Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 28 (11.7.1862)
- Date
- 1862-07-11
- Page
- Seite 240 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Bänfi-Hnuyad (600), Tasnäd (500), Maros-Viisärliely (500), Fogaras (400, hat eine niedliche Synagoge mit Thurm nnd Uhr), Alör 11. D6zs (mit je 250 S.) In KarlSbnrg ist auch eine kleine scfardilche Gemeinde. Es gibt im Lande eine mäßige Zahl von jüd. Grimdbesitzer» und Pächtern, welche sich ausschließlich mit der Landwirtschaft beschäftigen. Handwerker gibt es nicht eben viele, sie sind fast lammtlich Eingewanderte; die Einheimischen widmen ihre Kinder nur selten dem Handwerke. Der Handel mit LandeSprodnktcn und Manufaktur- Waarcn ist die Erwerbsquelle vieler Familien;' Brennereien sind zumeist in jüdische» Händen. Hin und wieder findet man jnd. Stadtärzte, und verdienten die med. Doktoren Reiner und Kalman besonders nahmhast gemacht zn werden. Die Bildungsstufe unserer hierländischen GlanbenSbrüder ist leider im Ganzen eine sehr tiefe; ihre Umgangsspräche ist der polnische Jargon, doch begegnet man auch Familien, in deren Kreise die nng. Sprache einheimisch ist. jur. Dr. Fischer hat sich als nng. Schriftsteller bemerkbar gemacht. Die erste Einwanderung der Inden soll schon in frühen Zeiten geschehen sein. In den südwestlichen Gegenden Siebenbürgens redet die Sage von vormaligen jüdischen Ortschäften und Festungen, nnd wen» der Bauer in Hnnyad von einer entfernten Bcrgangenhcit reden will, sagt er: ״das geschah noch zur Zeit der Juden!" Ich kam mit belesenen Ungar» zusammen, welche die Meinung anssprachcn, daß d. Inden schon unter d. Dazischen Heersnhrer Dezeba luS also während der Herrschaft d. Kais. Domitian, in Siebenbürgen einwandcrlen. Andere meinen. die erste jüd. Ein- Wanderung habe gegen Ende deö 15. Jahrhunderts stattgefunden, »nd ist cö erwiesen, daß sie sich in früheren Zeiten mit Goldwäschen bcschäftiget haben, was ihnen jedoch später verboten wurde. Die Stimmung gegen sic hat sich in den letzten Jahren etwas gebessert, selbst bei den Sachsen, unter denen früher der Sitz des vollblütigsten mittelalterlichcn Judenhasses war. Der Beschützer der Siebend. Juden war bis zum Jahre 1848 der katholische Landesbischof. Ihm stand die Inrisdiktion über die Juden zu, nnd er hatte das Recht, den Landcörabbincr zu bestätigen. (Schluß folgt.) Literarische Äuzeigeii. Rom und Jerusalem, die letzte Notivnalitäts-Frage. Briefe und Noten. Von M. Heß, korresp. Mitgl. d. Berliner filos. Gesellsch., Rcdakt. d. ehemal. Rhein. Ztg. Leipzig, 1862. 8. XVI. 239. (Fortsetzung.') Der Hr. Vrf. bat entschieden darin Recht, daß sich auch in der nachbiblischcn Literatur nnd in der Liturgie eine glühende Liebe zn dem h. Lande knndgibt. Durch Bcrusung aus Gebräuche, welche zum Theil sehr jungen Ursprungs sind, zum Theil nicht hicher gehören, wird aber dieselbe nicht anschaulich gemacht; viel besser thun dies die Lehrer der thalmndischer Zeit. Was zunächst die geografische Lage betrifft, so bildet ihnen das Land der Bäter den Mittelpunkt, den Nabel der Erde, eine Vorstellung, welche fich schon in den jüngeren biblischen Büchern findet,') und mit den Vorstellungen von China als dem Reiche der Mitte, von Mcru, Albordsch, Mekka, Olymp nnd Dclfi zu vergleichen ist. Medien führte sogar den Namen: ״Die Mitte" (nmdya), weil es nach der Meinung der Meder in der Mitte von Asien lag.׳) In fisisch-gcografischer Beziehung ist Palästina den Lehrern des Thalmud das höchste aller Länder;") daß daselbst im buchstäblichen Sinne Milch und Honig fließen, berichte» Einzelne ans autoptischer Wahrnehmung. Besonders wird die Süßigkeit und berauschende Kraft des Obstes am See von Gcnezareth gepriesen. 