Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 30 (25.7.1862)
- Date
- 1862-07-25
- Page
- Seite 257 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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257 Korrespondenz. co Komorn, 20. Juli. Nach mehrjährigen Kämpfen ist endlich die hiesige Gemclndc in dem Hafen des Friedens cingelanfe». Mit Einwilligung unseres sehr orthodorcn Rabbiners ist nämlich Hr. Schnitzer als RabbinatSassessor nnd Prediger angestcllt worden. Die Predigten des Hrn Schnitzer erfreuen sich allgemeinen Beifalls, und selbst der Rabbiner versichert, daß er niemals ein Gegner der Predigt gewesen wäre, wenn er gewußt hätte, daß eine Predigt so viel Gottesfurcht enthalten könnte. Eine kleine Fraklion will die Sinagogc, wegen der östlichen Position des Almcmor'S, nicht besuchen, und petitionirt bei der Statthalterci um die Konzession zur Errichtung eines bcsondern BetlokalcS. — d. Rendek, im Juli. Das hiesige jüd. Lehrpcrsonal hat znm Belinfe der Gründung einer Schulbibliothck eine Subscribtion eröffnet. DaS Unternehmen findet warme Unterstützung; 100 Bändchen gewählter Jugendschriften sind bereits angcschafft. Unser Gcm. Borst, hat zur Gründung eines Schnlfondcö einen schönen Anfang gemacht. DaS Sisteni, einen Lehrer ״aus ein Jahr zu dingen" besteht aber leider auch bei uns noch immer fort. Wann werden die Gemcinden endlich zu dcr Einsicht gelangen, daß ein solches Bcrsahrcn sie selbst erniedrige, und dem Heranwachsenden Geschlcchtc nur znm Schaden gereiche? — 0 Venedig, 20. Juli. Da ich nicht genau weiß, wie viel von den hiesigen jüd. Bcrhältnisscn bekannt ist, so kann ich auch nicht ermessen, welche Mittheilung Ihren Lesern Interesse cinflößcn könnte Doch glaube ich jedenfalls melden zu müssen, daß in einer der hies. Sinagoge«, in dcr senola tcdesca nämlich, dcr Gesang an Sabbaten und Festtagen mit dcr Orgel begleitet wird, und zwar mit Gutheißung des gelehrten Rabbiners Lattes. Letzterer ist reich nnd daher unabhängig; sehr wohlthätig, und daher beliebt. f Sntoralja-Ujlicly, 18 Juli. Das gute Einvernehmen zwischen unscrm orthodorcn Rabbiner und unseren Chaßidäern ist seit einiger Zeit bedeutend getrübt. Dcr Chaßidäer-Chef in Liöka hat cS nämlich am verflossenen Purim gewagt, die neueren und neuesten Herocn dcr Halacha wegen ihrer Gleichgiltigkeit gegen die Kabbala in den stärksten Ausdrücken zu schmähen. Dcr Sohn des hies. Rabbiners, ein guter Talmudist, schrieb hierüber an den Rabb. zu Halas einen hebr. Brief, in welchem er die Vermessenheit des Chaßidäerö in den stärksten Ausdrücken geißelte. Der Rabb. zu H. schickte diesen Brief an den Wundermann zu Liska, und dieser rühmte sich, den Inhalt des Briefes durch himmlische Offenbarung erfahren zu haben. Es kam zu verschiedenen Erklärungen, und der Liskacr profezeite unter Anderem, daß sein Gegner, der Sohn des hies. Rabbiners, nach Verlauf von zwanzig Jahren werde sterben müssen! Ei» hiesiger Lamdan sagte aber dem falschen Profetc» in's Gesicht:5 הרצה לשקר ירחיק ערוחו Der Streit ist für den Augenblick beigelegt; aber es ist natürlich, daß die hiesigen Chaßidäer nicht ohne Mißtrauen auf den Rabbiner sehen, welcher das Auftreten seines ebenfalls orthodorcn Sohnes gegen den Ckarlatan zu Liska nicht gemißbilliget hat.!!■ Papa, im Juli. Eine hiesige jüd. Hebamme, Namens Blau, deren Garte Soser ist, übersiedelt nach Jerusalem. Dr. Neumann ans Jcrns. ließ dieselbe dazu bewegen, da es daselbst nicht eine einzige studirte Hebamme gibt. Die Mbbineu zu Wien nnd Preßbürg haben derselben Unterstützung zngesagt; sic ist aber noch bei Wcitem nicht in der Lage, die Pilgerschasi antreten zu können. Der Gegeustand scheint mir wichtig genug, um die Aufmerksamkeit Alb. Kohn'S in Paris ans sich zu ziehen. I!. Szegedil», 21. Juli. Der wackere ״ungarische Jsraelite" sprach vor Kurzem in einem Leitartikel von jüd. Findlingen, welche der Pester Magistrat an