Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 31 (1.8.1862)
- Date
- 1862-08-01
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Hungarioa. VII. .עליח לקרחא הלוך בניכלוסיה Midrasch. Pest, 18. Juli. Während die Geschicke, welche die ungarischen Juden seit dem cilfteu Jahrhundert trafen, so wie die Gesetze, deren Gegenstand dieselben zu verschiedenen Zeiten waren, so ziemlich bekannt sind, ist ibr ganzes inneres Leben während des früher» Mittelalters in ein »»durchdringliches Dunkel gehüllt, lieber die Verfassung ihrer Gemeinden ist nur sehr wenig, über ihre Knltnsbcaniicn gar nichts bekannt. Um so willkommener wird den Freunden historischer Spezialitäten folgende Notiz sein, welche über die ältesten jüdischen Gcmeindcznstände in Ungarn einiges Licht verbreitet. Ich entnehme dieselbe einer Gntachlcnsannnlnng von R. M c i r b. B a r n eh ans R o t h c n b u r g l gest. 1293), welche Rafael Nathan Rabbinowitsch vor zwei Jahre» in Lemberg zum ersten Male cdirtc: 4. «!8 Bl. Diese Gutachlcnsanimlnng enthält, gleich ihren älteren Schwestern und anderen rabb. Gntachtensalumlniigen d. Mittelalters, auch Entscheidungen anderer Autoritäten, und unter?111-• deren! einen Brief von R. Eliezer b. Jsak ans Böhmen an R. Jehuda b. Samuel den Frommen ans Worms. Jener wohnte in Speicr, dieser in RegeiiSburg, wo er eine Sinagogc gründete, und 1210 oder 1217 -- nicht wie Grätz fälschlich: l 220 l Ge sch. 0, 270)— mit Lode abgiug?) R. Eliezer, der Böhme, will den Borbctern ihre?lecidenzen, die ihnen am Purim, am Feste der Thorafrende nnv bei Hochzeiten znfiosteu, ungeschmälert erhalten wissen, während sein Freund in Rcgensburg die Abrvgirnng derselben urgirte. Gegen den Schluß seiner Epistel, in welcher er sich besonders ans die verschiedenen Gebnhreu der alten Priester bernst. sagt R. Eliezer: ואם אהה תב^ך להם ניגבת הפירים יונדבה שניחת תורה ונרבת ההנים הנה ברוב מקומות שבפולין ורוסיא ואונגריא שאין שם לומדי הורה מתון דוהקם שוברים (כצ״ל) להם אדם מבין מאשר ימצאו והוא להם ש״ץ ומורה צדק ומלמד וירדו מהזנותם וישארו בלא חורה ובלא חפלה ובלא מורה צדק• D. h.: ״Wen» d» ihnen die Pnrimgebühr und die Spenden am Feste der Thorafrende und bei Hochzeiten entziehst, so werden sie an den meisten Orten in Polen, Rußland und Ungar», — wo die Gemeinden, da cs keine Gelehrte gibt, in ihrer Noth einen sich darbietcnden Sachverständigen wählen, der als Borbeter, Neligionsweiscr »nd Jugendlehrer fungirt, — ihr Borbcteramt nicderlcgen, so daß die Gemeinden ohne Thora, ohne gemeinsamen Gottesdienst und ohne Neligionsweiscr bleiben werden." So schrieb N. Eliezer gegen Ende des zwölften oder im?lnfange des dreizehnten Jahrhunderts. Er fügt hinzu: ״?Inch wenn dn deine Meinung znrncknimnist, besorge ich, daß deine Worte daselbst bereits Anklang gesunden, und große Nachtheile he rbcigesührt haben." Ob nun R. Jchuda's Entscheidung auch nach Ungarn , oder nur nach Polen oder Rußland abgcgangcn war, und Ungarn bloß wegen der Gleichcheit der Zustände genannt werde, muß allerdings unentschieden bleiben. Gewiß ist aber, daß das jüd. Gemeindewesen damals erst im Werden begriffen war, wiewol die nng. Inden unter Andreas II. (1205— 1235) bekanntlich großen Einfluß erlangt und bedeutende Finanzämter inne gehabt hatten. Bemerkenswerth ist es auch, daß R. Eliezer nicht ״Hagar." sondern ״Ungaria" schreibt. Ungefähr ein Menschcnalter nachdem der böhmische Rabbiner ') In dem Register zu Zunz ״zur Geschichte und Literatur" herrscht in Betreff R. Jehuda'S Verwirrung, indem das. zwei verschicdene Personen als eine figurire». zn Gunsten der ungarischen Vorbcter eine Lanze gebrochen hatte, nnterzcichnete König Bela IV. (1235 —1270) den Freibrief seiner jüd. Untcrthanen (5. Dez. 125l), welchen Ladislaus Szalay niit