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Ben Chananja · 1862-06-27 · 26 (27.6.1862) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
26 (27.6.1862)
Date
1862-06-27
Page
Seite 222 (sequence 4)
Language
German
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heben daraus das Wichtigste hervor. Man fragte: Da bei Gott an eine Störung oder Verhinderung ebensowenig als an eine Willensänderung zu denken ist, wie erklärt es stch demnach, daß Gott in einer bestimmten Zeit und nicht früher schon die Welt erschaffen? Dagegen bemerkt Maimuni: dieser Einwurf geht von der Voraussetzung aus, daß der menschliche Wille mit dem göttlichen von einerlei Art sei, was aber grundfalsch ist, da hier der Name Wille nur rein als Homonym zu betrachten ist. Der menschliche Wille bekommt seinen materiellen Inhalt von außen her und erhält, weil eben immer nur ans etwas außerhalb seiner Liegendes gerichtet, Impulse sowol als Störungen von den Dingen. Der Wille Gottes hingegen hat keine» Zweck außerhalb seiner und ein derart Wollender hat weder ein von Außen Jmpcllirendes noch Störendes. — Wendet man dagegen ein, es bleibe immerhin eine Willensänderung, wenn Gott zu einer bestimmten Zeit wollte, was er früher nicht gewollt — so entgegnen wir: darin besteht ja eben das Wesen des Willens: wollen und nicht wollen, ohne das wäre eben gar kein Witte denkbar. Hat Maimuni bisher defensiv für die mosaische Schopfungslehre gekämpft, indem er die Einwürfe der Gegner zurückschlug, um nachzuweisen, daß die Welt nicht ewig sein müsse; so versucht er nun, angreifend den Kampf aufzunehmen, um durch ״Argumente, die der Demonstration nahe kommen"") darznthun, daß sie erschaffen sein müsse — und der More entrollt nun vor feinen Lehrern einige höchst interessante Kapitel, darin M., der scharfsinnige Kenner der aristotelischen Filosofie, dieser mit siegreicher Dialektik den Kampf anbietet. Als eine Konsequenz der Weltewigkeits-Theorie ergibt sich uemlich die Annahme, daß alle Erscheinungen der Natur nicht auf die Absicht eines Beabsichtigenden, sondern auf Naturnothwendigkeit zurückzuführen feien. ES kann daher von dem Anhänger jener Theorie mit Recht gefordert werden, uns d. Zusammenhang aller Dinge nach d. Naturgesehen zu erklären. Wol ist dies Aristoteles in Bezug auf die sublunarische Welt vollkommen befriedigend im Stande. Durch die verschiedenartige Mischung der von den vier Elementen ausgehenden vier Qualitäten läßt sich uemlich die Verschiedenartigkeit der Dinge, obschon sämmtlich auS der Einen Urmaterie hervorgehend, erklären; ebenso wie sich die vierfache Form der Elemente durch die Verschiedenheit ihrer Regionen erklärt. Ja, selbst über die subluuarische Welt hinausgehend wird die Annahme einer von der diesseitigen Materie verschiedenen Materie der Sphären und Gestirne vou Aristoteles ganz befriedigend dargethan. Doch von da weiter wird er uns jede naturgemäße Erklärung schuldig bleiben. Woher die Verschiedenheit in der Richtung und Schnelligkeit der Sphären? Die Angabe, daß die je weitere Entfernung vom obersten Sphärenkreise die rlm so schnellere Bewegung bedingt; wird von den Thatsachen augenscheinlich widerlegt. Denn es gibt Sphären, die, obgleich höher liegend als Andere, dennoch sich schneller bewegen als diese. — Da ferner abweichend von Aristoteles angenommen werden muß, daß die Sphären aus ganz anderer Materie als die Gestirne hervorgcgangen sind, wodurch erklärt sich nun das Verbundensein dieser heterogeuen Wesenheiten? Ueberhaupt muß der Aristotelismus bei Erklärung der Sphären- und Planetenbewegungen zu zwei Hypothesen Zuflucht nehmen — dem Epicyklus und dem ercentrischen Kreis. Beide jedoch widerstreiten den vou ihm selber anderweitig gelehrten Physikalischen Prinzipien. Und so bestätigt sich's, daß Aristoteles, der alle Dinge und Erscheinungen der sublunarischen Welt ihren Ursachen und ihrem Zusammenhänge nach aus die bestimmtesten Naturgesetze zurückzuführen wußte, über die Welt der Sphären einige mathematische Doktrinen abgerechnet, ganz im Unklaren sich befand und lauter Unerklärlichkeiteu begegnete, so daß man hierauf den Spruch anweuden kann: ״Der Himmel ist der Himmel Gottes, nur die Erde hat er den Söhnen Adams gegeben." — Alle Unerklärlichkeiten jedoch schwinden, sobald wir an die Stelle der blinden Naturnothwendigkeit den freien Witten und d'e Absicht eines Beabsichtigenden setzen, der jeder Sphäre nach freier Wahl und Bestimmung die ihr eigenthümliche Schnelligkeit und Bewegung zu eigen gegeben hat. Dieser Beweis, den wir übrigens unfern Lesern bercits einmal vorgeführt, und zwar in der unvollkommenem Fassung und der beschränkten Naturanschauung der Mutakallimuu — von diesen ״der Beweis von der Bestinnnung," arab. אלתכציץ, genannt —■ wird uns noch einmal bei einem höchst bedeutsamen ReligionSfilosofen der nachmaimunischen Zeit, wiederum in etwas anderer Fassung begegnen. Mainmtti ist bisher in dieser Frage einen Weg gegangen, der im Wesentlichen von seinen jüdischen Vorgängern gar nicht abweicht, doch plötzlich schlägt er eine Richtung ein, die fast geeignet war, bei den Strenggläubigen jener Zeit einen gewissen Anstoß zu erregen uni? bei dem später auftauchenden Partheikampf gegen den More mit als Angriffswaffe gegen diesen benützt wurde. Wisse, sagt Maimuni, daß mein Ankärnpfen gegen die Weltewigkeitötheorie nicht daherrührt, weil Stelle» in der Thora ausdrücklich das Gegenthcil besagen, da diese Stellen nicht zahlreicher find als solche, die von Gott in körperlicher Weise sprechen. Wie wir nun diese letztere Stellen in figürlichem Sinne ausdeuteu, um jeden anthropomorfistischen Begriff von Gott ferne zu halten, ebenso und noch viel bester könnten wir allen Stellen der esteren Art einen allegorischen Sinn unterlegen, damit sie der

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