Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 22 (30.5.1862)
- Date
- 1862-05-30
- Page
- Seite 190 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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190 Man Darf annehmen, daß dieses eine Art Votiv tafeln war, worauf vielleicht die Namen derjenigen, welche dieses als Geschenk gaben, ausgezeichnet waren. Diese Stelle des Plntarch erinnert an die talmndischc Phrase ״auf das Horn des Ochsen schreiben," welcher Phrase wir bereits;l) Aufmerksamkeit gewidmet haben. Wir erfahren auch von P l u t a r ch 4), daß 33 a cp u 0 in Stiergestalt verehrt wurde. Dieses verstärkt die Vermuthung deS Zusammenhangs der talmndischen Phrase mit der griechischen Anschaaung. Die biblische Phrase זה יכתוב ידו לד׳ (Jeö. 44, 5) darf auch dem Leser inö Gedachtniß gerufen werden als allgemeines Seitenftück zur talmndischen, ohne übrigens mit der besprochenen Phrase in einer strikten Verbindung zu stehen. Wir erfahren ferner von Plntarch "(röm. Geb. 8. 10), daß man bei Anrufung der Götter daS Haupt verhüllte. Manche Leser erinnern sich hier der talmndischen Stelle (Sabbath S. 156, b.), wo es heißt ein Talmudist habe die Worte gebraucht כסי רישך מ־׳הוי ע4ך איכותה ״ דשמיאBedecke dein Haupt, damit die Furcht des Himmels auf dir sei;" d. h. daß du Respect vor Gott bezeugest. Diese und ähnliche Worte haben zu der irrthümlichen und weit verbreiteten Meinung Anlaß gegeben, alö wäre die Bedeutung des talmndischen Ausdrucks קלות דאש wirklief) Bloßköpfigkeit. Man hat hier die secnndaire Bedeutnng dieses Ausdrucks mit der ursprünglichen Beden« tung ׳') desselben verwechselt. Plntarch ist sehr reich an Sentenzen, Sluszügen ans Dichtern, psichologischen Reflerionen, welche sich zu 3lb- Handlungen anwachsen 0), Anekdoten aller dlrt und s. f. Dieses alles zusammengenommen und der moralische Werth, den seine Werke an und für sich haben, haben dieselben werthvoll, interessant und sehr nützlich zur allgemeinen Betrachtung und Vergleichung gemacht. Die hier auögehobenen Stellen mögen vorläufig genügen. ד) ES war hier unsere Absicht nicht, eine vollstäudige 3l b h a n d l u n g zu schreiben — es wäre dieses hier ganz am Unrechten Platz; wir wollten nur auf eine der Quellen aufmerksam machen, welche zu kulturhistorischen Zwecken und zur annahrungSweisen Feststellung eines Urtheils sehr dienlich sein könnten. Montaigne (Essais Buch I. Cap. 54) spricht in interessant anregender Weise — nach seiner Art — von einer Unwissenheit die dem Studium vorangehet und einer Unwissenheit, welche den! Studium nach folgt. Wir rechnen die kulturhistorischen Urtheile, wovon wir soeben gesprochen haben, zur Elaste der Unwissenheit, welche dem Studium nachfolgt. Diese Unwissenheit — vielleicht das einzig Erreichbare — hat das Gute gegen voreilige Kritik zu schützen, so wie auch von schalen Scherzen abzuhalten, welche man zuweilen alö Witze gehalten hat. Manche Stelle ans Plntarch'S Werfen wird bei Gelegenheit noch zur Betrachtung auSgehobeu werden. Es wird dort auch die Gelegenheit sich darbieten, wobei auch auf die kulturhistorische Bedeutung des G e b r a u ch S (ומנהג־ Rücksicht genommen werden soll. Für manches Factum, welches nicht zur Enlturgeschichte im eigentlichen Sinn gehört, erhält man den Stand- Punkt für die Beurtheilung desselben durch eine historische Zusammenstellung. Wir wollen hier nur den Ausdruck s) מעשה הורדוס anführen. Es ist dieses an und für sich seltsam; wenn man bedenkt daß die alten Aegipter schon ein Gesetz über diesen Gegenstand hattenw erscheint die ganze Sache in einer andern Gestalt. Die alten Gebräuche jetzt hinter uns lassend, wollen wir auf eine Stelle P l u t a r ch's aufmerksam machen, welche allgemeinen literaturhistorischen Werth hat, für diese Digression so wie für die frühern den Leser um Nachsicht bittend. Plntarch'S Worte lauten folgendermassen:'") ״Sapho schrieb an eine reiche Frau: ״Du wirst im Grabe liegen und niemand wird deiner gedenken, denn du hast ׳. icht Theil an den Pierischen Rosen." ״Warum — fährt Plntarch fort — solltest du nicht mehr auf dich stolz sein können, wenn du nicht an Pierischen Rosen sondern an den Früchten Antheil hast, welche die Musen bringen und denen schenken, welche Gelehrsamkeit und Filosofie hochschätzen." Diese Stelle, ist höchst interessant, durch den Gegensatz von Poesie und Filosofie, welcher anschaulich unter dem Bilde von Blumen und Früchten, bezeichnet wird. Es erinnert dieses an ähnliche Stellen, die wir ans andern Quellen in dem Nachal kedumim (S. 14) bereits mitgetheilt haben. Beide Stellen erhöhen ihren Werth gegenseitig. Nächst Plntarch darf auch Aulus Gellius im Vorbeigehen genannt werden. Sein Buch genannt 3l ttische Nachte ist zwar nur als ein literarisches Felleisen zu betrachten, worin alle möglichen Dinge ohne Ordnung eingepackt sind. Die Reichhaltigkeit des Materials aber macht es nützlich. Manche Gelegenheit haben wir bereits benutzt, auf dieses Buch aufmerksam zu machen. Manche andere wird noch benutzt werden.