die Jndengcmeinde weist, oder — taufen zu lassen droht. In hiesiger Stadt kam vor einigen Jahren das erste Beispiel eines jüd. Findlingeö vor; eine einzige Vorstellung des RabbinerS reichte aber hin, dem jüd. Findlinge dieselbe Unterstützttilg zu sichern, welche christlichen Findlingen zu Theil wird. Die jüd. Gemcinde hat der betreffenden Pflegerin allerdings einen monatlichen Zuschuß bewilligt, dies war aber ein Akt freiwilliger Wohlthätigkeit. Prefiburg, 2l. Juli. Wir schreiten also dennoch vorwärts! Ich sage dies nicht in Bezug auf die Todeökoanstalt, sondern in Bezug aus unsere Jcschiba. Trotz des testamentarischen Fluches des Gottsel. R. Moses bekennet dessen Sohn, von dcr Zeit gedrängt, daß die Thalinudjünger außer Gemara noch ״andere Sachen" lernen müssen. Znm Professor der weltlichen Wissenschaften soll nun Dr. Hildesheimer hichcr berufen werden. Man beruhigt die Orthodorie mit dcr Versicherung, daß der Stil des neuen Professors die Sprachenmarime des sel. 9t. MoseS, nach welcher dcr Jernschalmi die Radebrechnltg dcr Sprachen gebietet, im keinem Falle beeinträchtige. Doch dem sei, wie ihm wolle, der Fortschritt ist dankenswerth. Wie viele haben an unserer Jcschiba das eonsilium abeundi erhalten, weil sie ein deutsches Buch zur Hand nahmen! Z. Pest, 22. Juli. Die Aemter d. ung. Vereins sind nun vollständig besetzt. Präses: Dr. Kdzsay; Vizcpr.: Dr. Pollak Heinr. nnd Mezoy Mor.; Sekretäre: Vü68oi, Fonyvesy und Rosenberg Js.; Kassier: Lcitncr Markus (da Bachrach das Am: nicht annahm); Kontrollor: Zscngery Mor.; Bibliothekar: Kemönyfy und Oekonom: Hannover Mor. Die 50 Nusschußmittgl. wurden in die Kommissionen, — die Schul-, VorlcsungS-, statistische, Jahrbuch-Redaktion und Oekonomische Kommission, — cingethcilt. Präses d. Schulkonim.: Dr. Hauscr; Vizcpr. Prof. Großmann, welcher im vergangenen Jahre als Präscs eine nicht genug zu rühmende Thätigkeit entwickelte. Wie im v. I. wohnt die Schnlkommisfion d. Vereins auch in diesem Jahre den Prüfungen bei; dcr Fortschritt im Ungarischen wird mit Prämien belohnt. Die Schulvorstände haben die Urbanität, den Verein zu d. Prüfungen zu laden, wodurch das wohlverstandene Interesse dcr bezügl. Lehranstalten nur gefördert wird. Nur die Direktion der jüd. LehrerbildungSanstalt hat es verschmäht, den Verein zu der Prüfung zu invitiren, welche am 17. d. M. abgehalten und deren Resultate namentlich im Ungarischen so miserabel ausfielen, daß selbst der sonst so milde nnd nachsichtsvolle Lokalschnlendirektor Kriegler sich in Gegenwart des Publikums tadelnd über die Vernachlässigung der ung. Sprache in der Präparandie aussprach. Ja, die Direktion dieses Jnstitutcö hat sogar dem Redakteur des ״ung. Israeliten," die früher erfolgte Absendung einer Invitation an denselben bereuend, den Eintritt zur Prüfung, nota bene: zur öffentlichen Prüfung, verbieten lassen! Es scheint, daß die Direktion Anstand und Höflichkeit nicht als wesentliche Bcstandtheile der Kultur betrachtet. 0 Lemberg, 18. Juli. Das 1. Heft d. 2. Jhrg. des Ozar Chochma von d. treffliche» hebr. Literaten Jos. Kohn hat so eben die Presse verlassen. Es ist Albert Kohn in Paris und dessen Gattin, d. Fr. Mathilde Kohn gewidmet. Dcr Inhalt ist so niannigfaltig und anregend, daß dasselbe den Freunden d. hebr. Litteratur angelegen tlich empfohlen zn werden verdient. Unter den Mitarbeitern begegnen dem Leser Luzzalto. Pineles, PinSker. Löwensohn, Slominöki, Löw, Brecher. Bober und Andere. Auch der vierzehnjährige, ungewöhnlich begabte Sohn d. Herausg. lieferte einen kleinen Beitrag; derselbe hat sich schon früher mit gutem Erfolge in hebr. Poesie versucht. Leider fehlen dem Vater die erforderlichen Mittel, für die Ausbildung s. hoffnuugsvollen Kindes auf entsprechende Weise zu sorgen. Aber auch abgesehen davon verdient das Jahrbuch wegen seines mannigfaltigen und anregenden Inhaltes die Theilnahme aller Freunde dcr jüd. Literatur.