Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 21 (23.5.1862)
- Date
- 1862-05-23
- Page
- Seite 181 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2542971-2542993--2618-2546416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
181 7. Man steckte Dornen an die Finger und Zehen zwischen Fleisch und Nagel. 8. Man sengte ihnen den Bart ab, daß die Haut mit verbrannte. 9. Man hielt Lichter unter ihre Nase, so daß die Flamme in die Nasenlöcher stieg. Wie unparteiisch dieser Prozeß geführt wurde, beweist unter anderem folgendes Factum. ״Ein junger Hebräer, welcher sich unterstand auszusagen, er habe den Pater anderSwo gesehen (als im Judenquartier, wo er verschwunden sein sollte) wurde so sehr mit Ruthen gepeitscht, daß er 24 Stunden darauf im Kerker starb. So mag es auch mit den anderen dasselbe Thema behandelnden Prozessen stehen. Von ihnen allen ist gerade so viel zu halten, wie von jenem, wenn auch von noch so großen Autoritäten bestätigten Mährchen, daß von Juden durchstochene Hostien geblutet hätten.*) So ist also die ganze Christenblutgeschichte nichts mehr und nichts weniger als eine infame Lüge. von Leopold D!1 kes. 7. Die Frage über römische und griechische Getränke von Plntarch. tFortsetziiiig.**) ״Mit Recht— sagt Plutar eh ') — tadelt E ttrjp ides die, welche beim Weintrinken die Leier gebrauchen, denn man sollte die Musik eher gegen die Leidenschaft und Trauer zu Hülse nehmen, als dazu, die in Genüssen Schwärmenden noch mehr zu entnerven." Es ist diese Stelle an und für sich bedeutsam als Ansicht über den etwaigen psychologischen Einfluß der Musik, und den Gebrauch, welcher demnach davon zu machen ist. Es birgt sich aber darin auch ein alter Bekannter auf unsichtbare Weise. Wir wollen denselben ans seinem Versteck heraus holen. Der Gedanke des griechischen Dichters ist — genau genommen — nichts anderes, als die Anschauung, welche in den bereits angefürten Worten liegt אין מערבין שמחה בשמחה. ״Wan muß eine Freude nicht mit der andern vermischen." Eö sind auch diese Worte, welche jetzt unserm Geiste gegenwärtig sind, und uns abhalten, allerlei Hiehergehöriges in diesem Augenblicke dem Leser vorzuführen. Allegorie, eins der großen und weit verbreiteten geistigen Elemente, welche durch die Geschichte ziehen, hat im geschriebenen Worte der religiösen Urkunden allenthalden einen Körper gefunden. Daß M a i m o n i d e S und Kanta) über Allegorie ohngefähr gleiche Gedanken hatten, darf hier beiläufig angeführt werden. Dieses Zusammentreffeu darf niemanden wundern, da sich im Unbestimmten die Ailosofen von jeher begegnet haben. Manche Gebräuche enthalten offenbar SymbolischeS. Solche treten uns allenthalben entgegen. Menschliche Handlungen, welche an und für sich ohne Bedeutung gewesen wären, erhalten durch diese Symbolik einen ho- Heren Werth. Manches mochte ursprünglich nur eine diätetische Regel gewesen sein, aber auch daran machte sich die Symbvlik. Viele der Pytagoräischen Regeln wurden so aus der Diätetik in das Gebiet des Geistigen eiugeführt. S. z. B. wurde dessen Verbot, Bohnen zu genießen, schon frühzeitig mit Hilfe der Philologie allegorisirt. a) Nach dieser Weise dürste noch manches hiehergehörige Talmudische zu betrachten sein. Die alten Aegipter aßen Honig an einem gewissen Tage des ersten MonatS ihres Jahres und sagten dabei die Worte: ״Süß ist die Wahrheit." 4) Die 9tömer haben an ihrem Neujahr auch Honig gegessen. Die Juden essen auch Honig am Neujahr, und sagen bekanntlich dabei: ״Möge das Jahr gut nttd süß sein." Daß die Römer diese Sitte von den Aegyptern angenommen haben, oder, daß etwa die Juden dieselbe den Römer» uachahmten, ist durchaus nicht nothwendig auzunehmen. Honig ist allenthalben süß, die Wahrheit aber ist'S nicht immer. Der Honig bietet sich als natürlichstes Symbol des Wunsches eines süßen Zukunft dar. Diese Art natürlicher Symbolik findet sich allenthalben ein, unter den verschiedensten Verhältnissen des Lebens. Gewisse Zeiten waren als g l ü ck l i ch e Vorbedeutung beim Heirathen gehalten. Z. B. die Zeit des Vollmondeö, worauf schon die alten Griechen^) viel hielten. Manche Zeiten wurden als nicht glücklich zum Heirathen gehalten. Wir erfahren von Plutarch (rüm. Geb. §. 86), daß die 9tömer im Monate Mai nicht he iratheten. Es erinnert dies an den jüdischen Gebrauch, in der Zeit der ספירה (ohngefähr im Mai) nicht zu heirathen. Der Tod der 24000 Schüler 9t. Akib a's, der gewöhnlich mit diesem Gebrauch in Verbindung gebracht wird, ist eine Legende und wurde erst später damit in Verbindung gebracht. In den Gutachten der Geonini") ist dies zwar bereits erwähnt und auch nur als Gebrauch (מנהג) *) Der neue Pitawal. ") Vrgl. oben S. 127. D1+C