Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 29 (18.7.1862)
- Date
- 1862-07-18
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2543001--2695-2546502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
250 heutigen Tag in Kraft gebliebene Recht, ihren Obcrrabbiner zn bestätigcn. Da »nn der Oberrabbincr Ezechiel Pancth mit Tode abgcgangen, mid Abraham Friedman» einstimmig zum Rabbiner gewählt wurde, hat letzterer die nnlcrthänigstc Bitte an m1!3 gerichtet, ihn nicht mir als Obcrrabbiner aller Juden in Siebenbürgen gnädig zn bcstätigen, sondern auch huldreich zn gestatten, daß er ermächtiget sei, alle Befugnisse, welche bisher in Bezug auf die Visitation der ihrer Inrisdiktion iinterworfcnen Sinagogen, so wie in Bezug auf die Abnrthrilnng von Rechtssachen von seinen Vorgängern anögcübt wurden, ebenfalls nach jüdischen Ritus anSznüben. Indem aber einem billigen Bcrlangeu die Gewährung nicht abgeschlagen werden soll, und die Bitten des Bittstellers ans Privilegien gegründet sind, welche durch ihre lange Dauer GcsetzcSlrast erlangt haben, so bestätigen wir Kraft unserer Machtvollkommenheit hiemit den Abraham Friedmann in dem Amte und der Funktion eines obersten Rabbiners aller im Großfürstenthnme wohnenden Inden, so das; er aller Befugnisse, welcher sich seine Vorgänger in Bezug auf die Visitation der ihrer Jurisdiktion unterworscncn Sinagogen, so wie in Bezug ans Abnrtheilung von Rechtsfachen zn erfreuen hatten, ebenfalls in voller Autorität anSznüben befugt und ermächtigt sein soll, uivem wir ihm zugleich den Vorständen der Ortschaften, welche er außerhalb KarlsbnrgS bereifen sollte, so wie allen Beamten und Grundherrn empfehlen. Dieielbcn haben ihm gegenwärtiges Dokument, nachdem sie es durchgcleien,;!lrückznstclten. Gegeben zn KarlSbnrg, am H0-len Mai 1846 Nikolaus Bischoff. Ans Befehl Sr. Bischöflichen Erzellenz Franz Löhnhart, Protokollist. f Wien, 14. Juli. Die heutige Morgenpost bringt den Wortlaut einer von einem Bangnier und Geldwechsler am!1. Dez. 1859. cingcrcichtcn Petition an den KnltnSininister Gr. T.. woraus die vor Kurzem zur öffentlichen Kunde gelaugten Thatsachen im auSgevchntcstcn Sinne bestätiget werden- Ob die Umtriebe des betreffenden Vorkämpfers der Orthodoxie dadurch ihr Endziel erreicht haben, ist indes; noch immer fraglich. Bei der nng. Hoskauzlei war sein Einfluß niemals bedeutend, tviewol er in diesem Augenblicke den Protektor des Nabb. Weis ans Erlau spielt, und die Hoffnung ans den nng. Schulfond noch immer nicht ansgegcben hat. Ein Hauptmotiv. weshalb ihm die Rednzirnng des letzter!! so sehr am Herzen liegt, ist die Besorgnis!, daß daö längst projekurte Rabbiuer-Seininar denn doch in'S Lebeu treten könnte. Vor dem Seminar zittern auch die Korisäeu der Orthodorie und Romantik in Preßburg und Eiscnstadt. Literarische Änzcigen. Nom rrud Jerusalem, die letzte NationckliiätS-Frage. Briefe rrud Noten. Von M. Heß, korresp. Mitgl. d. Berliner silos. Gesellsch., Redakt. d. chemal. Rhein. Ztg. Leipzig, 1862. 8. XVI. 289. (Fortsetzung.) Keine festere Basis, als der ״jüt. Patriotismus," hat: 2. Die jüdische Nationalität in der Richtung, in wcleher sie von dem Herrn Verfasser geltend gemacht wird. An der Stelle einer ruhigen kritischen Beobachtung hat er eine gereizte Gesühlsstimmnug walten taffen, deren Eingebungen oft mil schlagendem Witze wiedcrgegebeu sinv. ohne daß sie jedoch im Stande wären, dein jüdischen Volke die Nationalität wiederzugeben, deren dasselbe zur Ausführung der Pläne des Hrn Brs. so sehr bedürftig wäre. Die Erscheinungen, welche er au dem Objekte seiner Betrachtung wahrnimmt, sind nicht wegznleugnen °, sie reichen aber zu den von ihm bcabstchtigcn Erperimenten bei weitem nicht hin Zwei Erscheinungen sind cS, welche er in nationcllcr Beziehung hervorhebt: