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Ben Chananja · 1862-06-13 · 24 (13.6.1862) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
24 (13.6.1862)
Date
1862-06-13
Page
Seite 209 (sequence 7)
Language
German
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י!1)2 Lorrespondenz. Ausland. Australien. Einem aus Hamburg tatirtcn Briese vom 17. Mai. d. 2. entnehmen wir folgende Notiz über die jüdisch-australischen Zustande: ״Mit einem GlanbcnSbrndcr aus Ungarn bin ich in Australieu nicht zttsammcngekommcn, doch bat man mir einen reichen Kaufmann Stern genannt. der im Banate Verwandte haben soll. Die Australischen Inden sind theils reiche, thcils vcrmöglichc Lenke, Arme gibt es unter ihnen gar nicht. In Rücksicht ans ihre bürgerlichen Verhältnisse bleibt ihnen nichts z» wünschen übrig. Wer an die nng. Instäudc gewöhnt ist, wird in Anstr. nnanfhörlich von nencn Erscheinnngen überrascht, da die Inden in politischer und juridischer Bczie- Innig die wichtigilcn Ämter bekleiden. ohne dass Jemand Anstoß daran nähme. Einige orthodore Familien habe ich kennen gelernt, doch soll die Zahl derselben nicht sonderlich groß sein. Dennoch sind die religiösen Interessen, wie mir von vielen Seiten versichert wurde, nicht so sehr ans IndisserentiSmnS vernachlässigt, sondern aus Mangel an Pflege. Ein junger, mit den nöthigcn Sprachkenntnissen ausgerüsteter jüdischer Prediger würde in Australien nicht nur viel Gutes stiften, sondern auch sein Glück machen, d. h. in einigen Jahren ein reicher Mann sein. Die Synagoge zn Melbourne ist ein prachtvolles Gcbäude, welches sowohl von Innen als von Außen mehr imponirt, als die Pester Synagoge." Vom H«1p der guten Hosfunug. Vor Kurzem hat sich hier die erste jnd. Gemeinde gebildet. Dieselbe hat sich nach nach England gewendet, nur mit Hilfe dortiger Glaubensgenossen eine Synagoge zu bauen. Der provisorische Rabbiner der neuen Gemciiide ist Hr. RabbinowilS, ein für s. heil. Berns begeisterter Mau». N. I. New-Pork. Am Lö. März d. I. wnroe liier ein jüdischer A d in i r a l zu Grabe getragen : Uri F e i w e l L e v y.' Derselbe erblickte 1792 in Pcusnlvanien das Licht der Welt, und l>at alle seine Grade ans dem Schlachrfelte erhalten. Er kommanoirte die Amerika-- nischc Eskadron des mittelländischen Meeres. Arch. isr. Paris, 1. Juni. Die Snbseription zur Errichtung eines Denkmals für den sei. S. Eahen und die zu gleichem Zwecke für d. scl. Halcvy sind im erfreulichsten Fortschreiten begriffen. Auch die Vorbereitnngen zur Erbauung zweier neuer Synagogen nehmen einen ersrenlichcn Fortgang. In üljuil wird ebenfalls eine neue Synagoge erbaut werden, ״nd zwar an einem der schönsten Plätze der Stadt. Vvndon. Unter reu Gcneralkominissärcn der Weltausstellung zählt man drei Inden: »Rothschild für Oesterreich , G c r st cnberg sür den Acgnator, Isaak Samuel für Guatemala. Unter den den Elementarunterricht betreffenden Gegenständen befinden sich einige sranzösische Schriften jüd. Inhalts. Nach d. Arch. isr. Äonstantinopel, 25>. Mai. Ich bin während meines Ausenthaltes in hiesiger Stadt zn sehr von meinen Geschäften in Anspruch genommen, um Ihnen über die hiesigen jüd. Zustände und Vorgänge mehr berichten zn können, als Sie ans den Zeitungen erfahre». Die hiesigen Wirren haben mit denen in manchen jüd. Gemeinden in Ungarn viel Aehnliches. nur daß die Onhodorie hier viel vollblütiger und fanatischer, die Reform dagegen noch zn nnersahrcn ist, um einen augenblicklichen Erfolg erziele» zn können. Die Reformer haben ein jüd. Journal gegründet, und der Redactenr bringt in den ersten N״mmcrn einen Artikel ü. Freimaurerei! Der augenblickliche Sieg der Orlhodoric ist übrigens nicht entscheidend. Eamoudo wird sich, wie ich aus guter Quelle weiß, in seinem Bestrebungen nicht irre machen lassen, und der Ehacham Baschi, Hr. Jakob Avigedvr, gibt