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Ben Chananja · 1862-07-11 · 28 (11.7.1862) · p. Seite 244

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
28 (11.7.1862)
Date
1862-07-11
Page
Seite 244 (sequence 10)
Language
German
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244 nannte, und seiner Angabe nach ein Märtyrer seiner religiösen Ueberzeugung war, indem er von der Bewerbung um die Rabbinerstelle zu St.... einzig und allein aus dem Grunde zurückgetreten, weil in der dortigen Gemeinde der ירט שבי nicht mehr in Ehren gehalten würde. Dieses Märtyrerthum wollte er sich natürlich durch klingende Münze sowohl von frommen als nicht frommen Glanbenöbrüdern bezahlen lassen. Doch nicht nur als orthodorer Märtyrer, sondern auch als gelehrter Autor wollte er seinen Anspruch auf die allgemeiue Unterstützung geltend machen und zu diesem Zwecke präsentirte er überall eine Predigt, die er ״seiner ehrsamen Gemeinde zu P.. . in Achtung und Liebe gewidmet." Der Titel dieser Predigt ist: ״Jsrael's National- Charakter in seiner Licht- und Schattenseite betrachtet. Eine Homilie, vorgetragen am Sabbath Woero 5622 im Januar 1861 von Dr. I.... G., Rabbiner zu P..." — Als mir diese Predigt zu Gesichte kam, erinnerte ich mich sofort einer ähnlichen Predigt, die mir ein verehrter Freund vor 2 Jahren von einer Badreise mitbrachte. Nach einigem Suchen gelang cs mir wirklich, dieses Eremplar zu finden und siehe da, cS war richtig dieselbe Predigt Wort für Wort, gleichfalls ״der ehrsamen Gemeinde zu P... in Achtung und Liebe gewidmet," nur mit dem Unterschiede, daß auf dem Titelblatte anstatt ״Eine Homilie," ״eine Homise" stand und anstatt ״am Sabbat Woero 5622 im Januar 1861" (NB. dieser Sabbath fiel bekanntlich im Dezember 1860) am Sabbath Waero 5620 im Jänner 1860 vorgetragen war. UebrigenS stand derselbe I.... G.Rabbiner zu P... aber ohne Dr. Titel als Verfasser genannt. War es mir schon sehr verdächtig, daß dieselbe Predigt 2 Jahre nacheinander in derselben Gemeinde gehalten und jedes Mal gewidmet, das eine Mal in Saaz und das andre Mal in Berlin, und jedes Mal derselben ehrsamen Gemeinde in Achtung und Liebe gewidmet sein sollte, so traten mir bei einem Blicke in die Predigt noch andern verdächtigen Judicien entgegen, denn in beiden Ausgaben fehlten gänzlich die an vielen Stellen zu erwartenden Anführuttgen aus Talmud und Midrasch, die nur durch einen leeren Raum angedeutet wurden. War für die erste Ausgabe vielleicht die Entschuldigung, daß die Druckerei in Saaz keine hebräischen Typen hatte, so mußte dieser Grund ja für die 2-te Ausgabe fortfallen, da diese in Berlin veranstaltet war. Jedenfalls hätte ja der gelehrte Rabbiner und Dr., wenn er wirklich der Berfasser wäre, den Mangel der hebräischen Citate durch eine Uebersetzung der zu citirenden Stellen ersetzen könne». Nachdem ich durch All dieses auf die Vermuthung gekommen war, daß hier ein Plagiat vorliege, wollte ich der Sache auf den > Grund kommen, und richtig! da finde ich denn in Nr. 32 der Zeitung des Judenthums von 1857 die Beurtheilung einer Predigt: ״Israels National-Charakter in seiner Licht- und Schattcuseitc betrachtet. Eine Homilie von Dr. M. Zipser, Oberrabbiner zu Stuhlweißenburg. Pesth, 1857." Dieser Titel und der in der Beurtheilung ausführlicher angegebene Inhalt der Predigt, läßt keinen Zweifel übrig, daß der angebliche Dr. und Rabbiner G.ein unverschämtes Plagiat an ciucm geistigen und literarischen Eigenthum des Herrn Dr. Zipser begangen. Ein solch schändlicher literarischer Diebstahl verdient zur Warnung durch die Presse an die Oeffentlichkeit gezogen zu werden. Wenn auch Jeder, der eine homiletische Arbeit veröffentlicht, gewiß Nichts dagegen hat, daß irgend ein College dieselbe, im Drange der Umstände, theilweise oder ganz auf der Kanzel braucht, so kann es sich doch Niemand gefallen lassen, daß seine Geistesprodukre von einem Andern ohne Weiteres als eigne Waare durch den Druck veröffentlicht werden. Herr Dr. Zipser, der so viel ich weiß, auch Mitarbeiter an dieser Zeitung ist, wird er mir daher wohl Dank wissen, daß ich durch diese Veröffentlichung sein geistiges Eigenthum vor fernerem Mißbrauch sicher zu stellen suche, und überlasse ich eö ihm gegen den impertinenten Plagiator, dessen vollen Namen eö durch die Redaktion des ״Ben Chanauja" erfahren kann, weitere Schritte zu thun. — Kopenhagen. Dr. M i e l z i»e r. Miszellen. x. In das um Verleihung eines NegcnS bei außerordentlicher Dürre übliche Gebet hat sich ein sinnentstellender Fehler eingeschlichcn, der in allen Siddurausgabcn unverbeffert nachgedruckt ist. Es ist näinlich allst, d. sonst ganz dunkeln למען טבל באש ובמים רב, בהמש שמוח וכד zu setzen למען טבל המש במים ganz analog dem Passus ובור סקיד שחות טובל המש טבילוח במים im Schlußpim des Mllffafgebetcs für das Schlußfest (ובור ^ב נמשן- ובי), wclchem das ganze Stück בוכות יוקה ובי — מן השמים der Regcnliturgie entnolninen zu sein scheint. — Kojeteill. Nabb. Z. Brüll. XI. אמר ר׳ נחמן בכל מקום שנהגו ובו׳ ותרגומא נהרדעא שאר בבל מאי? (Bab. Bathra 145, a). Alle mir vorliegenden Talmnd.auögabell haben בכל (S. Raschi zur Stelle); ich halte jedoch dafür. daß hier בבל zu lese» sei statt בכל, wodurch allein die sonst unerklärliche Stelle ihre ungekünstelte Erklärung enthält. Man vergl. die Erub. 45, a und Bab. Kam. 83, a im Namen desselben Autors angesührten Sätze: בב^ כעיר הסמוכה ^ססר דמי תרגומה נהררעא, wo der Name בבל blvs ans נהרדעא beschränkt wird, und man wird die Nichtigkeit meiner Bemerkung erkennen. Es wird hier nämlich das בבל, מקום שנהגו ובי auf נהרדעא speciaUsirl, worauf die Frage gut paßt: שאר בבל מאי? — Kojeteill. Nabb. Z. B r ü l l. Druck von Sigmund Burger in Szegedi».

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