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Ben Chananja · 1862-07-25 · 30 (25.7.1862) · p. Seite 258

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
30 (25.7.1862)
Date
1862-07-25
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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258 Möge der wackere Vrf. in Deutschland die Unterstützung finden, welche er leider in seinem Gcburtölandc nicht finden konnte. P (>1 e-melc 1 i Hera ire. Von Chalil. III. Etudes orientales par Adolphe Franck, Membre de 1' Institut. Paris. 1861. chez Michel Levi fröres. Es ist seit einiger Zeit Mode geworden, sich mit dem Oriente zu beschäftigen; wir sagen: Mode, weil Lentc, die nicht hauptsächlich zu diesem Fache gehören, sich einigermaßen einen Anstrich von Oricntalisten gebe». Sollte dies ein Eindruk der Tagespolitik, der oricntalischen Frage sein, oder sollten diese Studien als Maske der tiefen &a lehrsamkcit dienen? Es ist nicht nnscre eigentliche Aufgabe, dies Problem hier zu lösen. — Genug wir sehen, daß nicht nur Inden, deren Ausgabe cö sein sollte, für jüdische Literatur ihre Kräfte zu sammeln, oder noch mehr dem praktischen Judcnthnme zu nützen, so gerne hie und da ein arabisches, syrisches oder persisches Wort 3c. ein flicken, sonder« auch Ehristcn, ohne je einen Tcrt consultirt zu haben, geradezu über Gegenstände, über die nur dieser entscheiden kann, große Bände schreiben. Besonders sind cö die biblischen Verstümmelungen der Ewaldischen Schule, die sich hier in Frankreich eine Heimat gegründet haben. Dies verdanken wir Herrn Renan, der durch seinen eleganten Styl die komische Operette, die Ewald im Hohcnliede z. B. gesunden hat, dem Publikum zugänglich gcniacht. Dies sei im Vorübcrgehen gesagt; nun wollen wir aus unser zu behandelndes Buch kommen. Dieses bildet durchaus nicht ein Ganzes, sondern ist eine Eomposition von mehren Artikeln, die znm Theilc in Zeitungen erschienen, und zum Thcilc dem Autor als Basis in scinen Vorlesungen über das Naturrecht im collegue de franse dienten. Der Vers, sagt in der Einleitung, er hätte gerne diese Aufsätze für seine allgemeine Geschichte des NaturrcchtS, die beinahe fertig ist, Vorbehalten, allein er konnte einmal, im Oriente sich bewegend, in diesem Lande des Zaubers und der Geheimnisse, wo seine Gedanken sich sestsetzten und wo alles in ein magisches Netz geworscn ist, dem Reize dieser Anziehung nicht widerstehen. Der Vers, sagt: ״ich fragte mich, ob die Gesetzgebung und die Moral der orientalischen Völker von ihrer Religion, ihrem filosofischen Systeme, den Gesetzen, die bei der Bildung ihrer Sprache d. h. der Gestaltung ihrer Vernunft und dem natürlichen Anstriche ihres Genies vorherrschend waren, getrennt werden können, und darüber habe ich die Resultate sowohl alter als neuer Studie», die natürlicherweise ein Licht für diese llntersuchnngen sein werden, ziisauimcngestellt." Die religiüsen und filosofischen Meinungen der Perser nehmen den ersten Platz im vorliegenden Buche ein, sodann folgt eine Abhandlung über den religiösen und filosofischen Standpunkt Jndäa'S in der letzten Zeit seines StaatülebenS. Diese Abhandlung wurde vom Autor schon als Memoire iit der Aeademie des scienccs morales et politiques, dercn Mitglied er ist, gelesen: Es ist ein schlagender Unterschied zwischen der Religion und der Nationalität der Inden. Ersterc hat mit der Rare, die ihren Stolz und ihr Leben darein gesetzt, während 4000 Zahrc, Zerstörungen, wie cS noch nie ein Glaube oder irgend ein Volk erlebt, zu widerstehe»; leztere immer schwach, immer bedroht oder unterjocht, scheint seit ihrer Entstehung den furchtbaren Eatastrophcn, durch welche sic endete, anfbewahrt gewesen zu sein. Ich habe, wenn ich auch Gefahr lief, die frommen Seelen, die nicht leben können, ohne zu fluchen, zu ärgern, bewiesen, daß einerseits die Dogmen nnd die Moral, anderseits die Institutionen nnd die Geschichte der Israeliten, ohne das Fantasicgcbilde einer göttliche» Verstoßung