Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 30 (25.7.1862)
- Date
- 1862-07-25
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Haus, und lap sie ihr Haupt scheren und ihre Nägel schneiden, und das Gewand, darin sie gefangen gewesen, von sich abthnn, und laß sie sitzen in deinem Hanse, und beweinen einen Monat lang ihren Vater und ihre Mutter; darnach wohne ihr bei, und nimm sie zur Ehe, daß sie dein Weib sei. Wenn du aber nicht Gefallen an ihr hast, so sollst dn sie entlassen, wohin sie will: aber um Geld verkaufen darfst dn sie nicht, noch sie als Sklavin brauchen, darum, daß du sie geschwächt hast?)" Was nun die der Gefangenen vorgeschriebenen Observanzen betrifft, so haben dieselben offenkudig die Tendenz, die in Gefangenschaft Gerathene gegen etwaige Brutalität eines rohen Krieges in Schutz zu nehmen, und ihr die Freiheit zur ungestörten Kundgebung ihrer Gefühle zu sichern. Die Observanzen haben daher nach dem natürlichen Schriftsinnc bloß permissiven Charakter: cS bleibt der Gefangenen unbenommen, um Vater und Mntter, von denen sie getrennt ist, zu trauern, und dieser Trauer auch äußerlich den nsnellen Ausdruck zu geben. Dem gemäß läßt sie sich den Haarschmuck deS KopfeS abnehmen, wie Trauernde nicht nur bei den Hebräern, sondern auch bei anderen alten Völkern zu thnn pflegten/') und die Nägel abschneiden/) welche die orientalischen Frauen roth zu färben pflegten. Und da die Frauen, welche ihren Vätern oder Gatten in den Krieg folgten, vor einem Treffen, ihre schönsten Kleider und ihren Schmuck anzulegen pflegten/') so ist eö natürlich, daß sie für die Zeit der Trauer diesen Prachtanzug abgelegt. Alles dies ist so leicht verständlich, daß eö kaum einer besondern Erwähnung bedürfte, wenn nicht die älteste Schriftanölegung aus einen Abweg gerathen wäre. Die Trauergebränche hatten sich nämlich im Laufe der Zeit in manchen Stücken geändert, und wurde namentlich, ohne Zweifel durch äußeren Einfluß, in Bezug auf Bart nnd Haupthaar eine neue PrariS beliebt: während früher Leidtragenden Bart nnd Haupthaar abnahmen, ließen sie es später wild wachsen. Die spatere Sitte wurde aber auch früheren Zeilen zugeschrieben, was zir allerlei eregetischen Afkomodationen Veranlassung gab, von denen sich jedoch die natürliche SchriftanSlegung frei zu halten verstand?) Da mm in dem vorliegenden Gesetze von einem Abscheren des Haupthaares die Rede ist, so konnte mau, trotz der ausdrücklichen Erwähnung der Trauer um Vater und Mntter, dennoch nicht dem Gedanken Raum geben, daß es sich um Trauerobscrvanzen handle; vielmehr unterschob man dem Gesetze das Motiv, daß eS die Kriegsgefangene zu entstellen und ihrer Reize zu berauben beabsichtige, damit die Liebeöflamme erlösche, welche für sie entbrannt war! ד) Neber die Religion der Kriegsgefangenen enthalt die Thora keine Bestimmung. Nach der thalmudischen Halacha muß dieselbe vor Schließung des ehelichen Bündnisses zum ";'-V Jndenthttm übertreten: unter der Trauer um Vater nnd Mutter versteht R. Akiba, der Urheber dieser Halacha, die Trauer um die angeerbte Religion?) Maimonidcö eignet sich die Halacha R. Akiba'ö an, ohne sich jedoch zu der motivirenden Schriftauslegung desselben zu bekennen?) Gc> schichtlich betrachtet kann jedoch an einen Ucbertritt zmn Jndenthume schon deshalb nicht gedacht werden, weil das Pcntatenchische Gesetz einen solchen Ucbertritt überhaupt gar nicht kennet, und daher daS Proselitcnthum in diesem Gesetze gar nicht erwähnt wird. Neuere Forscher haben darauf aufmerksam gemacht, daß der Begriff der Bekehrung in den jüngeren biblischen Schriften, Zacharias, dem jüngern JesajaS, und dem Buche Esther mit: ״sich Gott oder Israel anschließen (נלזה על)" bezeichnet wird.'') Unbeachtet blieb aber bisher', daß nicht Palästina, sondern Perfien die Wiege deS ProselitcnthnmcS war. Die ans persischem sbabilonifchem) Boden entstandenen biblischen Stücke sprechen daher zuerst von der ״Anschließung an Jsrael.'")" In Palästina scheint in der vorhasmonäischen Zeit das Proselitenthnm gar nicht, oder doch nur sehr sporadisch vorgekommen zu sein, weil sich sonst bei Sirach eine Spur davon fände. In Persien dagegen blieb das Proselitenthnm so einheimisch, daß der aus diesem Lande stammende R. Eleasar b. Pedath noch im dritten Jahrhunderte den Satz aufstellen konnte: ״Gott hat Israel nur deshalb nnter die Völker zerstreut, damit sich dasselbe durch Proseliten vermehre. Daher, fuhr er fort, nennt auch der Profet Hoseaö die Zerstreuung Jsrael'ö eine Aussaat (2, 25): denn man säet ein Eaton wol nur in der Hoffnung, mehrere Kor zu ernten!")" In Machusa am Tigris gab es noch später viele Proseliten, so daß fast die ganze Stadt in Allarm geriet, als R. Sera predigte, ein Proselite dürfe ein in verbotener Ehe gezeugtes Frauenzimmer (Mamzereth) zum Weibe nehmen, indem viele Machusaner dies als Injnrie gegen sich selbst ansahen. Um so entzückter waren sie, als ihnen von Naba b. Josef gepredigt wurde, eS stehe der Ehe zwischen einem Proseliten und einer Aronidin kein Hinderniß entgegen.'") Manchen Babilonischen Stämmen und Städten wird Stumpfinn vorgeworfen, weil von denselben kein Proseliten-Kvntingent gestellt wird.") Die massenhafte Proselitenbevölkerung, welche uns hier entgegentritt, ist ein merkwürdiges Zengniß für daS reiche Maaß von Gewissensfreiheit, dessen sich die Einwohner des Sassanidenreiches zu erfreuen hatten; eine solche Freiheit kann aber nur dem Boden eines alten Usus entwachsen sein! Hillel der ältere zählt auch wirklich unter den zehn Vevölkerungsklassen, welche unter Ezra ans Babel nach dem h. Lande zogen, auch Proseliten ans: ") eine Ueberlieferung, deren Geschichtlichkeit durch die profetischen Stücke aus dem Ende der Chaldäischen und ans der Persischen Zeit erhärtet wird. Die