Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-06-27 · 26 (27.6.1862) · p. Seite 223

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
26 (27.6.1862)
Date
1862-06-27
Page
Seite 223 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542998--2665-2546468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

22a Lehre der Weltewigkeit entsprechend werden. Doch zwei Gründe sprechen ihm dagegen: a) Die Unkörperlichkeit Gotteö ist apodiktisch erwiesen, die dagegen lautenden Schriftstellen müssen daher nothgedrungen allegorisch gedeutet werden, was jedoch bei der Weltewigkeit keineswegs der Fall ist. k) Der Glaube an die Unkörperlichkeit verstößt nicht nur gegen keine der mosaischen Grundlehren, sondern ist sogar oberste Wahrheit derselben; dagegen die Annahme der Weltewigkeit, im aristotelischen Sinne, als Weltnothwendigkeit, hieße die Religion in ihren Grundfesten erschüttern, die Wunder der Bibel als Fabel erklären und Alles, waS die Religion hoffen und fürchten läßt, verneinen. — Hierzu kommt dann noch ein höchst wichtiges Moment: Glaubt man nemlich, daß die Welt in einer bestimmten Zeit erschaffen sei, dann schwinden alle Fragen, die man gegen die Offenbarung des Gesetzes zu erheben pflegt: Warum hat sich Gott gerade diesem Mann und nicht einem andern geoffenbart? Warum hat Gott das Gesetz gerade dieser und nicht einer andern Nation ertheilt? Warum hat er gerade Dieses und Jenes geboten und gerade Anderes verboten? All diesen und ähnlichen Fragen stellen wir dann die eine Antwort entgegen: Also hat es der Wille, oder also ha! es die Weisheil Gottes verlangt — ebenso wie er die Welt in einer bestimmten Zeitepoche und in einer bestimmten Form geschaffen, ohne daß wir uns Rechenschaft ablegen können, warum sein Wille oder seine Weisheit gerade diese Zeitepvche und gerade diese Formen gewählt. — Bekennen wir uns dagegen zur Weltnothwendigkeit, dann werden wir auch jenen Fragen in Beziehung der Offenbarung höchstens nur durch Verdrehung und lügenhafte Ausdeutung des einfachen Schriftwortes entgehen können. Und daher, so schließt Maimuni, haben die (jüd.) Gelehrten von jeher — und werden es auch noch ferner — ihr ganzes Leben der spekulativen Durchforschung dieser Frage gewidniet. Denn ist einmal die Schöpfung erwiesen, dann fällt Alles, was die Filosofen gegen die Religion einwenden. Bestätigt sich dagegen die aristotelische Weltewigkeit, dann fällt im Gegentheil die ganze Religion. Solchergestalt hängt Alles von dieser Frage ab. Diese Behauptung Maimuui'S hatte indeß, wie wir sagten, unangenehme Sensation erregt. Wie, — so fragte man sich, d. ganze Wahrheit d. Weltschöpfung hinge demnach nur von der spekulativen Forschung ab, so daß, wenn es einer scharfsinnigen Beweisführung gelingen könnte, die Weltewigkeit darzuthun, die ganze biblische Schöpfungsgeschichte eine allegorische Umdeutung erfahren müßte? Wollte man doch damals im Gegentheil Alles nur von der Schrift, und nichts von der bloßen Forschung abhängig sein lassen?) — Iehuda Alfachar, in dem berühmt gewordenen Briefe an David Kimchit, macht daher diese Behauptung Maimuni'S zu einem der Anklagepunkte gegen ״den Führer der Verirrten, welcher selber in der Irre wandelte." Noch einen Punkt dürfen wir hier nicht übergehen, in dem Maimuni von allen seinen Vorgängern abwich. Obschon nemlich M. die Lehre von der Weltewigkeit zurückweist, so geschieht dies nur a parte ante, indem er der Welt, als zu bestimmter Zeit aus Nichts hervorgegangen, einen Anfang zuschreibt; doch a parte post ist nach ihm die Welt immerhin ewig zu nennen, da das von Gott einmal ins Sein gerufene Meisterwerk wol nicht wieder der Vernichtung anheim gegeben wird. Man wende aber dagegen nicht mit dem aristotelischen Satze ein, daß alles Entstandene auch wieder dem Vergehen unterworfen sein müsse, da dieser Satz nur aus das Werden in der schon vorhandenen Welt, nicht aber auf das Urwerden seine An- Wendung findet. Sind doch auch die Seelen der Trefflichen unvergänglich, obwohl sie geschaffen sind. DaS Vergehen eines Bestehenden oder selbst nur die Alterirung desselben ist mir da anzunehmen, wo ein Z uwenig oder ein Zuviel stattfiudet und mithin ein Vollkommenerwerden denkbar ist, nicht aber da, wo wie bei der Schöpfung, Alles in höchster Zweckmäßigkeit und Vollkommenheit sich befindet. 10) Wol ist daher Aristoteles im Rechte, von festen und nicht alterirbaren Naturgesetzen zu reden; allein selbst diese Stabilität beruht auf dem Willen Gottes, der sie demnach, wo es seiner Weisheit angemessen scheint, auch anfhebt. Daher die Möglichkeit der Wunder. (Schluß folgt.) Ä. n m e r k u » g e n. *)בראיות קרובות למופת בדלאיל תקארב אלברהאן ״) Lrgl. z. B. Raschi zur Misch»» Sanhedr. cap. 10, 1: )אפילו יה*א מודה ומאמין שיהיו המתים אד־*א דלא רמיזא באורייתא כופר הואי יי*) M. findet diesen Gedanken in Kohelet III., 14, ausgesprochen: ידעתי כיכל אשר יעשה האלהים הוא יהיה לעולם עליו אין להוסיף וממנו אין לנרוע. Korrespondenz. Ausland. Paris, 19. Juni. Die Regierung hat dem gesetzgebenden Körper einen Gesetzentwurf unterbreitet, welcher der Wittwe des Kom» pofitenrS Halevi eine Pension von 50000 Fr. sichert. Ueber die Orgelfrage sagt die Vüritö Israeli to, das Organ des franz. RabbinateS: ״Für uns ist die Frage seit langer Zeit gelöst. Die Konferenz der Großrabbinen im Jahre 1856 hat entschieden, daß der Einführung der Orgel kein religiöses Hinderniß im Wege stehe. Wir sehen auch keinen Grund für die Ausschließung dieses ganz vorzüglich religiösen Jnstrnmentes. dessen ernste und eindringliche Klänge ganz geeignet sind, die Majestät des Gottesdienstes zu heben, und die Herzen zu der des GotteshauseS so würdigen Inbrunst und Sammlung emporzutragen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.