Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1862-05-16 · 20 (16.5.1862) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
20 (16.5.1862)
Date
1862-05-16
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2542971-2542992--2608-2546405
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

172 Ländern von Adam angefangen, aufs genaueste angegeben ist, hätte sich damals unmöglich einer allgemeinen Annahme erfreuen können, sondern hätte im Gegentheil auf den allgemeinsten Widerspruch stoßen müssen, bei dem Unglauben, der ihm Seitens der ägyptischen Weisen und selbst von seinem eigenen Volke entgegengesetzt ward, wenn alles dies nicht streng der Wahrheit entsprechend, d. h. mit allen übrigen damaligen Urkunden und Traditionen übereinstimmend gewesen wäre. Ebenso die Angabe Mosis von der Ursprungliehen Sprachenu. Völkertheilung, die in den Zeiten Abra- Hains/) also kaum 500 Jahre vor Moses sich ereignete.— Wie, ist es denkbar, daß zu d. Zeiten Mosis die Behauptung aufgestellt werden konnte, 500 Jahre früher habe eS auf der ganzen Erde nur ein Volk und nur eine Sprache gegeben, ohne daß eine solche kolossale Lüge entlarvt oder verlacht worden wäre? ״Könnte uns etwa heute Jemand, so ruft unser Autor, ein Lüge in Betreff der Abstammung, Geschichte und Sprache bekannter Völker auftischen, wenn noch dazu die Sache nicht mehr als 500 Jahre alt ist?" Dieses historische Argument erfreute sich bald eines großen Anklanges. Maimuni, nach seiner Gewohnheit, niemals eine jüdische Quelle zu zitiren, 5) führt, ohne Kusari zu nennen, im More UI, 50, dasselbe Argument an. Auch Nachmani (Derascha, S. 6) bedient sich derselben geschichtlichen Beweisführung. Wir führen hier dessen eigene Worte an: ״Amram, Vater des Moses, war Zeitgenosse des Levi, Levi empfing die Mittheilungen seines Vaters Jakob. Jakob endlich war ein Schüler Scm's. Nun hatte Noah, Vater des Sem, noch den Adam gesehen/) welcher letztere ans eigenen Erlebnissen wußte, daß er der einzige Mensch auf Erden war und nicht von Vater und Mutter abstammte. Wäre nun die mosaische Angabe von der Weltschöpfung u. der Völkerentstehung nicht vollkommen der Wahrheit entsprechend, dann hätten wohl die Zeitgenossen des Moses, besonders die Weisen im Volke, die mit der Völkergeschichte bekannt waren, diese Angabe als Lüge zurückgewiesen. Auch Don Isaak Abravanel ד) bedient sich dieses Argumenteö, um zu erklären, warum Maimuni 8) als die biblischen Gewährsmänner für die Weltschöpfung vor allen andern bloö Abraham und MoseS hervorhebt. Narboni meint wol, weil die beiden, Abraham und MoseS, als die Stammväter der jüdischen Nation, jener in leiblicher, dieser in geistiger Beziehung, zu betrachten sind. Doch Abravanel befriedigt sich nicht gerne mit den Erklärungen Narboni's, des Freidenkers, und benützt daher lieber das obige Argument Kusari's, nur weicht er von diesem in den chronologischen Daten wesentlich ab. — Abraham, sagt er, war 58 Jahre alt, als Noah starb,״) welcher letztere noch den Seth und andere Zeitgenossen deS Adam gekannt und mithin das Ereigniß der Weltschöpfung aus authentischer Quelle hatte. Abraham, der also die Wahrheit der Weltschöpfung aus dem Munde Noah'S gehört, sprach darum von Gott: ״ קונה שמים וארץSchöpfer des Himmels u. der Erde." — Nun aber lag zwischen Abraham und MoseS nur ein Zeitraum von ungefähr zwei hundert Jahren (?) — .בכמו מאתים שנד. — Der letztere mußte daher nicht nur durch göttliche Offenbarung, sondern auch durch geschichtlich Tradition das Ereigniß der Schöpfung gekannt haben. Und deshalb stellt Maimuni die beiden, Abraham und Moses, als die Gewährsmänner der Weltschöpfung hin. Doch kehren wir zu Kusari zurück. Noch eiu zweiter Umstand spricht ihm für die Abstammung von Einem Vater; nämlich die im Allgemeinen gleiche Plastik der Sprachen, ihre kunstreiche und doch bei allen Völkern der Erde gleichmäßige Zusannnensetznng aus Nominibus, Verdis nud Partikeln weist darauf hin, daß es ursprünglich nur einen Menschenvater und Menschenstamm und also auch nur eine Sprache gegeben, die erst dann nach und nach die große Sprachenfamilie aus ihrem Mutterschoße erzeugt hat. Woher käme noch ferner die bei allen Völkern von jeher herrschend gewesene Eintheilung der Zeit in siebentägige Wochen? Eine Verabredung oder Uebereinkunft aller Erdenvölker in diesem Punkte ist doch wol nicht denkbar. Diese allgemeine hebdvmadische Zeiteintheilung erklärt sich nur dadurch, daß alle Erdbewohner in der That nur von einem Menschen abstammeu, zusammen also nur einen Stamm bildeten und so gewisse gemeinschaftliche Traditioneu unter sich fortpflanzten. — Unserm Autor mußte es nnwahrscheinlich gewesen sein, die siebentägigen Wochen als Unterabtheilungen des synodischen Mondes zu fassen, da die Mondviertel nicht 7, sondern durchschnittlich 1% Tage enthalten. Wenn nun auch eingewendet werden könnte, daß hier die runde Zahl von sieben Tagen genommen wurde, so bliebe doch die Frage: Was hat alle Völker der Erde so einstimmig auf die Idee geleitet, die runde Zahl sieben anznnehmen? — Ein Anderes aber wäre es, zu erweisen, ob der Verfasser des Kusari mit seiner Behauptung von der allgemeinen Annahme der siebentägigen Woche, im Rechte ist. Denn wenn es auch unstreitig ist, daß viele Völker des Alterthumö, wie die Chinesen, Egppter, Indianer die siebentägige Woche gehabt, so scheint eS doch, daß die alten Perser dieselbe nicht kannten, sondern jedem Monatstage einen andern Namen beilegten; ebenso scheint es, daß die altern Griechen durch die Dekaden, in die sie ihre Monate theilten, eine Art zehntägiger, so wie die Römer durch die Nundinae achttägige Wochen hatten. Dio Cassius 37, 16 sagt: ״Daß man die Tage auf die sieben Gestirne, die man Planeten nennt, bezieht, ist eine Sitte, die sich seit gar nicht lange von den Ägyptern zu allen Menschen verbreitet hat." Man vergleiche dagegen Josefus Contra

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.