Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 5 (1862)
- Issue
- 20 (16.5.1862)
- Date
- 1862-05-16
- Page
- Seite 177 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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177 seS Ausdrucks ist in Dunkel gehüllt, und läßt Raum für Erklärungen aller Art. Der Zweck unserer Zeilen über das vorliegende Buch ist bloß als Brücke zu dienen zwischen dem arab. Werke und den hebräischen Productionen des maurisch-spanischen Zeitalters. Selbst wenn die Zusammcnhänge auch nicht so strikt zu nehmen sind, so ist schon die bloße Ähnlichkeit nützlich und anregend- Wir lesen (S. 25) die Worte: ״Die Welt ist ein Mensch i in Große» 1c. jc." Es stellen sich zur Erinnerung die ähnlichen Worte des MaimonideS ") ein. Es ist ein Satz, der sich instrmuciitat zu allerlei Consequenzcn verhält, die einen practischen Werth haben können. S. 30 lesen wir den Satz als Ucbcrschrist: ״Die Sonne stehet in der Mitte der S p h ä r c n , wie ein König ans der Erde." Wenn wir diese Worte anführcn, so geschieht dies bloß, um dem Leser die Worte deö Buches Jczirah ins Gcdächtniß zu rufen.") Das Buch Jezirah ist älter als das vorliegende Buch. Es haben beide dieses Bild älteren Quellen entnonimcii. lieber die verschiedenen Bedeutungen des Wortes Himmel im Arabischen lesen wir Manches daselbst (S. 67). Die Worte des MaimonideS ") über das hebr. Wort □ שבלי bieten sich znr vergleichenden Betrachtung dar. FilologischeS und Filosofisches ist in beiden gemeinschaftlich enthalten. Daß die Naturkrast identisch ist mit dem in der Sprache der Religion üblichen Wort Engel, darüber belehrt uns daö vorliegende Buch (S. 67). Das, was hier die Sprache der Neligion genannt ist, — der Koran - ist so viel als im Hebräischen die Bibel. Die ganze Stelle ist interessant. Es ist einer der Versuche, die äußere Welt, wie sie sichtbar ist, mit der Anschauung der Offenbarung in Einklang zu bringen. Die Worte des Morch (Theil I. Cap. 48) bieten sich der vergleichenden Betrachtung dar. Man ersieht aus dem vorliegenden Buche, wie weit zurück sich die große Verschiedenheit datirl zwischen Filososie und urknndlichcr Religion. Gewisse Ideen, die MaimonideS in seinem Buche uiedcrlegte, waren bei den Arabern längst gang und gäbe. Bevor die Chemie den wirklichen Prozeß des Entstehens und Vergehens der körperlichen Dinge genau anzngebcn wußte, waren die Ideen über diese Puncte ungenau. Man sah nur die gewöhnlichen Erscheinungen derselben, und eine Art von logischer Construction war alles, was man als Resultat der vermeintlichen naturfilosofischen Forschling bieten könnte. Von diesem Gesichtspunkte aus ist das Nachfolgcnde zu betrachten. Die allgemein silosofische Erposition in dem vorliegenden Buch (S. 62) über Entstehen und Vergehen der körperlichen Dinge kann beitragen eine Stelle des More Nebuchim (Tbeil I. Cap. 62 in der Uebersetzung des Nlcharisi) zu erhellen, wenn auch nicht zu erklären. In dem vorliegenden Buche ist die aristotelische Ansicht ausgesprochen. Maim. führt die Ansicht der Atomistiker an. Chemie hat es damals noch nicht gegeben und so konnten alle Definitionen nnr logisch sein. Menschliche Gedanken ans einen und denselben Gegenstand ge« lenkt, können sich nach verschiedenen Richtungen wenden. Es laufen dieselben auf die räthselhaftc Wurzel zurück, welche im gewöhillichen Leben unter den Namen Individualität bekannt ist. Ein Wort, wie viele andere, inhaltsleer, aber dennoch nothwendig für den gewöhnlichen Gebrauch. Individualität ist selbst wieder daö Erzengniß einer Menge sichtbarer und unsichtbarer Ursachen. Eine durchgesührte spezielle Betrachtung dieses Gegenstandes wäre für die Geschichte der Literatur und Kultur sehr