Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 28 (11.7.1862)
- Date
- 1862-07-11
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Nichts geschaffene Urmaterien, eine, aus welcher der Himmel und eine andere, aus welcher die Erde herausgebildet ward. Die Urmaterie führt in der Bibel den Namen Tohn, was das Unbestimmte, Qualitätlose bezeichnet, während die Form Bohu heißt. Der Leser erinnert sich wol, daß es ursprünglich Abraham ben Chija war, der Tohn und Bohn auf Materie und Form bezog — Nachmani hat noch sonst Ansichten dieses Autors recipirt, ohne dessen Namen zu nennen. 4) Wenn jedoch, fährt Nachmani fort, die Schrift sagt ״am Anfänge schuf Gott Himmel und Erde," so sind hier bloß die beiden Urmaterien gemeint, die in ziokentia Hirnmel und Erde in sich trugen. Die Schrift selber füge dies erklärend hinzu: ״Die Erde war Tohn bis Bohn (die Form) hinzu kam." Dieses Bohu begreift aber eine vierfache Form in sich: Erde, Wasser, Luft u. Feuer. Sämmtliche -4 werden hier von der Schrift genannt; nur erscheine da das Feuer unter dem Namen ״Fiusternißweil das Elementarfener finster (d, i. unsichtbar) ist, sonst hätte des Nachts die Athmosfäre geröthet sein müssen. Obschon Südfranzose von Geburt, doch der speknlativen Richtung nach durch und durch der arabisch-jüdischen Schule angehörend, hat Levi ben Gerson in seiner Schrift Milchamoth (lib VI., 1) der hier behandelten Frage eine höchst umfangreiche Abhandlung gewidmet. Mainmui'ö Hauptbeweis für die Weltschöpfnug, schon von den Mutakallimnn ausgestellt — bei ihnen אלבכציץ genannt, — dann von M. seinem Systeme gemäß entwickelt, tritt uns bei Gersonides wiederum modificirt entgegen. Neu dürfte bei Ralbag nur der Beweis von der relativen Jugend der Wissenschaften sein, welche Jugend bei dem der Menschheit innewohnenden Drang nach Wissenschaft ganz unerklärlich wäre, wenn die Welt von Ewigkeit her sein sollte. — Doch mehr Sensation als seine Beweise s. d. Anfänglichkeit der Welt erregte seine Behauptung v. d. Ewigkeit d. Urmaterie. Und obschon Gersonides nicht der Erste war, der diese kühne Behauptung so frei und unumwunden aufstellte, da ihm hierin der nicht minder kühne Albalag schon voranging, ׳') so erregte diese Behauptung aus dem Munde deö so berühmten Gersonides, der neben seinem filosofischen Rufe auch als talmudischer Gelehrter einen Namen hattet) doch noch weit größeres Aufsehen. — Er konnte sich die Welt ebensowenig aus einem bereits geformten Sein hervorgegangen denken, wie auö einem absoluten Nichts, und setzte daher die ewige Urmaterie, die die Mitte zwischen den beiden, dem Seienden und dem Nichtseienden hält. Noch weiter scheint freilich Mose Narbonni gegangen zu sein, da er in seinen Morekommentare sogar für Aristoteles Lehre der Weltewigkeit gegen die Einwürfe Maimuni's Parthci nimmt. Judeß liegt es in der Art dieses Autors, stets so verholen und dunkel seine freisinnigen Gedanken auszudrücken, daß man auch in dieser Frage nicht recht weiß, was seine eigentliche Ansicht sei. Dagegen tritt Chasdai KreSkas entschieden gegen Ralbag auf und weist nach, welch Unsinn darin liege, für die Welteristenz zwei Principien zu setzen, von denen das eine (Gott) die höchste Vollkommenheit und das andere (die aller Form baare Urmaterie) die höchste Mangelhaftigkeit repräsentirt. Auch wäre es ganz unfilososisch anzunehmen, daß die Urmaterie, wenn ebenso absolut (ר מהוייב ההציא^ת ens a 86 8. causa sui) wie Gott selber, den Einwirkungen Gottes sich gefügt hätte. Auch sei es ganz sonderbar, daß ein sonst so scharfblickender Denker mit sich selbst in solch großen Widerspruch gcrathen konnte, indem Ralbag einerseits die specielle Providenz Gottes und dessen Kenntniß der Einzeldinge (יריעה פרטיח) negirt, und andererseits gleichwol das Einwirken Gotteö ans das Einzelding der Urmaterie behauptet. ׳) Auch Kreökas geistvoller Schüler, Josef Aldo, ist für die Schöpfung aus dem absoluten Nichts. Denn da Gott als über alle Mängel erhaben spekulativ erwiesen wurde, so hieße es, ihm einen Mangel zusprechen, wenn er Etwas aus dem Nichts zu schaffen nicht im Stande sein sollte, b) — Albo hätte da freilich noch hinznfügen können: Auch hieße das, den Menschen h ö h e r st eklen als Gott, da der Mensch nach freiem Willen handeln kann, Gott hingegen, bei Annahme einer Naturnothwendigkeit, unfrei gedacht lverden müßte! — Für die Schöpfung ans dem absoluten Nichts erklärt sich auch A b b a M a r i. ״Deshalb beginnt die Lehre mit der Schöpsnugsgeschichte, sagt er, um diesen Glauben in unfern Herzen zu befestigen, wie einen Nagel, der nicht wanken kann."") Jsak Abravanel schrieb eine Monografie 10) zur Erklärung jener Moreabschuitte, die die Schöpfung ans Nichts zum Vorwürfe haben. Auch Abraham Schal»m ״) kämpft mit spekulativen Waffen für diese Wahrheit. Die Karäer sind druchgängs für die ereatio ex 11iliilo, ja bei Elia Beschitzi bildet dieselbe den ersten Glaubenöartikel, 12) bei Inda Ha-Abel '׳') den dritten Gruudartikel. Ahron ben Josef") und Ahron ben Elia 15) beftreiten ebenso die ewige Urmaterie. Es dürfte zur Vervollständigung gegenwärtigen Artikelö angezeigt erscheinen, auch die hieherbezüglichen Doktrineu der Kabbala anznführeu. Da sich indes; unsere Arbeit nur speciell den Filosofenschulen zugewendet hat, so müssen wir uns mit jener hier nur kurz abfinden. Die spekulative Kabbala (zum Unterschied von der praktischen) ging von dem Gedanken aus, die mosaische Schöpsnngs-