, Mähren, Galizien, Polen und anderen Gegenden zum Muster dieneu. — Der würdige Verfasser sagt in d. hebräisch geschriedenen Vorrede zum ersten Büchelchen״ES heißt in der heiligen Schrift: ״Dieses sind die Gebote, die Moses befohlen hat den Kindern Israels." Der Nachdruck ist hier auf בבי (Kinder) zu legen, da dieses Wort ermahnen will, die Kinder zu unterrichten, daß sie in ihrer Jugend die Gebote lernen, damit sie in ihrem ganzen Leben in ihrem Herzen eingegraben bleiben. Aber nicht allein die Gebote, sondern den ganzen Inhalt der schriftlichen Lehre müssen sie lernen, und mit diesem Unterrichte sollen ihnen auch die Regeln und die Beschaffenheit der heil. Sprache beigebracht werden. Hierdurch wird der feste Grundstein gelegt, um die mündliche Lehre zu begreifen, wie solches im Buche Sch'ne Luchoth ha-Berrth geschrieben ist. Es giebt aber Reiche, die da glauben, mit ihrem Gelde Alles erwerben zu können. Sie hegen den Wahn, daß ihre Kinder den höchsten Ruhm erreichen, wenn sie nur Gemara lernen, diese mit ihrem Munde herzwitschern u. über ein herbes Tosaphot, einen schweren Meharscha oder Meharam Schis disputiren, obgleich sie weder von der heiligen Schrift, noch der Mischna oder überhaupt der ganzen Thora Kenntniß haben. Hiedurch häufen sich leider die Unwissenden in der Welt und Viele wissen, daß sie ihre Jugend mit dem Lernen der Gemara zugebracht haben; aber was hat diese ihnen genützt? Hingegen eiferte schon der große Gaon R. Löwe 4377

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.