folgenden Worten begleitet: ״Wahrlich diese Punkte reden nicht von einer verfolgten. nicht von einer geduldeten, sondern von einer privilcgirlcn Bolksklassc, welcher die weltliche Gewalt den Balsam spendet, um die Vernarbung der ihr von d. Kirche geschlagenen Wiinden Iherbciznführen. Und König Bela selbst sah in den festgesetzten Punkten eine wirkliche Privilcginniönrkiindc, nicht eine von seiner Laune abhängendc Konzessio»; denn als Einleitung schrieb er folgende Worte an die Spitze derselben: ״Nachdem es unser Wille ist, daß in unserem Reiche alle Menschen, »׳eichen Standes sie auch immer sein mögen, unsere Güte und Gnade empfinden sollen, haben wir angcordiiet, der gelammten in nnscrm Reiche befindlichen Jndcnschaft folgende Rechte unverletzlich ausrecht zu erhalten (Gesch. Ungarn's jnngarischj 2. 05)." Ein Punkt dieses FreihcitSbricses lautet: ״Wenn sie (die Inde») nach ihrer Gewohnheit ihre Verstorbenen von Stadl zu Stadt oder ans einem Gebicic in das andere bringen, so ist es den Mauteinnchmcrn strenge untersagt, irgend etwas als Zoll von ihnen zu erpressen. Wer dem znwidcrhandclt, soll als Räuber des Todten bestraft werden." In Bezug aus diesen Punkt bemerkte schon der Lied. d. Al. in seinem?lnfsatze: ״Die Schicksale und Bestrebungen der Inden in Ungarn," daß der Umstand, daß die sterbliche» Ucbcrrcstc der Dahingeschiedenen öfters von einem Orte in den andern gebracht wurde», mir Sicherheit schließen läßt, daß die Inden mehr zerstreut, als in Gemeinden zusaminengewohnt haben müssen, weil von Orten, wo Geineindcn, also auch Begräbnißplätze waren, das Wcgfnhrcn der Leichen nach den jüd. Religionsgcbränchen nur sehr selten ftattgcfnudcn hätte (Busch'S Jahrb. 5. Jhrg. S. 08). R. Eliezer war also in Speicr über die Zustände seiner Glanbensbrnder in Ungar» sehr gut unterrichtet, was einen gewissen Verkehr zwischen den ungarischen und deutschen Inden vorausznsetzcn scheint. Das sporadische Wohnen der Inden in Ungarn macht es auch erklärlich, weshalb im Mittelalter von B er sa inm lung e n der R a b bin c 11 u nd G em c i ndev crtrctcr. wie solche in Deutschland und später in Polen stattsanden, in Ungarn keine Spur vorhanden ist. Nur einzelne hervorrageude Juden werden genannt, durch deren Vermittelung die Privilegieu des Königs Bela IY. bekräftiget wurden: unter Ladislaus Posthnmns (1444—1457) die Ofner Juden Farkas und Mayor, nnier Matthias Eorvinns (1458 — 1400) cbensakls Farkas, Niwl und Mayor ans Ofen. Im fünfzehnten Jahrhundert war also die Ofner Gemeinde der Vorort der nng. Juden, und die Ofner Gemeindevorsteher waren es sonder Zweifel, welche die Interessen der nicht zahlreichen Jndenschaft Ungarn's vertraten. Eigentliche Geineindcn gab cs zn jener Zeit nur noch in Preßbnrg, Tirnan. Stnhlweißenbnrg, Gran. Totis und Eisenstadr, wie ans dem Berichte Anton Margaritha'ü bei Schndt »nd — in Beziehung auf Eiscnstadt — aus jüd. Quellen zn ersehen ist. Da seit dem sechzehnten Jahrhunderte von einer Bestätigung der Privilegien Bela's nicht mehr die Rede war, so erlosch auch die Vertretung der ungarischen Gesammrindenschast, um durch eine traurige Maßregel wieder in's Lebe» gernsei, zu werden : durch die Einsührnng der Tolerauztar e!! Der deutschen Kultur darf mau diese Jndenstcner nicht vorwerfen; denn als diese cingesührt wurde (1749) war Lessing, (geb. 22. Jan. 1729) erst zwanzig Jahre alt. Viel bedenklicher ist für die Knndgebnngcn der deutschen Kultur in Ungarn die Einsührnng des politischen Ehekonsenses im Jahre 1853 , also drei und siebenzig Jahre nach dem Erscheinen des Leffing'schen Meisterwerkes: Nathan der Weise! In dem Statthalterei-Jnlimate vom 20. November 1749, durch welches die Toleranztare eingesübrt wurde, heißt es ausdrücklich, ״daß