5) Um die unfruchtbare Umgebung Jerusalcms zu rechtfertigen, nahm man zn folgender Reflerio» seine Zuflucht: Warn», findet sich kein Genezareth-Obst i» Jerusalem? Damit die Fcstwallfahrcr nicht solle» sagen können: Schon der Genuß des köstlichen Obstes entschädigt uns für die Mühseligkeit der Reise! wodurch der Wallfahrt das religiöse Verdienst abhanden gckonimeu wäre.") Aber nicht nur wegen seiner Bodensondern auch wegen seiner Geistes- Lrzengttissc, wegen seines veredelnden Einflusses auf die Thätigkciteu der Seele wurde das Land der Väter über alle übrigen Länder crhobei,: ״Die Luft des Landes Jsrae l's macht gelehrt!" Ein Ausspruch, welcher allerdings von dem Babilonischen Emigranten N. Sera herrührt, der gegen die Methode seiner Landsleute, über die auch Na poport den Stab brach, sehr eingenommen war;׳) cs haben sich aber auch andere Babilonische Lehrer den Palästinensern untcrgcordnet. 8) Noch merkwürdiger ist die dem h. Lande zngcschriebcne bcschwichtigendc Einwirkung aus Affekte und Leidenschaften: Die Schriftgelehrten in Babilon sind zänkisch und streitlustig, die im h. Lande voll Sanstmuth nnd Friedfertigkeit; jene sind der milde, diese der vcrwnndendc Stab des Profeten Zacharias; ״) die gegenseitige Feindschaft der Babilenicr ist sprichwörtlich geworden. Die AtmoSfäre des h. Landes wirkt so wohlthätig ans das Gemüth, das selbst der Jähzornigstc milde gestimmt wird, sobald er die Grenze des h. Landes überschreitet. ") Die Bevorzugung der ehemaligen Heimat Jsrael's bildet zugleich auch ein sehr wesentliches Moment der thalmudischcu Rechtslehre: Jeder Ehegcnosse hat das Recht, die Auswanderung nach Palästiua zn verlangen, »nd gib! ihm die Weigerung deö andern Theils das Recht, ans Zwaugschcidung zu dringen. u) Kassel bemerkt hierzu, daß die Tosafine» dicic Besiimmnng als für unsere Zeit aufgehoben und nicht mehr anwendbar betrachten, weil die Reise nach Palästina mit zn vielen Gefahren verbunden sei, und der Aufenthalt daselbst zn vielen Handlungen verpflichte, die wir nicht mehr recht beobachten können. u/' In Wahrheit ist der Tosasist N. Chajim mit dieser Meinung isolirt geblieben, die übrigen Kasuisten halten sich an den Thalmud. M) Wenn die Dame, welcher d. Hr. Vrf. seine Messianischcn Kolonisationspläne mitiheilt, für deren Realisirnng gewonnen würde, so steht es ihr »ach tbalmndischem Ehcrechte frei, die Initiative zu ergreifen, und ihren Gatten in Marschbereitschaft zu halten. Und wenn ihr Beispiel nichr isolirt bleibt, so könnte der Glanz, welchen die Haggada über die Frauen Jsrael's zur Zcir der Befreiung aus Aegypten vcrbrcitet, und dessen auch d. Hr. Vrf. erwähnt, (S. 2), von den heutigen jüd. Frauen leicht verdunkelt werden! Die ״patriotischen" Grundsätze, die im Familienleben entscheiden, sind auch für das Leben der Gemeinde und für die nationclle Gcrcchtigkcitöpflege, ja selbst die profctische Inspiration maßgebend und entscheidend. Den Armen im h. Lande gebührt die Priorität der Untcrstützung. '׳') Nur innerhalb der Grenzen dieses Landes kann die Semikha oder Ordination für das autonome Richteramt giltig vollzogen werden; '") nur ans dem ״gewählten" Boden desselben werden den Profeten göttliche Enthüllungen zu Theit. '7) Mehr als alles dies wird aber Hr». H. und manchen Leser d. Bl. die Maimonidische Doktrin überraschen, »ach welcher der jüdische Kalender mit der damit verbundenen Feier der Feste bis auf den heutigen Tag von den Palästinensern abhäugt, so daß die jüd. Festesfeier unterbrochen würde, sobald es in Palästina keine der Kalenderberechnnng kundige Israeliten gäbe! '8) Nachmanides widerspricht allerdings dieser Doktrin, aber MaimonideS hält dieselbe für dogmatisch-fundamental (שרש גד־לל משרשי האמונה)!'") Hierin liegt auch der wichtigste Grund, weshalb dicOrthodorie so sehr beflissen ist, für die Erhaltung der Glaubenöbrüdcr in Palästina Sorge zu tragen. Gäbe es in Palästina keine Juden, so könnte die Legitimität der jnd. Festfeier mit allen damit verbundenen Riten in Zweifel gezogen werden! Die Maimonidische Doktrin, welche vorzüglich antikaraitische Tendenz hat, hängt mit der alte» Bestimmung der Monate durch jedesmalige Beobachtung der Mondfase» znsammcn. Bei den Karäern ist dies bis auf den heutig. Tag üblich, u. findet sich eine ähnliche Einrichtung auch bei den heutigen Türken. Da nun die Monatbestimmung ausschließlich von Palästina ausging, so waren die zerstreuten Israeliten von den Palästinensischen Schristge-