Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 25 (20.6.1862)
- Date
- 1862-06-20
- Page
- Seite 215 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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215 bindung zu bringen, welchen Fehler er dadurch gut zu machen sucht, taß er von der ״Biederkeit des ungarischen Volkes״ spricht. welches ״die Gemeinheiten einer solchen entarteten Intelligenz nicht thcilt." Das Verfahren des Stuhlrichters F. stellt nun auch Hr. S. nicht in Abrede; aber indem er dasselbe stillschweigend anerkennt, ist er zu feig, einen Tadel darüber laut werden zu lassen. Ferner ist er illoyal genug, zu verschweigen, daß der 8ikiüscr Korrespondent ausdrücklich von der Biederkeit des ungarischen Volkes gesprochen hat. Damit nicht zufrieden, entblödet er sich nicht,, die Person eines gebildclen Glaubensgenossen in Siklös an den Pranger zu stellen. Hält der Lehrer Seligmann dies für ungarische Großmuth? — Die nng. Juden, — darin har Hr. S. Recht, —werden sich durch die Jndenzeitnng in ihren nngarischen Bcstrcbungcil nicht irre machen lassen; eben darum ist es aber unedel und unnöthig, gegen jede Fräse dieser Zeitung in ungarischen Blättern zu Felde zu ziehen, und der Leidenschaftlichkeit mancher Jndenscinde Nahrung znzusühren. Oder meint Hr. S., daß es in Ungarn gar keine Judenfeinde gibt? Liest er den ״Hirnök" nicht? — Jedenfalls dürste ans dem Hergange eine dreifache Lehre zu zie- Yen sein: 1. Ungarische BeaRten sollen sich nicht nnr im Interesse der Gerechtigkeit, sondern auch in dem der nng. Ehre sorgfältig vor jeder Gewaltthätigkcit hüten, um der Presse keinen Stoss zu mißliebigen Berichten zu geben. 2- Berichterstatter, welche ans humanen Motiven die ״Presse" zu Hilfe rufen, mögen sich an vaterländische Journale wenden, und sich strenge an die Sache halte». 3. Die jüd. Korrespondenten ungarifchcr Blätter mögen sich nicht den Anschein geben, als bedürfte das Ungarthnin bei den nng. Juden noch einer Empfehlung oder Befürwortung. Die Herren wissen recht gut, daß dies ganz nnnörhig ist. Daß jede Aufhetzerei gegen einzelne Personeil veruiicden werden müsse, versteht sich von selbst. D Kurtitsch (Araber Koni.), im Juni. Die hiesige, nngefahr 30 Familien zahlende jüd. Gemeinde ist mit ihrem Seclenhirten, dem BezirkSrabb. v. 8imüu<k seit mehreren Jahren in einem Prozesse verwickelt, indem die Gcm. einen eigenen Nabbinen anstcllen und besolden möchte, was aber der BezirkSrabb. nicht zugeben will. Die hiesige jüd. Schule wird auch von romanischen Kindern freguentirt. Die hiesigen größeren Grundbesitzer besolden zwei brave jüdische Handwerker: den Tischler Deutsch und den Schmied Benjamin. Die ArbeitSstätten und Verkanfläden sind am Sabbate gesperrt. — Großwardein, Anfangs Juni. Einer der größten Vorwürfe, den man der hiesigen neuen Gemeinde von sehr achtbarer Seite macht, besteht darin, daß sie sich Magyar-zsidö-közsßg nennt, indem daraus hervorzugehen scheint, als wenn nur die Mitglieder dieser Gemeinde Ungarn, die der andern Gemeinden unseres Vaterlandes aber keine eigentlichen Ungarn wären, während doch nach den Gesetzen von 48 jeder zehn nacheinander folgende Jahre in Ungarn lebende Jsraelit als Ungar betrachtet wird. Wir gestehen eS im Vorhinein, auch wir hätten, um Allem vorznbengen, eine andere Benennung für zweckmäßiger erachtet; da nun aber die Benennung feststeht, wollen wir einen ähnlichen Vorgang, der vor mehr als zwanzig Jahren in einem andern Theile Enropa'ö sich ereignete, in Eriiinerung bringen, der aber durchaus nicht so perhorreszirt wurde. Wir meinen die Gemeinde der Westendsynagoge zu London, die sich im I. 1841 als ״British-JewS" (englische Juden) konstitnirte, ohne daß ein englischer Jude, der dieser Gemeinde nicht angehörte, Anstoß daran genommen hätte. Eö ist wahr, der damalige Chief-Rabbi, der scl. S. Hirschel that die neue Gemeinde in den Bann, und die orthodore