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Ben Chananja · 1862-05-02 · 18 (2.5.1862) · p. Seite 161

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Journal
Ben Chananja
Volume
5 (1862)
Issue
18 (2.5.1862)
Date
1862-05-02
Page
Seite 161 (sequence 7)
Language
German
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161 sagt. Allesei in der schönsten Ordnung und die Gräber seien vortrefflich erhalten. Abraham, Jsak, Jakob, Joseph, Sara, Rebecca und Leah sind dort bestattet. Zwei der Sheiks wollten Skandal über die Zulassung von Christen machen, aber der Gonveneur von Hebron brachte sic fort, und die andern sprachen ihre Freude über die Chre aus, den Prinzen einer Nation, der das ottomanische Reich so viel verdanke, begrüßen z» können. Der Prinz besuchte Hebron am Montag den 7. April. Der Pascha von Jerusalem war persönlich dort, um ihn zu empfangen und zu cskortircn. X. Prag t 24. April. Die im vorigen Monat hier stattgchabtc Versammlung der isr. Cultusvorständc. bildet noch immer den Brennpnntt, aus den sich das Gespräch gewisser Kreise conzentrirt, vorzüglich werden deren Beschlüsse einer nichts weniger als srcnndlichen Kritik unterzogen. Während die Orthodorie gegen gewisse Normen z. B. daß für angehende Rabbinen die abgelegte MatnriiälS-Prüfniig für uncrläßlich erklärt wird, nur schwach protcstirten, und auch dies nur im vermeintlichen Interesse der theologischen Wissenschaft, hat ein anderer bekannter Kanzelrcdncr in seiner letzten Predigt am Feiertage jener Bersammliing die Autorität ausgesprochen, das Berhältniß der Rabbinen zur Gemeinde zu bestimmen, indem diese durch sich selbst normirt sei. Der Prediger oder Rabbiner sei ermächtigt, nur seinem Gewissen und Pflichtgefühl zu folgen und s. f. Diese Rede wurde nichts weniger als beifällig anfgenommen; eine Predigt pro domo ist nichts Erquickliches und die Kanzel ein sehr unpassender Ort zu einer selbstsüchtigen Polemik. Binnen kurzem wird es hier 3 — 4 Prediger geben. Die Mitglieder der Maisclsynagoge, welche schon längst mvdcrne Anwandlungen haben, beschloßen jüngst einen völligen Umbau der Synagoge vorzuiichincn und dieselbe nach dem Muster des hiesigen Tempels einzuiichten; zugleich soll ein Prediger mit fl. 1000 Gehalt ausgenommen werden. Die Pinkassyn. soll cbensallö umgebanl werden, und einen Prediger erhallen. Die hics. israelitische CnltuSrcpräsentanz wird von nun an ihren Sitzungcu eine beschränkte Oeffentlichkeit verleihen und zwar ist cs jedem Nepräscntanzm'tglicdc gestattet 2 Personen zu jeder Sitzung einzuladen, jedoch müssen dieselben fteuerzahlcnde Gemeindeglieder sein. Ob sich diese Bcrklansnlirnng eines allgemeinen Beifalls erfreue» werde, ist wol fraglich. Das neueste Buch des Herrn Professors Dr. Wessely ״lieber die Nothwer" hat in allen juridischen Fachblättern die freundlichste Ausnahme gefunden, dasselbe soll bloö ein Theil eines großen Werkes über Strafrecht sein, welches vom Verfasser in Bälde erscheinen dürste. Jüngst stellte ein jüd. Advocatur-Candidat an den acadcmischeu Senat das Ansuchen, demselben zu gestatten aus dem cauoiiischeu Recht die strenge Prüfung (Rigorosa) abzulegen, wurde aber als I sraelit abgewicsen. Derselbe ist jedoch zu einem RecurS ans Ministerium und wenn nöthig zn einem MajestätSgesnch entschlossen um auch für jüdische Juristen der Tittel ״sämtlicher Rechte" Doctor zu erwirken. Bei Gelegenheit der Osterseiertagc beliebte cs der hiesigen ״Narvdny listy" einige judenhetzerische Artikel an die Tagesordnung zu setzen, wie es heißt soll der Staatsanwalt den Anklagöbeschluß angetrageu haben, lieber das Bestreben die Juden auf etwas derbe Weise zu zechisircn und durch Einschüchterungen zu wirten, haben die Wiener Blatter diese Tage starke Artikel gebracht, die in nationalen Lagen nicht unverstanden geblieben sein werden. Das deutsche Casino hier, welches eben die Erlanbniß hielt, sich zn konslitniren, zählt unter den vornehmsten Mitgliedern Israeliten, waS eine Folge des jndenhetzerischen Artikel ist, da die Deutschen im Grunde nicht weniger רשעים sind wie die hiesigen deutschen Blätter (Bohemia tlnd Morgenpost) welche erwähnte Artikcl todtschwiegen, sattsam»! bewiesen. X. Pest, 