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Ben Chananja · 1862-07-18 · 29 (18.7.1862) · p. Seite 246

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
29 (18.7.1862)
Date
1862-07-18
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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246 liche Kl 1!gheit haben allmählich sich mit der äußern Natur in Verbindung gesetzt. Die Sprache der Vögel ') gehört hieher. Unter denjenigen Erscheinungen, welche wir mit dem Ausdruck die äußere Sprache der Natur bezeichnen, nimmt diese den ersten Platz ein. Der Glaube an die Wirklichkeit der Sprache der Vögel und ihren Einfluß auf menschliches Treiben über- Haupt ist sehr alt und in vielen Ländern weit verzweigt. Euripides hat bereits folgendes Wort in den Mund einer seiner Personen gelegt: ") So haben die Opferstammen nichts getaugt und nichts die Vögel stimmen 2c. 2c. ES ist hier schon frei g e i st i g e r 3 Weisel an der Wahrheit dieses Glaubens ausgedrückt. Es ist der Zweifel — in so alter Zeit — vielleicht merkwürdiger, als der Glaube daran. Daß er in der talmudischen Periode unter den Juden bekannt war, ist bereits anderwärts von uns bemerkt. ׳') Daß er in der geonäischen Periode nicht vergessen war, ist aus einer Stelle in den geonäischen Gutachten zu ersehen, wo von einer Frau erzählt wird, daß sie die Sprache der Vögel verstanden hat. 4) Daß der Glaube daran im christlichen Mittelalter noch nicht verschwunden ist, beweist der Umstand, daß in dem Roman der 7 weisen Meister — in der englis ch e n Bearbeitung — die Erzählung von den 2 Nabe n vorkömmt, welche einen Schatz an einem gewissen Platz anzeigten, und welchen jemand, der die Sprache der Raben verstand, wirklich gehoben hat. Diese Erzählung stammt zwar aus dem Orient; hat aber (wenn dieser Glaube nicht schon etwa früher in Europa war) denselben dort eingesührt, oder wenigstenS erhalten und mehr verbreitet. Der Gesang und der Flug der Vögel haben der Phantasie Stoff gegeben sich mit denselben zu beschäftigen, und manches, außerhalb der Natur derselben Liegendes daran zu knüpfen. ״Die Segler der Lüfte" wurden als näher dem Himmel und den Engeln betrachtet, und die Möglichkeit, daß dieselben in höhern Regionen manches Geheimniß erfahren haben, wurde von d. menschlichen Fantasie ins Reich der Wirklichkeit gezogen. Die äußere Sprache der Natur ist hier — von der leichtflatternden Phantasie — mit der 311 hm ft in Verbindung gebracht.(i) Es ist übrigens überflüssig zu bemerken, daß kein wirklicher Zusammenhang stattsindet. Der Wunsch des Menschen, die Zukunft zu keimen, hat dieser Täuschung die Geburt gegeben. Täuschungen haben ein zähes Leben. Diese Zähigkeit ist ihre Geschichte. Das Morgen hat oft taS Heute getrübt, vielleicht in unnöthiger Weise. Der Spruch deS Ben Sira7) אל ״ .חצר צרח מהרAengstige dich nicht um das Leid von morgen" — zur Zeit gebraucht — ist als bestes Präservativ gegen diese Krankheit zu betrachten. Ob die Vögel wirklich gesprochen haben, und — wenn dieses der Fall war — ob sie noch sprechen, ist uns so wenig bekannt, als dem Leser. Zu uns hat bis jetzt kein Vogel gesprochen. Man hat es aber einst allgemein geglaubt. Dies ist für die Geschichte hinreichend, eS in das Buch der Ereignisse einzutragen. Um das vermeintliche Faktum mag bescheiden sich die Reflerion schlingen. Der Nabe, auf welchen bereits die Ansmerksamkeit der r ö m i s ch c n A u g u r e n gelenkt war, begegnet uns auch hier. In der Kette der Anschauungen, wofür er berühmt ist, ist dies ein Ring, welcher der Betrachtung werth ist. In der Anschauung des Orients stehet der Rabe mit der Idee von Zauberei und Kenntnis) der Zutun ft in enger Verbindung. ES begegnet uns in dem I g e r e t h B aa le Ch aj i m (vergl. weiter unten) der Ausdruck ״der Rabe der Zauderer" (העורב ר,קוסם) als stehende Charakteristik. Es dauerte wohl sehr lange, bis sich eine solche Bezeichnung fest zu setzen vermochte. Der melancholische Eharacter des Raben mochte wohl zu dieser Anschauung beigetragen haben. Der melancholische Charakter des Naben, welcher denselben mit d. Idee von Zukunft in Verbindung brachte, mochte auch wol beigetragen haben, die Idee von Trennung der Freunde mit demselben in Zusammenhang zu bringen. Das Sanftelegische der Trennung, die dunkeln Gefühle, welche sie in der Brust erregt, hat sich so verkettet mit der allgemeinen Dunkelheit der Zukunft. Die Symbolik kann Verschiedenartiges in einem Gegenstände vereinigen. ״Der Rabe der Trennung" ist ein stehendes Bild bei arabischen Dichtern, so lvic auch bei hebräischen die maurisch-spanischen Periode. Es begegnet uns bei denselben der Ausdruck: 7״עורב הפרידה) Die T r e n n n u g ist der Inhalt vieler Elegien. 8) ,Tod und Trennuug der Geliebten—sagt ein arab. Spruch — sind eins."In diesem Spruche liegt der Schlüssel zum allgemeinen Verständniß aller dieser Elegien. Es war d. Superstition, ohne Wirklichkeit in der Natur, welche diese Anschauungen ins Leben gerufen hat. Gebilde der menschlichen beweglichen Fantasie, sind sie interessant für die Geschichte des Gebrauchs derselben. Hat Superstition frühzeitig hier, wie auf so vielen andern Seiten, ihren reichlichen Antheil genommen an

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