Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-05-23 · 21 (23.5.1862) · p. Seite 183

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
21 (23.5.1862)
Date
1862-05-23
Page
Seite 183 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542993--2620-2546418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

folget• pflichten jedoch auch der Aussage des Rabenu Serachja halewi bei. Dieser behauptet nämlich, von seinen Lehrern und Vorfahren traditionell überliefert erhalten zu haben, daß jeder Vogel der einen breiten Schnabel und breite Füße hat ganz sicher frei von Derißa sei, und hat derselbe noch die 3 Merkmale der Reinheit, so ist er gewiß rein. Nach der Meinung d. Rabenu Tam ist jeder Vogel rein, bei dem sich die 3 Merkmale der Reinheit vorfinden ohne daß man nach dem Merkmale der Unreinheit ״Derißa" zu untersuchen braucht. Der Rabenu Tam stützt seine Behauptung ans folgende Stelle im Talmud: (Chulin Fol. 65. S. 1) ״Raban Gamliel sagt: jeder Vogel, welcher beim Essen doreß ist, ist gewiß unrein; jeder Vogel hingegen, der eine besondere Zähe, einen Kropf und einen sich schälenden Magen hat, ist gewiß rein. (Siehe Ehnlim Fol. 61. S. 1. Schlagwort כלשיש.)" Nach den Bale Toßesot wäre jener Vogel rein, so er einen sich schälenden Magen und noch ein Merkmal der Reinheit hat. Diese Behauptung stützet sich auf eine traditionelle Ueberlieferung des Rabenu Chananel die wir sogleich anführen. Dieser behauptet, von seinen Lehrern traditionell erhalten zu haben, daß jeder Vogel, welcher einen sich schälenden Magen hat, rein sei, in so lange man nicht bei ihm das Merkmal der Derißa findet, da er in letzterem Falle Pereß oder Osnia ist. Diese kommen aber in bewohnten Gegenden nicht vor, deshalb braucht man a priori die Derißa nicht zu untersuchen. (S. Chulin Fol. 62. b.) Zum Verständnisse des Rabenn Chananel Folgendes ׳. Betrachtet mau die Negation der Derißa als reines Merkmal, so lehrt uns die Tradition, daß von den 24 unreinen Vögeln 19 gleiche 3 Merkmale der Reinheit haben, Oreb hat nur 2 von diesen Dreien, eine Art von Pereß oder Osnia nur 1, und die zweite Art (von Pereß oder Osnia) hat das 4 Merkmal der Reinheit, das bei den andern unreinen Vögeln nicht vorkommt und 3 Merkmale der Unreinheit. Nescher aber hat gar kein Merkmal der Reinheit. Nach der Tradition des Rabenu Chananel nun wäre das 4. Merkmal der Reinheit ein sich schälender Magen. ES gibt mithin nur eine unreine Vogelart die einen sich schälenden Magen hat, und dies wäre Pereß oder Osnia, die aber, weil blos in unbewohnten Gegenden im wilden Zustande sich vorfindend, nach der Aussage des Talmud ganz unbeachtet bleiben können. Tvßafot jedoch, sich stützend ans die Tradition des Rabban Chananel, fordern daher außer dem Merkmale eines sich schälenden Magens noch ein zweites Merkmal der Reinheit, um so eines jeden Zweifels sogar über Pereß und Osnia enthoben zu sein. Merkwürdiger Weise haben wir hier den seltenen Fall, daß der Aschen und seine Nachfolger die Meinung Raschi's im Commentare, nach welcher jede fernere Unters»- chung zur Reinheitserklärung der Vögel ausgeschlossen ist, im Gegensätze zur Behauptung des Rabenn Tam, den Toßafoth und der Traditionellen Angabe des Rabenu Chauanet als rituelle, entschiedende Norm angenommen. Die Cochinhühner