bedeutsam. Wir heben hier zu diesem Zwecke Folgendes ans. S. 198: ״Aste Thiere entstanden in der Zeit früher als der Mensch, da sie für ihn und seinetwegen sind. Ein jedes Ding aber, welches wegen eines andern ist, muß vor demselben bestanden haben. Dieser Satz gehört zu den Grundbegriffen des V er st andeö und bedarf keines Beweises." Ein höchst interessanter Ge« danke! Die Logik ist von der Erde nach dem Himmel gezogen. Im Talmud lesen wir: ״Warum ist der Mensch zuletzt erschaf« fe», damit er nicht stolz sei. Der Schöpfer hat ihm angedeutet: Die Mücke ist dir in ver Zeit vo rang eg an gen!" (ג, [יחושקרמך) Dieser Gedanke ist nicht minder interessant. Es ist ein himmlischer Funke von oben hinab, in daö Mcnschcnherz gefallen! Der denkende Verstand hat hier ein Gesetz der Gedankenwelt verwirklicht gefnndeil. Es ist vielleicht nicht wahr. Die erbauliche Anschannngöweise hat aber eine Moral darin gefunden. Vielleicht ist sie ebenfalls nicht wahr. Wenn die Wahl zwischen beiden gelassen ist, dürfte man übrigens dem erbaulichen G edanken den Vorzug geteil, weil derselbe, wenn er auch unwahr ist, einen praktischen Werth hat. Der silosofische Gedanke, obwohl an sich richtig, findet hier deshalb keine Anwendung, weil doch eine nicht unbeträchtliche Zeit zwischen der Schöpfung des Menschen und der Zeit vergangen sein muß, wo der Mensch von den Thiercn Gebrauch machen konnte. Die Allegorie tritt uns zuweilen entgegen. Es beweist dies, daß die Filosofie die allgemeinen Dinge, vielleicht mehr als sie sollte, mit ihrem Hauche angcwehet hat. Wir dürfen hier flüchtig hindeuten aus S. 63, wo die Anschauung vom Paradies allegorifirt wird, so wie auch auf S. 52, wo von der Auferstehung im allegorischen Sinne gesprochen wird. Die Allegorie war in ihrem weitesten Umfange bei den Arabern eingebürgert, worüber seiner Zeit manches bcigebracht werden soll. Durch die eigentlich streng filosofischcn Sätze des vorliegenden Buches ziehet sich als ein goldener Faden die erbauliche Bet r a ch t u n g. Die Allegorie und die erbauliche Betrachtung, welche Hand in Hand gehen in dem vorliegenden Werke, geben demselben ein allgemeines enltiirhistorisches Interesse, und bieten dadurch zu maneher geistigen Anregung die beste Gelegenheit. Ohne diese würde cS viel entbehren, eü würde ohne dieselbe ein bloßer Abriß der Naturgcschichte sein, trocken ohne irgend einen Aufschwung. Es findet sich in diesem Buche auch manche interessante Einzelnheit, die zur eigentlichen Naturgeschichte, aber jetzt nicht in das Reich unsere Betrachtung gehört. Jedoch können wir von dieser Abthciluug nicht scheiden, ohne ein allgemeines Wort darüber gesagt zu haben. Die naturgeschichtliche Erkenntniß der Alten und nach ihnen der Araber war sehr getrübt durch fabelhafte Beimischungen aller Art. Manche dieser Ansichten sind erst sehr spät verschwunden. ״Die Zunge der Erfahrung" der neuern Zeit, hat viele der altern Angaben nicht bestätigt. Wenn man die naturhistorischen Angaben von PliuiuS und Aelian, welche mcistenö den Aristoteles ausgeschrieben, betrachtet, so findet man es sehr erklärlich, wie viele talmudische Angaben so ent. ferut von der Wahrheit sind. Es sind dieselben den genanntett Quellen entnommen, manches speciclle mochte hinzugekommen sein. Diese Fabeln, obwohl sic die eigentliche Erkenntniß trüben, find anderseits vielleicht das Interessanteste des Studiums der alten Naturgeschichte. Sie gewähren dem Forscher denselben Reiz, den die Unbeguemlichkeiten dem Reisenden in entfernten Ländern bieten, wo die Zivilisation noch in ihrer Kindheit ist. Beispiele aller Art wären hie, leicht bei der Hand. Wir begnügen uns folgendes auzilmerke». Von Algazali דן) erfahren wir, daß man die Myrhe für