25. Apr. Von einer mehrwöchentlichen Reise zurückgekehrt bemerke ich. daß manche erwähnenswerthe Thatsache aus den hics. jüd. Kreisen in Ihrem Blaue noch nicht registrirt wurde. Ich rekapitnlire also in Kürze: Der zn Anfang d. M. zu Grabe getragene Sal. Hirschlcr hat die letzten Jahre seines Lebens fast ausschließlich Werken der Liebe gewidmet, und wird sein Gedächtniß in der ganzen Gemeinde in Segen fortlebcn. D«e gewählten WcchselgcrichtS-Beisitzcr, Ka r l U l l m a 11 n nnd Nikolaus G o t t c S m a nn, sind von der Hofkanzlei in ihrem Amte bestätiget worden. Der jur. Dr. Brody aus Großwardein hat von Sr Majestät dem Kaiser die Konzession zur Ausübung der Advokatur erhalten. Die Akademie zu Gunsten des jüd. Spitals hat in jeder Rücksicht allen Erwartungen entsprochen. Der neue Verein für Krankenpflege nnd Lcichenbcstattnng ist im erfreulichsten Aufschwünge begriffen. Die Konfirmation soll wieder versucht werden, nachdem man die Gründe zn kennen glaubt, welche de» ersten Bcrsnch zn keinem sehr ansmnnlcrndcn Resultate gelangen ließen. Nun noch einiges Litcrärische. Von dem gelehrte» Zip scr ist die über den scl. Königsberg gehaltene Trancr-Derascha im Drucke erschienen; diese gediegene Arbeit hätte viel gewonnen, wenn sic in hebe. Sprache erschicneu wäre. Die hebr. Hebers. dcS.Frankcl'schen ״Primator" (Wien, Holz- Warth 8, 51) von I a k. Fischer beurkundet eine sehr ausgezeichnete Gewandthcit im hebr. Ausdrucke und der hebr Versifikation. Nur hin und wieder begegnet man einer Härte, z. B. gleich zn Anfänge: אבלרות זבות und dass. S. 50. דברים זבים. Der Vers, hat entschiedenen Beruf zn ähnlichen Arbeiten nnd er verdient, von Kennern ncuhcbr. Poesie aufgemnntert zu werden. — Ein viclersahrncr Lehrer, L. Ehrcnfeld, beabsichtigt ein neues Lehr- und ErzichungSinstiint zu gründen. IWaptik-Lndnuy, 25. Apr. Hr. Jgn. Dent,ch, der einflußreichc Protektor der orthodoren Gemeinde in Großwardcin. soll ans die ihm vor einigen Tagen gemachte Vorstellung einer Deputation seiner Klienten, daß die Gemeinde finanziell zn Grunde gehen muß, wenn die ung. Synagoge nicht abermals gesperrt wird, wie ich vernehme, sein Bedauern ansgedrückt haben, in diesem Augenblicke von einem Plane zur »Regelung der österreichischen Finanzen so sehr in Anspruch genommen zn sein, daß ihm keine Zeit bleibe. sich mit den orthodoren Finanzcn der Großw. Gcm. zn beschäftigen. Sobald die Silberzwanziger wieder im Umlauf sein werden, sagte er. werde er sich ein Vergnügen daraus machen, der Gemcindc seinen Beistand zn leihen. Dieser Aufschnb hat natürlich die Depunrten nicht sehr erbaut. Die Herren begaben sich nach — LiSka , 11111 bei dem Wund ermanne R. Hirsch Rail, und Hilfe zn suchen. Sic können denken, daß dieser Besuch und Alles, was damit zusammciihängt, sehr geheim gehalten wird. Ich war aber in der Lage, den Schleier dieses Geheimnisses — mindestens thcilweise — gelüftei zu sehen. N. Hirsch war von den Vorgängen in Grw. sehr genau nntcrrichtel; er wälzte die Schuld der dortigen Vorgange in erster Linie auf die noch vereint gewesene Gemcindc, insofern dieselbe seit zwanzig Jahren dem modernen Elemente zn viele Konzessionen gemacht, und dadurch den Neuerern Muth nnd UnternehmungSgeist eingeflößt hat. R. Hirsch kann cs dem Großw. Rabbiner nicht verzeihen, daß er sich so weit vergessen hat, Schriften in deutscher Sprache und Schrift herauszngeben. Mit Indignation tadelte er den Leichtsinn der Großw. Orthodoren, welche einen unter ihrer Ägide schreibende», von ihnen besoldeten jungen Menschen in einer Druckschrist erklären lassen. daß alle Reformen, welche in einigen ung. Gemeinden angestrebet werden, — Ständer- und Almemorreform, Chorgesang, Predigt, Pijiitimrcduktioii, Hamanstille, Trauung in der Synagoge, — nichts als Kleinigkeiten sind. Ein Mitglied der Grw. Deputation suchte allerdings darzuthuu, daß diese Acußerung nicht ernstlich gemeint sei, nnd daß sie nur den Behörden gegenüber darthnn wolle, es lohne sich nicht der Mühe, solcher Kleinigkeiten wegen Spättungen in den Gemeinden cintreten zu lassen. R. Hirsch war mit dieser Entschuldigung nichtüweniger als zufrieden. Die Depunrten segnete

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