Gemeinde unter Vorsitz des edlen Sir MoscS Montesiore sagte sich von den ״englischen Inden," als nicht zu ihr gehörig gänzlich los, ja selbst der 1844 zu Ihrer Majestät Land- und Seerabbiner gewählte Dr. N. M. Adler weigerte sich ein Mitglied der Bnrton-Strcct-Synagogc auf dem isr. Friedhofe begraben zu lassen; aber dies geschah nicht in Folge ihrer Benennung, sondern weil sie einen großen Theil der überkommenen Liturgie abschafften, den beibehaltcncn Theil modisizirten und die Autorität der Altrabbinen mit entschiedener MiSachtung behandelten. Das ist aber hier, Gott sei Dank! nicht der Fall; denn wenn auch in der Schule dem Ungar. Elemente der größtmöglichste Spielraum gewährt ist, so ist doch an der Liturgie nicht gerüttelt worden, die heil. Sprache ist beibehalten, und beschränkt sich das Ungarische auf zwei Lieder, die am Samstag Abends und Morgens gesungen werden. Es liegt daher unserer Ansicht nach nichts Beleidigendes für unsere Glaubcnsbrüdcr in Ungarn in der Benennung M.-zs.-köz8(5g. Ans dem Gömörer Komitate. In diesem Komitate wurde im I. 1849 den Inden die Freizügigkeit von Sr. Majestät gestattek. Im Jahre 1852 haben sämmtliche Juden eine Gemeinde organisirt und den Talyaer Rabbiner M. A. Friedmann zum ComitatS- Rabbiner gewählt, dessen Sitz in Iiima-8zombat war. Nach 6 jährigcr Wirkung verschied er im I. 1857. Nach seinem Sterben theilten sich die Juden wegen ihrer bedeutenden Zunahme in 3 Gemeinden: 2 Rabbinatsbezirke Putnok und Rosenau und ein Oberrabbinat Rimsi-Szombat. In Putnok ist als Rabbiner Hr. Samuel Braun, in Rosenau Hr. Josef Deutsch augcstcllt. In Riwa-8zowdat wirkt der wackere Maisncr. Diese Gemeinde ist nach den Bedürfnissen der Zeit organisirt, besitzt eine 3 klassige Volksschule und außer dem Rabbincr einen Schächter, Vorbeter und Notär. Zur Honorirnng der Domestiken steuert das ganze Komitat bei. Der Geist der Gemeinde ist der der Zivilisation u. Reform. Die jüd. Bevölkerung beläuft sich auf 4—500 Familien, die sich anständig ernähren. Besonders hcrvorznhcbcn ist die Humanität der Christen gegen die Juden. <D Szegedin, 16. Juni. Bei der von der hics. Schlosserzunst vorgenommen Restauration ist der jüd. Meister, Lazar Braun zum zweiten Vorsteher gewählt worden. X Ans dem Waagthale. (Forts, und Schluß.) Nachdem wir gezeigt, daß wir Schulen haben, die sich den andern in Ungarn ohne Scheu an die Seite stellen können, erlauben wir uns die Frage, ob die von der Pester Konferenz gutgeheißenen Paragrase der Schul- Verfassung, die da bestimmen, daß an den jüdischen Schulen Ungarns die nng. Sprache Unterrichtssprache sein solle, und daß in Folge dessen jeder anfzunehmende Lehrer dieser Sprache mächtig sein müsse, auch auf diejenigen Gegenden Ungarns Bezug haben, in welchen die slovakische Sprache herrschend ist. In diesem Falle erlauben wir uns dagegen folgende Bemerkungen: 1. Waren unseres Wissens die slovakischen Gegenden bei der stattgchabtcn Conferenz entweder gar nicht, oder nnr sehr spärlich pertreten. Und wie konnte dies anders kommen, nachdem die Cinladnngen zur Conferenz erst wenige Tage vor Beginn derselben anlangten? Herr Oberrabbiner Wciffe hat in einem Schreiben an den geehrten ungarischen Verein die Ursache seines Nichterscheinens angegeben und zugleich die Ideen mitgetheilt, nach welchen die Schule zu W. N. geleitet wird, um auf solche Weise die hiesige Anstalt geistig z» vertreten. Er machte zugleich die Bemerkung, daß von einer Einführung der nng. Sprache als Unterrichtssprache an der Schule zu W. N. eben so wenig die Rede sein kann, wie an der ersten besten nicht jüdischen Schule in irgend einem slovakischen Dorfe. 2. Wäre es gewiß unpädagogisch, ja rein unmöglich Kinder in einer Sprache zu unterrichten, die sie nicht verstehen. Machte nun auch in unseren Gegenden die slovakische Sprache ihr Recht geltend, und denken wir daran, daß wir hebräisch anerkannt nothwendig unter-