ihm im In- »ersten seines Herzens seine Zustimmung, wicwol er jetzt von den Fauatikern so sehr rerrorisirt wird, daß er sich vorläufig schweigend verhalte» muß. I;. I. I'. Warschau, Mitte Mai. Durch die Ausweisung uusereS Oberhirten Meiselö ist eine schmerzliche Lücke in unserer Gemeinde entstanden, welche von allen Juden des Königreichs Polen mit empfunden wird. Er war der Mann, der nach Innen und Außen impvilirte, und daher nach jeder Richtung hin wohlthätig wirkte. Man gibt sich hier noch immer der Hoffnung hin, daß Obcrrabb. MeisclS und Prediger Iastrow amnestirt, und ans ihre Posten werden zurückberufen werden. Ein Gleiches hofft man in Betreff des Predigers KraniStnch, Pros, an der Rabbinerschnlc. Derselbe ist Inländer. Er ist vernrthcilt, ein Jahr in der Ftstung Brzest in Litthauen, den Ucberrcst seines Lebens aber in Tobolsk in Sibirien zuznbringcn. Erist Familienvater und hat l l unversorgte Kinder! Die Lage der Inden in hiesiger Stadt ist weder in politischer noch in kultureller Rücksicht als erfreulich zn betrachten. Sie sind selbst in Betreff ihrer Wohnungen beschränkt, und nur ans gewisse Strassen angewiesen. Znm Verlassen des Ghetto ist noch immer ein Privilcgium erforderlich, dessen Erwerbung mit vielen Auslagen verbunden ist. Der Ankauf von Häusern ist nur inr Ghetto gestattet. Von den 40,000 Inden, welche hier ihren Wohnsitz haben, steht mehr als die Hälfte auf der tiefsten Stufe der Bildung. Die im Jargon geschricdenen Traktätlein, welche allenthalben kolportirt werden, tragen nicht wenig dazu bei, das Volk in seiner Unwissenheit und seinem Aberglauben zn erhalten. Für die Veredlung des IngciidunierrichtcS ist bisher nur wenig geschehen , und erst jetzt scheint sich ein dem Schul- und ErzichiingSwesen günstigerer Geist zn regen. Mit dem Streben nach bürgerlicher Gleichstellung muß hier, wie allenthalben, auch das Streben erwachen, die inneren Zustände, vor Allem die Erziehung der nntcren Schichten, zu verbessern und zn veredeln. Die Rabbinerschttle löst bis zur Stunde ihre Aufgabe bei weitem nicht; früher hieß sie nicht viel, jetzt heißt sie gar nichts. Dem Vernehmen nach soll dieselbe bei Gelegenheit der Ausarbeitung eines neuen Schulplancö einer gründl. Revision unterzogen werden. Unsere Gotteshäuser sind seit geraumer Zeit wieder geöffnet uist seitdem keine Störung d. Gottesdienstes vorgekommen. Ganz eigenthümlichc Erscheinungen bietet dem fremden Inden das hies. jüdisch-soziale Leben dar. Wer in ein jüd. Hotel sein Logis nimmt, macht große Augen über die Behandlung, die er hier erfährt, und über die Bewirthnng, die ihm ״für Geld und gute Worte" zn Theil wird. In die Restaurationen ist die Kunde von der Tugend der Reinlichkeit noch nicht gedrungen; wer hier mit Appetit speisen kann, muß wirtlich einen guten Magen haben. Vor Kurzem wurde eine Weinhalle ganz nett eingerichtet, die Preise sind aber so enorm, daß man sich nicht leicht entschließen kann, seinen Besuch daselbst zu wiederholen. Jeder fremde Jude ist verpflichtet, Tagzettcl zn lösen, und dasür täglich l0 Kopeken zn entrichte». Jeder UebertretungSfall wird mit einer Geldbuße und bei Zahlungsunfähigkeit mit körperlicher Züchtignng bestraft. Der Pauperismus tritt hier aus eine Schauder erregende Weise hervor, besonders ist dies an Freitagen der Fall, wo die Bettler aus der Provinz, die aber ebenfalls das Tageszettclgcld zahlen müssen, in Massen erscheinen. — Unter den jnd. Andachtstätten hebe ich die beiden Tempel hervor: der größere in der Danielowitser Straße faßt 800 , der auf Nalcwki 400 Personen, lieber Misere übrigen Verhältniffe berichte ich in Bälde.*) Inland. Presiburfl, Ans. Juni. Daß in der Todesko-Anstalt ein Gottesdienst mit Chor und vielleicht anch mit Predigt eingerichtet wird. Red. °) Ich bitte Sie darum.

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