Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 23 (6.6.1862)
- Date
- 1862-06-06
- Page
- Seite 200 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Diese Stelle ist Wort für Wort aus dem Werke eines bekannten Litterarhiftorikers fi) eopirt. Weshalb ein ganzes Kapitel dem Sohne Josef gewidmet ist, und der viel hoher begabten Tochter Dorothea bloS beiläufig Erwähniliig geschieht, finden wir unbillig; Dorothea besaß, wie uns glaubwürdige Zeitgenossen') mitthciltcn, reiche Kenntnisse, richtiges Nrtheil, angenehmen Umgang, Güte des Herzens, Treue der Gesinnung, freundlichcS Entgegenkommen mit Rath und That und war nicht bloS eine bedeutende, sondern eine merkwürdige Frau. Sie schrieb den durch individnellcs Gepräge von Grazie, Leichtigkeit und Geist ausgezeichneten Roman: Florcntin; die Sammlung romantischer Dichtungen des Mittclaltcrö) Leipzig 1804. 2 Thle) und die vortreffliche Uebersetzung der ״Eorinna" der Frau v. Stael, die in Berlin noch vor dem sranz. Originale heranskam. Sic verlor nie diejenigen Gefühle ihrer Jugend aus der Erinnerung, welche wcrth waren, erhalten und gehegt zu werden; und es macht ihrem Gcmüthe alle Ehre, baß sie, selbst noch in der zweiten Halste ihres Lebens, alljährlich an seinem Todestage das Andenken ihres edlen Vaters feierte, von dem sie überhaupt stets mit der höchsten Achtung und Zärtlichkeit sprach. *) Bei der Analyse des ״Jerusalem" wird außer Acht gelassen, daß der darin anögesprocheiie Grundsatz bereits 15 Jahre früher in einem Schreiben au den Erbprinzen von Braunschweig-Wolffcnbüttel ”), mit dem M. in Eorrespondenz stand, geäußert wurde. Wir meinen die — übrigens durch die Folge widerlegte — Aiiffassiing, daß das Ecrcmonialgcsctz für den ״geborncu" Juten bindend sei, selbst wenn er das Judcuthnm verließe, und in eine andere Kirche einträtc. Die Ersahrung hat freilich das Gegenthcil gelehrt; viele haben eher das Cercmonialgesctz als das Judenthum ausgcgcben und cs ist noch nicht lange her, daß ein sehr gelehrter Theologe — Hr. Oberrabbiuer Fasset — in ^cincm Gutachten nachwies, daß man auch ohne strikte Beobachtung allcr Observanzen ein Jude sei. Auch die Absicht, daß Lessing in seinem ״Nathan" unscrn M. verewigt habe, scheint uns durchaus unzulässig. Sollte ein Eharaktcr, der ״ZinS vom Zins der Zinsen" lü) nehmen will, sein Urbild in einem M. haben? Unseres Wissens war es der Verfasser der Biografie M.'S"), der zuerst diese nagelneue Idee zu Tage förderte; oder sollten die sämmtlichc» Zeitgenossen M.'ö bei Erscheinnug des Nathan ein so wichtigcö Moment übersehen haben? Beiläufig wollen wir auch erwähnen, daß die S. 10!) angeführte Uebersetzung des ״Phävon" ins Ungarische nicht eristirt: vielleicht wurde die Lectüre eines solchen Werkes manchen Judenfeinden einen bessern Begriff von unserer Kultur- und Emanzipationsfähigkeit beigcbracht haben! Wenn aber auch die ungarische Literatur keine Uebersetzung dcö ״Phädon" aufzuweisen bat, so dürfen wir doch mit einer Art von Gcnuglhunng hcrvvrheben, daß es ein ungarischer Jude war, der im Jahre 1829, als MendclSsohn'S hundertjähriger Geburtstag in den größten Städten Dentschland'S gefeiert wurde, zu Berlin eine dem Andenken des Unsterblichen geweihte Denkrede hielt, die unter dem Titcl-. ״Zion, Ermunterung für die Glaubensgenossen Moses Mendelssolni's (Berlin 1829)" in, Drucke erschien, und worin mit Klarheit und Schärfe M.'S bedeutsamer Einfluß auf die ungarische Judenheil in begeisterten