genügten, den! doppelten Schicksale Rechnung zu tragen, nnd daß die Strafe, wenn sie cristirt, viele Jahrhunderte vor dem Verbrechen angefangen hat." Es ist uns leid, daß wir nicht einen großen Theil der Vorrede, die zumeist über das Judcnthnm spricht, und die vielleicht inhaltreicher als die Aufsätze selber ist, hier geben können. Warum wir dies nicht thnn, ist einzig und allein, um nicht mit der Anzeige eines BncheS vielleicht bedeutenderen Sachen der jüdischen Littcratur und bessern Stilisten den Raum dieser Blätter streitig zu machen. Wir sagen also bloß, das Franck mit Leib nnd Seele Jude, und mit der hebräischen Litkeratnr so ziemlich vertraut ist. Und besonders mit der jüdischen Filososic, wenn eine solche als bestehend angenommen werden darf, wo alsdann Munk und Senior Sachs als die Wicderbclcber derselben angesehen werden müssen. Waö den Styl Franck'S betrifft, so wird er hier zu den angenehmsten u. geistreichsten Schriftst. gezählt. V. d. Gcg- »er schweigend widerlegt Fr. in d. Vorrede d. vorgefaßte Idee Renans, daß die Semiten Monotheisten n. d. Jndogcrmancn Polytheisten wären, was ebenfalls von Munk u. anderen in den Sitzungen d. Aeademie des Inseriptions et Keiles lettres gründlich nnd schlagend widerlegt worden. Vielleicht werden wir später Gelegenheit haben, ans diesen Gegcnstaud ausführlicher zurückznkommcn. Das Buch Franck'S enthält: 1) DaS Recht bei den alten Völkern des Orients. 2) Die religiösen nnd filosofischen Lehren der Perser. 3) lieber den politischen und rcligiöscn Zustand Judäa'S in der letzten Zeit seiner Nationalität. Dieser Aufsatz ist für uns nicht neu, aber immer klar und interessant die Ent- Wickelung der Stellung der Inden in jenen Zeiten darstellend. Nalürlich kann wenig Neues für diese Epoche mehr gegeben werden nach den gründlicher Arbeiten Herzscld'S und Gractz' für jene Zeit; nur ist der Unterschied, baß man uuö im deutschen gewöhnlich die Forschungen in einer solchen Weise liefert, daß wir dieselben wie heiße Suppe nur tropfenweise genießen können, während die Franzosen uns daö Wissen in romantischer Weise liefern, wo man ruhig im KafechauS, seine Pfeife schmauchend, durch die Revuen die unverdaulichen deutschen Noten so erfrischt zu sich nehmen kann, wie ein Glas Bier. Entschuldigcu Sie meine gastronomischen Bilder. Genannter Artickcl schließt: ״Man sieht deutlich, daß d. Juden zu jener Zeit schon lange her mehr eine relig. als politische Gesellschaft, ober wie mau es heut zu Tage auödrücken würde, mehr eine Kirche als einen Statat bildeten. Das wahre Band, welches sie zusammcnhielt, war nicht die Gleichheit des Vaterlandes n. der Regierung, sondern der des Glaubens. Jedes Land, jede Regierung, d. ihnen ihre 'Religion frei nngehindcn zu üben erlaubten, war den Juden gut genug. Und Jerusalem, welches sie von allen Punkten der Erde besuchten, u. wohin sie jedes Jahr den Tribut ihrer Opfer schickten, war die heilige Stadt, die Metropole ihres Glaubens und wegen des Tempels, den Jerusalems Mauern cinschloßen, sogar die Residenz des Ewigen, aber sic war nicht die Hauptstadt des Reiches. Man muß dies von ihrer Rare festhalten, daß sie alle mögliche Anstrengungen machten, um dieselbe unvermischt zu erhalten, um in ihren Lande nicht einen fremden Cnltus einzusührcn. Man muß nur vom religiösen Standpunkte die Juden auffassen, um in die innersten Elemente ihres damaligen Wesens, als sie bald den Römern unterliegen sollten. einzudringen." Ist letzteres auch nicht ganz evident für die damalige Zeit, so ist es anwendbar für die Gegenwart; alle Juden sind durch das religiöse Band eins, aber als Staatsbürger verschieden. Daher ist es für ein jüd. Organ ganz unpassend, über die Politik des Tages zu urtheilen, wie dies leider so oft in manchen jüdischen Blättern Deutschlands und Oesterreichs geschieht. Schließlich enthält auch unser Buch: 4) Das Leben und die Lehren Maimonides. 5) Avicebron oder Salomo ben Gebirvl. 6) Die semi-

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