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Ben Chananja · 1862-05-09 · 19 (9.5.1862) · p. Seite 165

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
19 (9.5.1862)
Date
1862-05-09
Page
Seite 165 (sequence 3)
Language
German
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165 Nach Verlauf von einigen Jahren starb I. Potocki am 19. Mai 1751, wahrend dessen sehr imposanten Leichenbcgängnisse der Starost Nikolaus Potocki, nachdem er etwaö über seinen Durst getrunken hatte, einen Juden in St. erschossen haben soll. Der Sohn des Verstorbenen machte dem Starost hierüber bittere Vorwürfe, worauf der AuSgescholtene in rnth. Sprache gesagt haben soll: ״Schweig, schrei' nicht, für Einen werde ich dir eine ganze Fuhr Inden schicken!" Und in der That reiste er sogleich nach Bnczacz, woselbst er durch seine Kosaken eine ziemliche Anzahl jüdischer Jünglinge anffangcn ließ, die er dann wie Kälber ans einen Leiterwagen packte und sie nach St. vor dem Schloße abznstellen befahl. Einer von diesen soll später ein schönes HanS errichtet haben, daö unter dem Namen ״daö Schmaische" bekannt ist. * *) Unter der Herrschaft deö Nachfolgers Staniölanö Potocki's findet sich nichts Mittheilenöwertheö, was auf die Inden Bezug hätte. Die Stadt konnte sich im Allgemeine» nicht ausschwingen, weil sie in den damals sehr unruhigen Zeiten häufigen feindlichen Ueberfällen ans gesetzt war, und die Einwohner ohne Unterschied durch Kontributionen harr gedrückt wurden. Ein solcher Ueberfall wiederholte sich auch am 7. August 1764. Erst nach Einverleibung Galiziens mit der österreichischen Monarchie unter Maria Theresia begann sich St. zu erholen und auch die jüdische Einwohnerzahl zu vermehren. 1808 umgaben die Israeliten ihren Friedhof mit einer Mauer.**) Im I. 1826 erlitt ligcn Juden die 1000 p. G. zu nuterrichten gehabt haben: ob eben deshalb, weil sie Juden waren, also gleichsam zur Strafe ihrer Nngläubigkeit, oder ob die jährlich zum Kirchenbane zu entrichtenden 1000 p. G. die Gesalnuitstener der Stanislaner Inden waren, die sie jährlich dem Schloßherrn zu zahlen hatten, womit er nun ans die oben gedachte Weise verfügte. Letztere Ansicht ist die wahrscheinlichere, als sonst die Entrichtung der gedachten Summa bloß für die Zeit des KirchcnbaneS geschehen wäre. *) Das ganze Factum, obwohl als ungewiß dargestellt, trägt doch daS Gepräge der Wahrheit an sich. Denn erstens stehen solche Barbareien der Grundherrn den Inden gegenüber nicht vereinzelt da. zweitens würden die Chronisten gewiß eine solche Schandthat von einem Mitgliede der ersten Familie des Landes, wenn dieselbe ganz ««wahr gewesen wäre, nicht erwähnt haben. **) Die Bcranlassnug hiezu soll folgende Thatsache gewesen sein: Seit einiger Zeit bemerkte man, daß die frischen Gräber daselbst aufgewühlt waren, und die jüd. Leichname entblößt und verstümmelt waren. Die nächtliche Wache behauptete, daß nächtlich zwei Gespenster vom christlichen Friedhöfe daherkommen und die Leichen verstümmeln. Dieses Gerücht setzte die jüd. Einwohner derart in Schrecken, daß Nie« mand mehr die nächtliche Wache übernehmen wollte, während die Berstümmlung der jüd. Leichen fortdauerte. Da aber bald darauf die Christen nicht mehr Wache halten wollten, so wurde Militär acqnirirt, und ans den Posten gestellt. In der That eilten vom christlichen Fried- Hose zwei weiße Gestalten mit Blitzesschnelle dem jüdischen zu. Das Militär feuerte hierauf seine Gewehre ab, die Gespenster fielen, worauf man sich überzeugte, daß eS Hunde waren. St. eine Feneröbrnnst, wobei auch die Sinagoge ein Raub der Flammen wurde. Was den Fortschritt anbelangt, so war derselbe niemalö die starke Seite St.'s; hier wird noch mit größter Halsstarrigkeit am Alten und Herkömmlichen festgehalten und ist man nicht geneigt, der Neuzeit Eoncessionen zu machen. Zwar machten im I. 1848 einige edeldenkende Jsraeliten den Versuch, ei::e jüd. Schule zu gründen, und eröffneten zu diesem Zwecke vorläufig eine Privatanstalt, deren Kosten durch Privatbeiträge gedeckt wurden. Leider erfreute sie sich keiner langen Dauer! Im I. 1860 wurde dieser Versuch Seitens der dortigen k. k. Kreisbehörde und deS rühmlichst bekannten Salomo Fränkel *) erneuert; allein! eine gewisse Partei wußte die Sache durch geschickte Manöver zu vereiteln. Staniölan hat ein jüdisches Spital, das vor einigen Jahren durch die Bemühungen des Herrn OsiaS Landp organisirt wurde. Der Kostenaufwand wird bloß durch freiwillige Gaben gedeckt, was wohl ein schönes Zeugniß von der Mildthätigkeit der Stanislaner Juden gibt. Die Bevölkerung St.'s ist gegenwärtig überwiegend jüdisch, da von den 11,000 Seelen St.'s 6000 Juden sind, die 1400 jüd. Familien angehören. Im Ringplatze wohnen durchaus Inden, sie beschäftigen sich meist mit Handel, zählen aber auch 140 jüd. Meister verschiedener Handwerke in ihrer Mitte. ES gibt hier viel Reichthum, aber auch große Armut, indem es weder Fabriken gibt, wo die ärmere Klasse Beschäftigung finden könnte, noch jüd. Schulen, wo die unbemittelten Kinder Unterricht genießen könnten, um sich dann anch außer dem Weichbilde der Stadt ihren Lebensunterhalt zu erwerben, wodurch der Pauperismus bei der ärmern Bevölkerung zunimmt. Zum Schluffe meines Aufsatzes will ich noch des dortigen BeerdignttgS-Vereines Erwähnung thun, dessen Statuten so manches Kuriose enthalten. So z. B. muß jedes neu eintretende Mitglied eine Mahlzeit von 6 Speisen für sämmtliche Mitglieder des Vereins veranstalten, die man סעודה קטנה nennt, worauf das Mitglied 3 Jahre הסה דעה ist, nach Verlauf deö gedachten Zeitraumes ist es wiederum gehalten, die große Mahlzeit (סעודהגדולה) jn veranstalten, wobei die doppelte Anzahl von Speisen verabreicht werden muß, und zwar alle nach gehöriger Vorschrift. Ich habe deshalb diese Bestimmungen deö Beerdigungs-Vereines hervorgehoben, weil die Statuten mancher christlichen Zünfte in St. bei Eintritt irgend eines Mitgliedes ähnliche *) Herr Frankel gehört der Tysmienizer Schule an, welche Gemeinde ausgezeichnete Männer hervorgebracht, die am Horizonte der Wissenschaft unter den Sternen erster Größe glänzen. Ich behalte mir vor. diese Gemeinde nächstens zu besprechen.

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