Worten geschildert ist. Der Verfasser dieser Rede, S. B. Schönebcrg, war aus Moor (im Stuhlweißciibnrger Komir.) gebürtig, ging von heißem Wissensdrang getrieben zu Anfang der zwanziger Jahre nach der nordischen Metropole, wo er sich die Freundschaft des greisen David Friedländcr, Eduard Gans, Zunz und anderer Soinmitäten erwarb und starb allgemein geachtet, vor einigen Jahre» . nachdem er sich als ausübender Arzt dem Dienste der lcidenden Menschheit gewidmet hatte. — Wir glauben es den Manen des Verewigten, dessen persönlichen Umgang wir längere Zeit genossen, schuldig zu sein, ans diese Rede hinzuweisen. Am gelungensten scheint uns die Darstellung des Verhältnisses M.'S zu Kant, dessen ״Kritik der reinen Vernunsl" in der dcntfchcu Filosofie jene Revolution hervorrief, welche M. profezeit hat; indrß war er zu alt und zu sehr in die Leibliitz-Wolfischcn Theorien besaugen, um an den Kathegorien und Aiitinomien des Königsbcrgcr Weltweisen noch Gefallen zu finden und M. wollte sich an dem ihm Ruhe gönnenden Gebäude des Dogmatismus nicht stören lassen. Daß aber Kant in der Synagoge zu Königsberg erschien, um der Todtenseicr M.'S bcizuwohnen, hätte allerdings Erwähnung verdient. So sei denn Allen dieses Buch empfohlen, welches das Leben tlnd Wirken eines Mannes zum Vorwurfe hat, der Israel ztierst anregte, lhätiger Theiluchmer an den svrtschrcitcndeu Zeitbcstrebungen zu sein und als rüstiger Mitbesördcrcr deö EntwickelungSganges der Zivilisation aufzntretcn; der trotz aller persönlichen Bescheidenheit, ja De- Nlllth, mit den Waffen des Rechts und der Gerechtigkeit, für die Emanzipation des Gewissens und des Gedankens, für das bis dahin zertretene Menschenrecht seiner Brüder kühn und unerschrocken in die Schranken trat. Gr.-Bceskerck, am achtzigsten Jahrestage der Erscheinung des ״Jcrusalenl." Änmerkunze n. ') Lessing's Schriften, XII., 27. 2) Die Stücke sind im Meassef (1785) wieder abgcdruckt. ‘) Ha-Masteach S. 321. ') MendelSsohu'S Werke, V., S. 079. ’) Ilistory ot' Ferdinand and Isabella of Spain, II., 152. ") Robert Prntz': Der Göttinger Dichterbnnd. ") Ernst Frhr. v. FenchterSteben in der LcbeuSgeschichte Fr. v. Schlegels; 15-te Bd. der sämmtl. W. S. 276 ff. s) Ibidem S. 278. ") Werke III. 132. Nathan der Weise, Art. I., Sz. 3. ") Werke I. 21, der Verfasser dieser Biografie in 3 Abschnitten ist kein anderer, als Joseph M. wie wir dieses aus seinem Munde vernahmen. Deutsche Rechtssprichwörter. Gesammelt und erläutert von Dr. I. H. Hille braud. Zürich 1859. 8-0. Besprochen von L. Dukes. Menschliche Gedanken, in dem kleinsten Umsaug konzeutrirt, sind Marimen. Es gibt allenthalben solche.') So giebt es auch jnristisehe Marimen und Sprichwörter. DaS vorliegende Buch ist eine solche Sammlung. Kenner des deutschen Rechts — wozu wir übrigenö nicht gehören - mögen ihr Nrtheil darüber fällen. Indische Leser, in deren Gedächtnis, tat,,indische Phrasen ansgespeichert sind, mögen sich derselben bei der Leeiürc dieses Buches erinnern. Ihrem Gedächtnisse z!l Hülse zu kommen. sind solg. Zeilen bestimmt. Der Nutzen solcher Marimen ist gewiß an sich beträchtlich. Man wird dadurch zwar kein Jurist. Denn zwischen den jur. Marimen liegt daö Leben mit den nnzähligeu einzelucn Verhältiiiffen, die immer in Betracht gezogen werden müssen. Mau erwirbt aber durch solche Marimen einige allgemeine Oedanten, welche zur Negulirnug des Einzelneu dienlich sein können. Denn die Kenntnis; des Eiiizelticii ohne all-