besitzen alle 3 Merkmale der Reinheit im vollkommen entwickelten Grade und wir haben bei ihnen noch nie eine Eigenschaft bemerkt, die auf Derißa, dem Merkmale der Unreinheit, auch nur im Entferntesten hindeuten sollte. Auch ihre Eier besitzen alle Merkmale der Reinheit. Sie sind nämlich an der einen Seite mehr rund, an der andern mehr spitzig; die Schale schließt ferner das Eiweiß, und dieses das Eidotter ein. Diese Hüh- »er waren daher nach d. Meinung d. R. Tam, Toßafot u. R. Chananel ganz gewiß rein. Allein auch nach Raschi könnte man sie für rein erklären, da sie, wie wir in der Einleitung zeigten, keine besondere Hühnerart, sondern blos eine Spielart der Hauöhühner ausmachen, wie etwa die g!t1>׳ü8 Hühner in vielen Gegenden unseres Vaterlandes. Der streng orthodore Jsraelite aber würde noch immer nach der traditivnellen Ueberlieferung ihrer Reinheit fragen; diesem wollen ,vir daher zu seiner vollkommenen Beruhigung mit folgender Thatsache antworten: In Holleschan in Mähren ist eine große uralte jüv. Gemeinde, die wegen ihrer orthbdoreu Richtung und wegen großer talmndischer Gelehrsamkeit vieler Mitglieder derselben weit bekannt ist. Der jetzige Rabbiner daselbst ist ein ehrwürdiger 80 jähriger Greis, ebenso der erste Dajan, Beide zeichnen sich durch ihre Frömmigkeit und große talmndische Gelehrsamkeit aus. Nicht minder der 2 Dajan, welcher würdig ist zu sein der 3. im Bunde. Als vor einiger Zeit die Cochinchina-Hühner in Mähren eingeführt wurden, befragten mehrere Rabbinen Mähren's daS Rabbinatskollegium zu Holeschau um sein Gutachten. Dasselbe untersuchte die Cochinchina-Hühner, und fand alle Merkmale der Reinheit und nicht die geringste Spur von Derißa; zudem noch eine überraschend auffallende Aehnlichkeit mit den Hauöhühnern; allein es fehlte zur vollkommenen Befriedigung desselben die Tradition über die Reinheit dieser Hühner. Da wandte sich das Holleschauer Rabbinatskollegium an den in orthodore« Kreisen wegen seiner Frömmigkeit ebenfalls vortheilhaft bekannten Londoner Rabbiner, Herrn Dr. Adler, mit der Anfrage, ob diese Hühner in England, woher sie zunächst gekommen, für rein gelten. Worauf dieser erwiderte, daß dort (so wie auf dem asiatischen Festlande) diese Hühner seit Menschengedenken für rein gehalten werden. *) In Folge dessen erklärte das Holleschauer Rabbinatskollegium diese Hühner für rein und antwortete in diesem Sinne auf alle an dasselbe gerichteten Anfragen in dieser Angelegenheit. Ein Frömmler konnte sich auf den 5. 8des 82 Abschn. im Ioredeah berufen. Diesen verweisen wir auf den Szifße Kohen und die Commentare des Ioredeah, nach welchen eS außer allem Zweifel steht, daß ein Ort, in welchem noch keine Tradition über die Reinheit eines Vogels besteht sich ans einen Ort, wo diese bereits vorhanden ist, vollkommen verlassen kann. MieksWliclje flar|Mumj bei־ l=(en muMisH-Dischen Caubes־ßcljrc1-011}3־feren5 in Pest. Mitgetheilt von L. M. Baue r. (Fortsetzung.**) Vierte Sitzung. 28. April. Anfang 8 Nhr Nachmittags. Ende 7 Uhr Abend. Präses: Dr. Jos. Rözsai. In dieser Sitzung, mit der nach höherer Bestimmung die Frühlingökonserenj inmitten der Blüte ihrer Wirksamkeit die vierte Le- *) S. d. vor. N. Korr, aus d. Kaiserbad. **) S. Nro 18. 19, 20.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.