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Ben Chananja · 1862-06-20 · 25 (20.6.1862) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
25 (20.6.1862)
Date
1862-06-20
Page
Seite 213 (sequence 3)
Language
German
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213 metafisischen Probleme zu Felde gezogen. Nach Maimunt gibt eö keinen einzigen apodiktischen Beweis für die Anfanglichkeit der Welt. ״Das Höchste, was der Theolog in dieser Beziehung zu leisten im Stande ist," so lauten hierüber seine eigenen Worte, ״bestehet darin, daß er die Argumente für die Ewigkeit der Welt zu entkräften suche — und wie herrlich, wenn ihm dies gelingt! — Denn wie jedem wahrheitliebenden und sich nicht selbsttäuschenden Forscher längst bekannt, ist das Problem über die Ewigkeit oder Entstandenheit der Welt durch keine entscheidende Demonstration zu lösen, sondern bildet gleichsam die Gesichtögrenze des menschlichen Verstandes, wie schon der Umstand beweist, daß seit 3000 Jahren die Filosofen aller Jahrhunderte über diese Materie im Streite sind." נ)— Eine Stelle, die übrigens Knsari auch hat: ״Was die Frage über Erschaffung und Ewigkeit der Welt betrifft, so ist diese von großer Schwierigkeit, da die Gründe für beide sich das Gleichgewicht halten." ׳) Vrgl. auch Levi ben Gerson, Commentar zu Genes. am Ans. M. widmet dieser Frage einen großen Theil des More,;J) indem er einen doppelten Weg einschlägt. Denn nachdem er nachzuweisen gesucht, daß alle von den Filosofen gegen die Weltschöpfung geführten Beweise 4) widerlegbar seien, erhebt er Argumente, um die im Mosaismns feststehende Lehre vom Weltanfang annehmbarer und einleuchtender, als die von den Filosofen verfochtene Lehre von der Weltewigkeit zu machen. Einen wichtigen Schlag gegen seine filosofischen Gegner glaubt M. vor Allem dadurch auszuführen, daß er nachweist, wie Aristoteles selber, ihr kompetentester Gewährsmann, durchaus nicht behaupten wollte, er habe eine Demonstration oder einen apodiktischen Beweis für die Weltewigkeit. Hatte doch Aristoteles ausdrücklich gesagt, ״es gebe Probleme, für die wir keineswegs ein entscheidendes Argument besitzen, da sie zu transcendent sind, um darüber ein Warum auszusprechen, wie z. B. das Problem, ob die Welt ewig, oder nicht ewig fei.5״) — Wie ließe sich überhaupt annehmen, Aristoteles, der Vater der Logik, von dem die Menschen überhaupt erst die Methode der wahren Demonstration in ihren Regeln und Bedingnissen gelernt, Hütte seine Argumente für die Weltewigkeit als Demonstration betrachtet, nachdem er sagt, er müsse, ehe er den Lesern seine eigenen Argumente vorführt, zuvor diejenigeu seiner Gegner mittheiln, weil sonst seine eigenen Argumente zu schwach und unzureichend befunden werden möchten. ") — Könnte es aber je einem Manne wie Aristoteles in den Sinn kommen, eine wirklich demonstrativ erwiesene Theorie werde zu schwach befunden werden, so lange ihr nicht die noch schwächeren Argumente der gegnerischen Theorie als Folie gegenüber gestellt werden? Wir haben bereits früher gezeigt, daß M. sämmtliche gegen die Weltschöpfnng geltend gemachte Einwürfe in eine zweifache Beweisform eintheilt, nämlich in eine kosmologische und eine ontologische. Maimuni'S höchst scharffinnige Widerlegung der koSmologischen Beweisform verdient hier hervorgehoben zu werden. Aus der Natur der eristirenden Dinge, sagt Maimuni, wollte man die Beweise gegen die Schöpfung aus Nichts herholen — da nemlich die eristirende Natur uns nirgend und niemals eine ähnliche Erscheinung zeigt: das Hervorgehen eines Etwas aus Nichts; so könne auch die Natur überhaupt unmöglich aus Nichts hervorgegangen sein. Allein alles Seiende ist im Zustande seines fertigen Seins ein ganz Anderes, als es im Zustande seines Werdens und umsomehr noch vor seinem Werden gewesen, so daß von der Natur des einen auf die des andern durchaus kein Rückschluß und keine Analogie zu ziehen ist. Dies wird durch ein höchst treffendes Gleichniß klar gemacht. Denken wir uns nemlich einen jungen intelligenten Mann, der seit seiner frühesten Kindheit auf einer ganz unbewohnten Insel in Gesellschaft einiger Männer lebt. Seine Mutter starb, als er einige Monate alt war, und er hat noch nie im seinem Leben ein weibliches Wesen gesehen. Plötzlich tancht in ihm die Frage aus: Woher stam« men wir? Wie sind wir entstanden? Seine älteren Schicksalsgenossen antworten ihm auf diese Frage: Wir sind sämmtlich aus drm Schooße eines uns ähnlichen Wesens, das man eine Frau nennt, geboren, da der Mensch Anfangs als Embryo im Fruchthalter des Mutterleibes liegt u. s. w. Doch der Jüngling setzt dieser Antwort den entschiedensten Unglauben entgegen, als wollte man ihm etwas höchst Absurdes aufbinden, indem er die triftigsten Gegengründe aus dem gegen wärt gen Naturzustände des Menschen nachweist. Ein Mensch, der eine Stunde ohne Luft bleibt, muß ersticken, wie wäre cs nun möglich, daß wir mehrere Monate hindurch in einem verschlossenen Raume gelebt und uns bewegt hätten? Wenn wir einen lebendigen Vogel im Ganzen verschlingen würden, er müßte äugenblicklich umkommen, wie er in unfern Magen gelangt, und wir sollten fortleben im Leibe der Mutter? Ferner, ein Mensch, der nicht Speise und Trank durch den Mund zu sich nimmt, muß in wenigen Tagen zu Grunde gehen, und da sollte mau Monate lang durch die Nabelvene die Nahrung an sich ziehen können? Derart wird der unerfahrene Jüngling glauben, die ihm ertheilte Antwort mit den unzweifelhaftesten Gründen widerlegt zu haben. — Völlig so sind aber die kosmologischen Einwürfe der Aristoteliker, da sie von der bereits bestehenden Natur auf den Zustand vor ihrer Entstehuug zurückschließen wollen. T) Fortsetzung folgt.

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