die Lebensfähigkeit des jüdischen VelkSstanmicS und die sozialc Ausschließung der Inden in Deutschland. In crsterer Rücksicht sagt er: ״Der jüdische Stamm, auf den schon im Altcrthnme fremde Völkerschaften cinstürmtcn. und ihn fast gänzlich aufricbe» , würde in der Zerstreuung unter Völkern , die nnicreu Stammgenossen oft nur die Wahl zwischen Apostasie oder Tod ließen, längst im großen Meere der indogermanischen Völker nntcrgegangen sei», wenn er feinen Typus nicht stets wieder in seiner Integrität rcprodlizirte.Bekanntlich ist bei Kreuzungen zwischen Indogcrmanen und Mongolen der mongolische Typus vorwiegend; der ruffische Adel, der nur wenig mongolisches Blut in fluansgcnommcn, trägt doch noch heute den mongolischen TnpnS. llutcr meinen GesinnnngSgcnossen befindet sich ein russischer Adeliger, der eine polnische Jüdin gcheirathet und mit ihr viele Söhne bekonimcn hat, welche sämmllich einen auffallend jüv. Typus haben.Die jüd. Race, welche in der ganzen Welt zerstreut ist, hat mehr als irgend eine andere die Fähigkeit, sieh unter allen Breitegradcn zn akklimalisiren. Ein französischer Arzt, Dr. Gallavardin, hat dieses sisiologische Fänomen in seinem Werke ״Position (108 jiiifs tlana lc uionde“ durch statistische Belege sestgcstrllt (S. 15. 16).״ Die soziale Stellung der Inden in Deutschland schildert er mit folgenden Worten: ״Der deutsche Jude ist wegen des ihn von allen Seiten nuigebeuden Judenhasses stets geneigt, alles Jüdische von sich abznstreifen, und seine Rare zu verleugnen. Keine Reform des jüd. Kultus ist den! gebildeten dcntschcn Inden radikal genug. Selbst die Taufe erlöst ihn nicht von dem Alpdruk des deutschen Judenhasses. Die Deutschen hassen weniger d. Relig. d. Inden, als ihre Raee, weniger ihren cigenlh. Glauben, als ihre cigenthüml. Nasen. Weder Reform, n. Taufe, weder Bildung, noch Emanzipation erschließt den deutsch. Inden vollständig d. Pforten d. sozialen Lebens. Sic suchen daher ihre Abslammnng zn verleugnen. Molcschott erzählt in seinem fisiologischen Ski;- zenbnch von rem Sohne eines getauften Inden, den man Morgens nicht vom Spiegel wcgbringen konnte, weil er unablässig bemüht war, mit den! Kamme sein krauses Harr in schlichtes zu verwandeln (S. 14)/׳ Die Richtigkeit dieser Wahrnehmnugen isc sicherlich keinem Zweisel zu unterziehen. Sagt ja der Kirchenraih und Professor Wincr in einem ernsten uns gelehrte!׳. Werke, daß bigotte Inden die Prvselitcn eben so verachteten , ״wie 1111!er n n S (Ehnstci!) die gelauste!! Inden Verächter werden (Aibl. Realierikou 2, 842)!" Als Parallele zn dieser Aenßernng kann angeführt werden, daß erst vor kurzem ein evangelischer Geistlicher in Ungarn einem getauften Inden, der aber seil mehr denn zwanzig Jahren Proffessor der evang. Theologie und seil fünf Jahren Redakteur eines erklusiv protestantischen Journals ist, den Vorwurf machte, daß er, der Professor und ׳Redakteur, ein fchwacher Ehrist wäre, indem er nicht das Glück Halle, das Ehristenibnm mit der Muttermilch einzusangen! Hierin spricht sich jedoch nur theologischeS Mißtrauen ans, nicht Raeenhaß. welcher in Ungarn in viel geringerem Maße vorhanden ist, als in Demschlauv. Man wird dies begreiflich finden, wenn man erwägt, daß die germanischen Nasen leicht unduldsam werden, weil cs in Deutschland anßer ihnen nur noch scmitische Nasen gibt, während in Ungarn fünfzehn Gattungen von Nasei! ihre Vertretung finden, ') wobei die jüdischen nicht einmal mit gerechnet sind, so daß ein größeres Maß von Toleranz schon von den Popnlationsvcrhältnissen geboten ist. Auch muß man eö den gebildeten ungarischen, namentlich ungarisch redenden Inden nachrühmen, daß sie durchaus nicht suchen, ihre Abstammung zn verleugnen. Unebcnheilen und Jiikonveiiienzcn bietet daö soziale Leben allerdings auch hier;