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Ben Chananja · 1862-07-11 · 28 (11.7.1862) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
28 (11.7.1862)
Date
1862-07-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage znm ״Ben Chananja" Nr. 28 Geehrtester Herr Nedaktenr! In Nro 10 Ihres geschätzten Blattes, die ich sammt den folgenden Nummern erst gestern von einem auöwärtigen Freunde erhalten, recensirt Hr. Dr. Duschak meine Erklärung der räthse l hafte n Jalkutstelle, die ich im 27. Hefte כוכבי יצהק Seite 15 gegeben, in einer Weise, die ich nicht mit Stillschweigen hinnehmen darf. ״Hr. Dr. Unger," heißt eS in der erwähnten Nummmcr Seite 84, ״erklärt das ,-“ילא נס 1לי Jalkut 34 mit dem lateinischen volans, eine Erklärung, die ganz eigemhümlicher und abenteuerlicher Natur ist; denn wenn auch einige Termen (?) d. Bibel später präzistrt (soll wohl heißen: gräcisirt) wurden, so ist es unerhört, (!) daß ein Rabbi sagen sollte: lies nicht ולא נס sondern volans." Der geehrte Reeenscnt muß die originelle Behandlungsweise des sprachlichen Elementes im Talmud und Midrasch von einem schiefen Gesichtspunkte ans betrachten, sonst würde eS ihm nicht ״unerhört" klingen, wenn sich ein Rabbi, der mit Römern verkehrt und ihre Sprache spricht, ähnliche linguistische Spielereien in dieser Sprache erlaubt, wie ein Rabbi, der wiederum unter Griechen lebt, im Griechischen. — Oder denkt vielleicht der Hr. Dr. D. an die talmudische Auslegnng von ׳יפת אלקים ליפת und hält die unwissenschaftliche, ich möchte fast sagen, irrationale Methode, welche die Elemente zweier Sprachen, ungeachtet ihrer organischen Verschiedenheit. in äußere Berührung bringt, und dadurch eine innere Durchdringung derselben vollzogen zu haben vermeint, für das ausschließliche Prärogativ der griechischen Sprache? — Uns scheint diese Ansicht weder psicholvgisch, noch historisch gerechtfertigt. Vielmehr sind wir geneigt, in der ganzen abnormen Erscheinung der etymologischen Eregese im Talmud das Schoßkind jenes spielenden Witzes zu erblicken, der sich immer nur auf der Oberfläche der Dinge hält, der an seinem Substrat nur die äußere Schale beachtet, unbekümmert um dessen inneren Kern, der jeden Einfall, jeden Gedankenblitz, mag er noch so sonderbar, noch so unlogisch und unvernünftig sein, um jeden Preis festhält, und ihn zu Markte trägt; mit einem Worte, der sich momentan seider blendet, in der Erwartung, dadurch auch Andere zu blenden. Daß sich jene Midrasch-Eregeteu der Unwisseuschaftlichkeit ihrer Sprachforschung — sit venia verbo — wohl bewußt waren, wird doch Niemand bezweifeln wollen. Wenn sie nun nicht destoweniger, einem individuellen, äugenblicklichen Zuge folgend, ihren witzigen Einfall an den Mann brachten, so geschah eS sicherlich unter der Voraussetzung, daß der spielende Witz eben nur als solcher zur Geltung gelangen wird. Erwägt man nur die entschiedene Toleranz deö Talmuds gegen fremde Sprachen; denkt man an den Ausspruch des R. JSmacl: מה פטיש זה גהלק לכמה ניצוצות אף כל דבור ודבור שיצא מפי הק״בה נהלק לשבעים לשונות (Sabb. fol. 88 b.), ferner an die Worte des R. Jonathan: ד׳ לשונות נאים שישתמש בהן העול־^ם לומר רומי ל־*קרב סירסי לאילייא עברי לדבור wS ואלו הן (Jernsch. Megil. fol. 5. b.), so wird eö einleuchten, daß eS den: spielenden Witzc gleichgültig sein ml!ßte, in welcher Sprache er zur Mauifestatiou gelangte.— So viel zur Steuer der richtigen Auffassung des Geistes der etymologischen Eregese in den beiden Talmüden und Midraschim. Bezüglich der Autorschaft der in Rede stehenden Jalkut-Stelle bemerken wir hier gelegeuheitlich, daß wir ר׳ אליעזר הנדול für den Autor derselben halten, der wahrscheiulich an der Spitze der Deputation gestanden, welche sich zur Audienz bei dem damaligen Kaiser nach Rom begcbeit hatte, und der Sprecher derselben gewesen, da er im Jeruschalmi (Synhedr.) zuerst genannt wird. (Vrgl. Z. Frankel, Hodegetik, Seite 82). Bedenkt man nun, daß R. Elieser ein Freund deö נוטריקון ist, daß er beispielsweise das Wort 7,פר (I. M. 49, 4) als Abbreviatur von פותה הבתה ולתא (Sabb. fol. 55 b, wo statt אלעור richtiger אליעזר zu lesen ist), das Wort 21 ,77 .4) נהית) als Abbreviatur von ... נוראות ... חרונך ... ימינך ... תהום (Jalkut II. §. 818) erklärt; so brauchte er nur einen Schritt in der freien Eregese weiter zu thun, um aus zwei hebrätschen Wörtern einen lateinischen Wortcompler zu bilden. Schließlich muß ich noch bemerken, daß die Erklärung des Hrn Dr. Jelliuek von נשקו בר , deren in genanntcn Artikel deö Hru Dr. Duschak Erwähnung geschieht, sich bereits bei August! (Vgl. 1)6 Wette, Commentar über die Psal., zur betreff. Stelle) findet. Eine ähnliche Vermeidung deö Gleichklanges findet sich bei Cicero (ad Att. 1, 19): ״nullam a me epistolam ad te sino absque argumento pervenire,“ wo er an dieser einzigen Stelle daS veraltete absque braucht, um der Assonanz von sino sine auszuweichen. Mit der freundlichsten Bitte, diese Zeilen in die nächste Nummer Ihres geschätzten Blattes aufnehmen zu wollen, zeichne ich hochachtungsvoll und ergebenst Jglau, % 1862. Dr. I. I. Unger, Rabbiner. Ein iiuverschiimtes Plagiat. Vor Kurzem prasentirte sich hierein Mann, Namens I.... G.. der sich Dr. und Rabbiner zu P . . .

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